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Wie man die AfD enttarnt...
Thilo Schneider • 15. Januar 2019
Ein Drama in einem Akt
„Guten Tag, liebe Zuhörer. Heute bei mir bei „Frei-Zeit“, unserem Politmagazin, habe ich heute in unserer Interviewreihe zum Thema „Medien – objektive Nachrichten oder tendenzielle Berichterstattung“ einen ganz besonderen Gast: Heute sitzt hier Klaus Heil von der AfD. Guten Tag, Herr Heil. Oder sollte ich lieber „Heil Hitler“ sagen?“
„Was?“
„Herr Heil, die AfD beschimpft uns öffentlich-rechtliche Sender ja gerne als Lügenpresse. Wie kommen Sie als Nazi eigentlich auf eine derart schwachsinnige Idee?“
„Ich? Also, ich habe noch nie…“
„Aber das ist doch offizielle Position Ihrer Dreckspartei?“
„Aber ich…“
„Keine Ausflüchte, Herr Heil! Sie bezeichnen uns als Systemmedien und tendenziöse Berichterstatter. Sie behaupten, wir senden Fake-News und lassen Tatsachen unter den Tisch fallen. Wollen Sie das leugnen, Herr Obersturmbannführer Heil?“
„Also, ich…“
„Sehen Sie? Sehen Sie? Wir haben also doch Meinungsfreiheit, Sie Faschist. Sie kommen hierher, stellen einfach Behauptungen in den Raum und erwarten, dass wir diesen nicht widersprechen! „Demokratie“, Herr Heil, bedeutet auch, dass Sie mit Widerspruch rechnen müssen!“
„Ja, aber…“
„Da gibt es kein Aber, Kamerad Heil. Aber ich werde in meinem Studio keine hetzerischen und verleumderischen Aussagen dulden. Ihre Aussagen dürften für 80% aller Hörer sowieso unerträglich sein! Verstehen Sie das, Herr Heil?“
„Aber ja, aber nein, aber…“
„Sie geben also zu, dass sich die AfD als legitimer Nachfolger der NSDAP sieht?“
„Was? Waas? Ich…“
„Herr Heil, bitte haben Sie Verständnis, dass ich derartige Hetze in MEINEM Studio nicht dulde!“
„ABER ICH BIN DOCH GAR NICHT HERR HEIL, ICH SOLL HIER NUR PIZZA ABLIEFERN!“
„Echt?“
„Ja.“
„Und warum hetzen Sie dann hier herum?“
„Ja, aber mach ich doch gar nicht.“
„Herr Heil, das habe ich und das haben Tausende von Zuhörern gehört!“
„Ja, aber ich soll doch nur Pizza…“
„Nazi sein und Pizza fressen. Das habe ich ja besonders gern. Bitte verlassen Sie SOFORT mein Studio!“
„Ja und das Geld?“
„Genau. Darum geht es Ihnen und Ihren Kameraden letztlich. Ums Geld. Es wurde Zeit, dass Ihnen mal jemand die hässliche Fratze vom Gesicht reißt und das verlogene Antlitz der Maske darunter zeigt! Raus hier!“
„Aber die Bezahlung für die Pizza…?“
„…können Sie sich in ihren braunen Nazihintern schieben. Sieg Heil, Sie Pfosten! Wir machen weiter mit Musik!“

Ist das nicht süß? Wirklich zuckersüß, wie sie jetzt alle springen, tanzen und singen? Da kommt so ein Ami aus Amirika zur Münchner Sicherheitskonferenz und hält den bei Häppchen und Sekt versammelten grauen Köpfen der europäischen Nomenklatura einen 20-minütigen, freien und fehlerlosen Vortrag über Demokratie und Mehrheiten, verzwergt seine Zuhörer und deklassiert sie und landauf landab fliegen die geohrfeigten Köpfe der Brandmaurer. Da stellt sich dann ausgerechnet ein ausgebildeter Neo-Sozialist wie der Bundespräsident, der vor nicht einmal 12 Monaten den amtierenden Präsidenten der USA als „Hassprediger“ abgekanzelt hat, hin und verbittet sich eine Einmischung der Amerikaner in die lautere und tadellose Demokratie der Schwachkopf-Anzeiger, „So-Done“-Betreiber und Morgens-aus-dem-Bett-Klingler. Da sind sie alle ganz aufgeregt, die, die nicht müde wurden, zu beteuern, dass mit Donald Trump das absolut Böse ins Weiße Haus einziehen wird. Die den altersschwachen Joe Biden zu einem stolzen Führer der freien Welt mit dem absoluten Überblick verklärten, um gleich anschließend Kamala Harris zu einer Lichtgestalt zu verklären, die den Heiligenschein Jesu um Milliarden Lux überstrahlte. Diese Politiker und Medien beschweren sich nun wie mit der Hand in der Keksdose ertappte Kinder über eine Rede, die ihnen, den Führern des Wertewestens und des freiesten und buntesten und diversesten Europas, das es je seit der Belagerung Konstantinopels gab, die demokratischen Leviten liest. Witzig – während ich diese Zeilen schreibe, lese ich auf X, dass der Rechtsanwalt Markus Roscher zu 3.000,- € Geldstrafe verurteilt wurde, weil er in einem Tweet Habeck, Scholz und Baerbock für das Heizungsgesetz als „boshafte Versager“ bezeichnet hat. Sein Waffenschein steht nun wegen „Unzuverlässigkeit“ ebenfalls zur Diskussion. Außerdem muss er im „Wiederholungsfall“ – nämlich, dass er die Genannten „in ihrem öffentlichen Wirken erheblich beeinträchtigt“ – damit rechnen, dass ihm der Entzug seiner Anwaltslizenz droht. Außerdem wurde er gewarnt, dass er im Einspruchsverfahren mit einer noch höheren Geldstrafe rechnen müsste. Sieht so die Meinungsfreiheit „unserer Demokratie“ aus? Das exakt ist es, was Vance mit seiner Rede gemeint hat. Und was unsere Politisierenden und die geneigten Medien vehement und ganz wehrhaft mit wedelnden Armen abstreiten. „Keine Meinungsfreiheit? Stimmt ja gar nicht! Halt die Fresse!“ Ich mag die AfD nicht. Ich finde sie zu wenigstens 60% ganz schrecklich, weil da auch ganz schreckliche Leute mitmachen, deren Stammtische ich schon in Jugendtagen gemieden habe, obwohl es die da noch gar nicht gab. Das spielt in einer Demokratie aber keine Rolle, wen ich mag oder nicht mag. Ich persönlich finde Grüne und Linke noch viel schrecklicher, radikaler und ja – auch gewalttätiger. Erst recht, wenn sie 1933 als Rechtfertigung für Zerstörung und Körperverletzung als Alibi heranziehen. Aber ebenso, wie ich die Einen ertragen muss, muss ich auch die anderen ertragen. Und, als Demokrat, bestenfalls mit beiden reden, weil sie vielleicht ja doch einen Punkt haben. Außerdem ist es unfair und undemokratisch, eine 20%-Partei in ihrer parlamentarischen Arbeit zu behindern und ihnen ihrer Partei zustehende Posten zu verweigern oder Gesetze und Regeln so elegant hinzubiegen, dass sie keine Chance haben, für das Geld, das sie auch von ihren Wählern bekommen, Ihren Job zu machen. Unser Grundgesetz (dessen Hochhalten in Corona bereits bestraft wurde) sieht keine „guten“ und „schlechten“ Wählerstimmen vor. Es gibt schlicht keine Abstufung. Vance hat nichts anderes gesagt als seinerzeit Gorbatschow zu den Betonköpfen im Politbüro: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wer sich nicht um die Anliegen von mindestens 20% - eigentlich aber sogar mehr als 50% aller Wähler kümmert (ja, wir reden hier von illegaler Migration und Union und AfD gemeinsam), der darf sich dann auch nicht wundern, wenn die eigene, überhebliche Arroganz gegenüber dem Wahlvolk, das die ganze Butze finanziert, zur eigenen Abwahl führt. Es ist das tiefste Wesen einer Demokratie, dass es keinen Adel und keine Kaste gibt und das Volk seine Regierungen bei Nichtbeachtung abwählen und einer neuen Regierung eine neue Chance geben kann, darf, soll und – im Eigeninteresse – sogar muss. Nichts anderes hat Vance versucht, seinen europäischen Gesprächspartnern, die nun gemeinsam mit den ihnen gewogenen Medien aufgeregt flügelschlagend umeinanderkreisen, klarzumachen. Und als Antwort bekommt er – und wir – unter dem Strich die gleiche Antwort, die seinerzeit Honecker gab: „Unsere Demokratie in ihrem Lauf halten weder Trump noch Vance auf“. Flankiert von dem üblichen Gesülze von Trump als Sith-Lord mit Musk und Vance als böse Palatine. Die glauben das wirklich! Außerdem hat Vance mit Weidel und Merz gesprochen. GESPROCHEN! Sie haben richtig gelesen. Die Amerikaner haben glasklar erkannt, dass mit der EU und den Wichtigtuern der deutschen Regierungsparteien schlicht „kein Staat“ zu machen ist. „America first“ heißt auch „Europe second“ und die Rede von Vance und die Reaktionen darauf haben tatsächlich gezeigt, mit welchen eitlen und wichtigtuerischen Wichten wir es in „unserer Demokratie“ zu tun haben. Wird sich aber nun etwas ändern? Natürlich nicht. Die europäischen Kleinmächte mit ihren zappeligen Demokratieminderleistern werden sich einigeln und hoffen, dass die nächsten vier Jahre Trump und dann vielleicht vier Jahre Vance an ihnen wie ein Gewittersturm vorüberziehen werden. An uns als Wählern liegt es, ob dies so sein wird.




