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Die Evakuierung aus dem Kabul
Thilo Schneider • 6. September 2021
Wie es auch gewesen sein könnte...

Ein Drama in einem Akt
Tüdelüt-tüdelut
„Wir können Sie da auch mit Gewalt ´rausholen, wenn es sein muss. Was glauben Sie denn, mit wem Sie es zu tun haben?“
„Genau! Die Chancen stehen für uns also miserabel und wenn einer von uns oder alle dabei draufgehen, dann ist es Ihre Schuld! DAS gibt Ärger in München, wenn Sie wieder zurück sind, aber hallo! Das wollen Sie sich gar nicht vorstellen!“
„Hören Sie, jetzt seien Sie doch nicht sauer. So war das nicht gemeint. Wenn Sie drauf bestehen, dann evakuieren Sie uns eben.“
„Das wollte ich hören.“
„Aber…“
„Was?“
„Die Omma muss mit!“
„Wie, „die Omma muss mit“?“
„Naja, sie kriegt hier eine Scheiß-Rente. Schön ist das nicht.“
„Nein, die bleibt da.“
„Dann evakuieren Sie uns eben nicht!“
„…“
„Wir brauchen Sie nicht! Sie brauchen uns!“
„Na gut. Dann nehmen Sie eben Ihre Mutter mit. Aber NUR die Mutter. Nicht, dass Sie jetzt noch…“
„Neinnein…“
„So von wegen „Schwager und Cousin“ und so Scherze. Ich kenne Euch Moslem-Brüder!“
„Nein, nur die Omma. Deal?“
„Deal! Eine Bitte hätte ich noch…“
„Was denn noch? Wir lassen uns ja evakuieren!“
„Ja, es ist so, dass das schon ziemlich riskant ist. Für uns jetzt. Wäre es Ihnen eventuell möglich, mit dem Taxi zu einem etwas sichereren Platz zu fahren, an dem wir uns treffen? So ein bisschen außerhalb? Wir übernehmen natürlich die Fahrtkosten!“
„…aber nicht über 20 Dollar! Und nur gegen Quittung. Ich leg das aus, aber ich muss das dann mit dem Heeresverpflegungsamt abrechnen, verstehen Sie?“
„50 Dollar!“
„Sie Schlawiner! Okay, 40 Dollar. Und keinen Cent mehr. Und da muss ich schon bei den Amerikanern - Verzeihung: Amerikaner:innen - sammeln gehen. Ich gebe Ihnen jetzt die Koordinaten durch. Wir treffen uns um Zwanzig-Hundert auf den Koordinaten – schreiben Sie bitte mit…“
„Moment, Stift… Jetzt!“
„Breite 34°36‘28.51“N, Länge 69°15‘58.01“E“, haben Sie das?“
„Was ist da?“
„Nix. Das ist ja das Coole! Sie erkennen uns an dem Helikopter!“
„Okay. Wir kommen!“
„Ach, und wenn Sie uns noch etwas Gebäck mitbrächten, wir haben etwas Hunger und wir kommen ja sonst hier nicht ´raus!“
„Gut, meine Mutter backt auch noch einen Kuchen!“
„Prima – und sehen Sie zu, dass Sie einigermaßen manierlich aussehen, die Presse wird da sein!“
„Alles klar, mach ich! Bis später!“
„Bis später. Schukran. Over and out.“
„Jaja, bis später… بشپړ احمق“
*Beep*
(Anmerkung: Ich möchte keinesfalls die Leistungen der Bundeswehr bei der Evakuierung einer Familie aus Kabul und speziell der KSK ins Lächerliche ziehen – aber die Welt da draußen ist mittlerweile so surreal geworden, dass wirklich ALLES möglich scheint. Wer sich also aufregt – selbst schuld! Sämtliche Namen sind natürlich frei erfunden)
Tüdelüt-tüdelut
„سلام?“
„Hallo? Sprechen Sie Deutsch?“
„Ja, hallo? Was kann ich für Sie tun?“
„Sie für mich? Ehm, nein, also, Hauptmann Stahl-Wolff ist mein Name, Einsatzleiter der KSK-Gruppe „Eichenschwert“. Sie sind doch diese Münchner Familie?“
„Ja, wir wohnen in München, das ist korrekt.“
„Ja und wir haben die Information, dass Sie hier in Kabul Ihre Mutter besuchen, ist das richtig?“
„Ja, das stimmt. Wieso?“
„Ja, also, wir würden Ihnen jetzt anbieten, dass wir Sie evakuieren, weil, jetzt sind wir nun einmal da…“
„Ach, das ist nicht nötig, mein Schwager ist der Befehlshaber der örtlichen Talibaneinheit und mein Cousin ist gestern ebenfalls übergelaufen. Alles schick. Wir kommen schon raus. Schlimmstenfalls fahren wir nach dem Urlaub nach Usbekistan und nehmen da einen Linienflug. Wir kennen die Leute hier!“
„…ach. Ach, das ist ja schade… Sind Sie sicher, dass wir Sie nicht evakuieren sollen?“
„Ganz sicher. Wir kennen uns hier aus!“
„…hm. Das ist jetzt blöd.“
„Was? Warum ist das blöd?“
„Naja, wissen Sie, wir sind eine hochtrainierte Sondereinheit von menschlichen Kampfmaschinen und wir hängen hier jetzt so herum…“
„Ja und?“
„Ja, und eigentlich hatten wir uns auf den Einsatz gefreut und es hätte ja auch ein gutes Bild in der Öffentlichkeit gemacht. Wissen Sie, beim letzten Flug hatten wir nur sieben Leute an Bord und Sie können sich vorstellen, wie dämlich das in der Presse ausgesehen hat…“
„Aber das ist doch nicht mein Problem?“
„Naja, wie man es nimmt. Sie sind doch Deutscher…“
„Auch, „wie man es nimmt“. Aber wir haben deutsche Pässe, das ist richtig!“
„Naja, wir bräuchten jetzt hier schon mal ein Erfolgserlebnis. So für unsere Kanzlerin und die Verteidigungsministerin. Das würde sich gut machen und unser Bild in der Welt verbessern…“
„Ja und?“
„Was ich sagen will: Es ist eigentlich Ihre patriotische Pflicht, sich von uns evakuieren zu lassen…“
„Aber ich will doch gar nicht…“
„Ja, „aber ich will doch garnicht“, Mimimi – meinen Sie vielleicht, ich will? Meinen Sie, die Kameraden – Entschuldigung – Kamerad:innen haben Lust und Laune auf einem staubigen Drecksflughafen in einer der ödesten Gegenden der Welt abzuhängen? Da hätten wir auch in Mecklenburg-Vorpommern bleiben können…“
„Ja, aber was habe ich damit zu tun?“
„Das werde ich Ihnen sagen, Herr… äh… Mammut-Ghaza: Wir, die Bundesrepublik, haben Sie und Ihre Familie damals mit offenen Armen empfangen, haben Sie beschützt, den Schulunterricht bezahlt, den Deutschunterricht bezahlt, wir haben uns den ARSCH für Sie aufgerissen, aber wehe, man verlangt mal einen Gefallen… Es ist Ihre staatsbürgerliche PFLICHT, sich von uns evakuieren zu lassen…!“
„Nein, also, wie gesagt…“
„Wir können Sie da auch mit Gewalt ´rausholen, wenn es sein muss. Was glauben Sie denn, mit wem Sie es zu tun haben?“
„Ach ja? Drohen Sie mir? Dann holen Sie mich doch! Hier sind überall Taliban, das wird für Sie spannend und garantiert kein Spaziergang! Ich versammele die ganze Familie!“
„Genau! Die Chancen stehen für uns also miserabel und wenn einer von uns oder alle dabei draufgehen, dann ist es Ihre Schuld! DAS gibt Ärger in München, wenn Sie wieder zurück sind, aber hallo! Das wollen Sie sich gar nicht vorstellen!“
„Hören Sie, jetzt seien Sie doch nicht sauer. So war das nicht gemeint. Wenn Sie drauf bestehen, dann evakuieren Sie uns eben.“
„Das wollte ich hören.“
„Aber…“
„Was?“
„Die Omma muss mit!“
„Wie, „die Omma muss mit“?“
„Naja, sie kriegt hier eine Scheiß-Rente. Schön ist das nicht.“
„Nein, die bleibt da.“
„Dann evakuieren Sie uns eben nicht!“
„…“
„Wir brauchen Sie nicht! Sie brauchen uns!“
„Na gut. Dann nehmen Sie eben Ihre Mutter mit. Aber NUR die Mutter. Nicht, dass Sie jetzt noch…“
„Neinnein…“
„So von wegen „Schwager und Cousin“ und so Scherze. Ich kenne Euch Moslem-Brüder!“
„Nein, nur die Omma. Deal?“
„Deal! Eine Bitte hätte ich noch…“
„Was denn noch? Wir lassen uns ja evakuieren!“
„Ja, es ist so, dass das schon ziemlich riskant ist. Für uns jetzt. Wäre es Ihnen eventuell möglich, mit dem Taxi zu einem etwas sichereren Platz zu fahren, an dem wir uns treffen? So ein bisschen außerhalb? Wir übernehmen natürlich die Fahrtkosten!“
„Na gut, ich bin ja kooperativ…“
„…aber nicht über 20 Dollar! Und nur gegen Quittung. Ich leg das aus, aber ich muss das dann mit dem Heeresverpflegungsamt abrechnen, verstehen Sie?“
„50 Dollar!“
„Sie Schlawiner! Okay, 40 Dollar. Und keinen Cent mehr. Und da muss ich schon bei den Amerikanern - Verzeihung: Amerikaner:innen - sammeln gehen. Ich gebe Ihnen jetzt die Koordinaten durch. Wir treffen uns um Zwanzig-Hundert auf den Koordinaten – schreiben Sie bitte mit…“
„Moment, Stift… Jetzt!“
„Breite 34°36‘28.51“N, Länge 69°15‘58.01“E“, haben Sie das?“
„Was ist da?“
„Nix. Das ist ja das Coole! Sie erkennen uns an dem Helikopter!“
„Okay. Wir kommen!“
„Ach, und wenn Sie uns noch etwas Gebäck mitbrächten, wir haben etwas Hunger und wir kommen ja sonst hier nicht ´raus!“
„Gut, meine Mutter backt auch noch einen Kuchen!“
„Prima – und sehen Sie zu, dass Sie einigermaßen manierlich aussehen, die Presse wird da sein!“
„Alles klar, mach ich! Bis später!“
„Bis später. Schukran. Over and out.“
„Jaja, bis später… بشپړ احمق“
*Beep*
(Anmerkung: Ich möchte keinesfalls die Leistungen der Bundeswehr bei der Evakuierung einer Familie aus Kabul und speziell der KSK ins Lächerliche ziehen – aber die Welt da draußen ist mittlerweile so surreal geworden, dass wirklich ALLES möglich scheint. Wer sich also aufregt – selbst schuld! Sämtliche Namen sind natürlich frei erfunden)

Ist das nicht süß? Wirklich zuckersüß, wie sie jetzt alle springen, tanzen und singen? Da kommt so ein Ami aus Amirika zur Münchner Sicherheitskonferenz und hält den bei Häppchen und Sekt versammelten grauen Köpfen der europäischen Nomenklatura einen 20-minütigen, freien und fehlerlosen Vortrag über Demokratie und Mehrheiten, verzwergt seine Zuhörer und deklassiert sie und landauf landab fliegen die geohrfeigten Köpfe der Brandmaurer. Da stellt sich dann ausgerechnet ein ausgebildeter Neo-Sozialist wie der Bundespräsident, der vor nicht einmal 12 Monaten den amtierenden Präsidenten der USA als „Hassprediger“ abgekanzelt hat, hin und verbittet sich eine Einmischung der Amerikaner in die lautere und tadellose Demokratie der Schwachkopf-Anzeiger, „So-Done“-Betreiber und Morgens-aus-dem-Bett-Klingler. Da sind sie alle ganz aufgeregt, die, die nicht müde wurden, zu beteuern, dass mit Donald Trump das absolut Böse ins Weiße Haus einziehen wird. Die den altersschwachen Joe Biden zu einem stolzen Führer der freien Welt mit dem absoluten Überblick verklärten, um gleich anschließend Kamala Harris zu einer Lichtgestalt zu verklären, die den Heiligenschein Jesu um Milliarden Lux überstrahlte. Diese Politiker und Medien beschweren sich nun wie mit der Hand in der Keksdose ertappte Kinder über eine Rede, die ihnen, den Führern des Wertewestens und des freiesten und buntesten und diversesten Europas, das es je seit der Belagerung Konstantinopels gab, die demokratischen Leviten liest. Witzig – während ich diese Zeilen schreibe, lese ich auf X, dass der Rechtsanwalt Markus Roscher zu 3.000,- € Geldstrafe verurteilt wurde, weil er in einem Tweet Habeck, Scholz und Baerbock für das Heizungsgesetz als „boshafte Versager“ bezeichnet hat. Sein Waffenschein steht nun wegen „Unzuverlässigkeit“ ebenfalls zur Diskussion. Außerdem muss er im „Wiederholungsfall“ – nämlich, dass er die Genannten „in ihrem öffentlichen Wirken erheblich beeinträchtigt“ – damit rechnen, dass ihm der Entzug seiner Anwaltslizenz droht. Außerdem wurde er gewarnt, dass er im Einspruchsverfahren mit einer noch höheren Geldstrafe rechnen müsste. Sieht so die Meinungsfreiheit „unserer Demokratie“ aus? Das exakt ist es, was Vance mit seiner Rede gemeint hat. Und was unsere Politisierenden und die geneigten Medien vehement und ganz wehrhaft mit wedelnden Armen abstreiten. „Keine Meinungsfreiheit? Stimmt ja gar nicht! Halt die Fresse!“ Ich mag die AfD nicht. Ich finde sie zu wenigstens 60% ganz schrecklich, weil da auch ganz schreckliche Leute mitmachen, deren Stammtische ich schon in Jugendtagen gemieden habe, obwohl es die da noch gar nicht gab. Das spielt in einer Demokratie aber keine Rolle, wen ich mag oder nicht mag. Ich persönlich finde Grüne und Linke noch viel schrecklicher, radikaler und ja – auch gewalttätiger. Erst recht, wenn sie 1933 als Rechtfertigung für Zerstörung und Körperverletzung als Alibi heranziehen. Aber ebenso, wie ich die Einen ertragen muss, muss ich auch die anderen ertragen. Und, als Demokrat, bestenfalls mit beiden reden, weil sie vielleicht ja doch einen Punkt haben. Außerdem ist es unfair und undemokratisch, eine 20%-Partei in ihrer parlamentarischen Arbeit zu behindern und ihnen ihrer Partei zustehende Posten zu verweigern oder Gesetze und Regeln so elegant hinzubiegen, dass sie keine Chance haben, für das Geld, das sie auch von ihren Wählern bekommen, Ihren Job zu machen. Unser Grundgesetz (dessen Hochhalten in Corona bereits bestraft wurde) sieht keine „guten“ und „schlechten“ Wählerstimmen vor. Es gibt schlicht keine Abstufung. Vance hat nichts anderes gesagt als seinerzeit Gorbatschow zu den Betonköpfen im Politbüro: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wer sich nicht um die Anliegen von mindestens 20% - eigentlich aber sogar mehr als 50% aller Wähler kümmert (ja, wir reden hier von illegaler Migration und Union und AfD gemeinsam), der darf sich dann auch nicht wundern, wenn die eigene, überhebliche Arroganz gegenüber dem Wahlvolk, das die ganze Butze finanziert, zur eigenen Abwahl führt. Es ist das tiefste Wesen einer Demokratie, dass es keinen Adel und keine Kaste gibt und das Volk seine Regierungen bei Nichtbeachtung abwählen und einer neuen Regierung eine neue Chance geben kann, darf, soll und – im Eigeninteresse – sogar muss. Nichts anderes hat Vance versucht, seinen europäischen Gesprächspartnern, die nun gemeinsam mit den ihnen gewogenen Medien aufgeregt flügelschlagend umeinanderkreisen, klarzumachen. Und als Antwort bekommt er – und wir – unter dem Strich die gleiche Antwort, die seinerzeit Honecker gab: „Unsere Demokratie in ihrem Lauf halten weder Trump noch Vance auf“. Flankiert von dem üblichen Gesülze von Trump als Sith-Lord mit Musk und Vance als böse Palatine. Die glauben das wirklich! Außerdem hat Vance mit Weidel und Merz gesprochen. GESPROCHEN! Sie haben richtig gelesen. Die Amerikaner haben glasklar erkannt, dass mit der EU und den Wichtigtuern der deutschen Regierungsparteien schlicht „kein Staat“ zu machen ist. „America first“ heißt auch „Europe second“ und die Rede von Vance und die Reaktionen darauf haben tatsächlich gezeigt, mit welchen eitlen und wichtigtuerischen Wichten wir es in „unserer Demokratie“ zu tun haben. Wird sich aber nun etwas ändern? Natürlich nicht. Die europäischen Kleinmächte mit ihren zappeligen Demokratieminderleistern werden sich einigeln und hoffen, dass die nächsten vier Jahre Trump und dann vielleicht vier Jahre Vance an ihnen wie ein Gewittersturm vorüberziehen werden. An uns als Wählern liegt es, ob dies so sein wird.

Haben Sie die Bilder gesehen? Robert Habeck hat eines verbreitet, Olaf Scholz ein anderes. Robert Habeck war nämlich in Auschwitz. Aber nur als Besucher. Olaf Scholz auch, auch als Tourist. Auf dem Bild Robert Habecks sieht man ihn aus der Rückenansicht, wie er zwischen einem Gebäude (dem Krematorium?) und zwei Stacheldrahtzäunen, ganz allein, fast einsam, entlangflaniert. Das ganze Bild, in einen orangen Filter getaucht, erinnert stark an die „Jever“-Werbung. Ein Mann. Seine Gedanken. Ein KZ. Veröffentlicht hat Robert Habeck das Bild auf X mit dem Untertext: „Heute, am 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, habe ich in Polen das Stammlager I und später das Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau besucht. Neben dem offiziellen Teil gab es auch ein paar Momente allein. Ich brauche dazu nichts zu sagen, denke ich.“ Ein paar Momente. Allein. Robert Habeck mit sich selbst. Und dem Kameramann. Und den Personenschützern. Möglicherweise auch mit seinem Social-Media-Team und seinem Wahlkampfteam. Aber allein. Hauptsache allein. Mit seinen Gedanken. Und die teilt er mit, indem er sie nicht mitteilt. So isser, unser Robert, gell? So ein eigentlich stiller, besinnlicher und, ja, auch tief philosophischer Typ. Ich kann mich nicht gegen meine Phantasie wehren. Ich sehe mich mit Robert Habeck und seinem Team da, in dieser Todesgasse stehen und das, was wie ein Schnappschuss – welch grässliches Wort in einem Konzentrationslager – aussieht, inszenieren: „Robert, wir machen das von hinten. Wie in der Werbung. Geh ein paar Schritte nach da. Nicht umdrehen, Robert, NICHT UMDREHEN, HERRGOTT, ja, so isses gut, Stimmt das Licht, Malte? Klasse. Nicht so weit weg, Robert, es muss zufällig aussehen und wir können das Stativ und das Licht nicht hinter Dir hertragen. Geh nochmal so… JA, PASST, IS IM KASTEN! Super Robert, das wird ein Kracher!“ Ein Hauch von Bierwerbung weht durch das Bild: Wie das KZ, so das Jever. Ich weiß nicht, ob er oder Olaf Scholz schneller war, unser Kanzler ließ sich von hinten insze… fotografieren, wie er vor einem der Öfen im Krematorium steht. Mittig. Im gedämpften Licht. Besinnlich und sich besinnend. Ob er da ein Gebet gesprochen hat? Man weiß es nicht, aber die Bildkomposition ist sehr schön, sehr symmetrisch. Da hat das Fotografierende gut mitgedacht. Diesen beiden Typen ist das vielleicht grausigste und grausamste Vernichtungslager der Welt nicht zu schade, um sich zu Wahlkampf- und Eigendarstellungszwecken optisch hübsch in Szene zu setzen, um einen auf „besinnlich“ zu machen. Das, was vor Ort passiert ist, wo Menschen verprügelt, verreckt und schlussendlich vergast wurden, wird heute von ganz aufrecht unserdemokratischen Politikern zur Gruselkulisse für nicht hässliche Bilder, zum „Auschwitzland“ für professionelles Trauern herabgewürdigt. Wahres und echtes Gedenken braucht keine Pressefotografen, sondern Ruhe und Geschichtsbewusstsein, was ich mit einem Pulk von Fotografen, Security und Begleitentourage für höchst schwierig halte. Beide Bilder haben einen bitteren Beigeschmack von „Halloho? Ich trauere und bin nachdenklich! Seht Ihr, wie ich trauere? Seht Ihr es? Kinners, hierher, ich trauere! Guck, da der Ofen, da der Stacheldraht, schrecklich. Soll ich nochmal im Halbprofil…?“ Es gibt vielleicht noch eine Handvoll Leute, die aus Auschwitz entkommen und bewusst erzählen können, wie es war und auch sie werden bald gestorben sein. Wer als 10-jähriger da hinkam und überlebte, ist spätestens 1935 geboren und heute 90 Jahre alt. In zehn bis zwanzig Jahren wird die Erinnerung an den Holocaust nur noch virtuell in Filmen und Literatur gegenwärtig sein, da es keine Zeitzeugen mehr gibt, die das Monströse dieses Ortes aus eigener Anschauung vermitteln können. Dann wird Auschwitz endgültig zur Gedenkkulisse von Politikern herabgewürdigt werden, wenn die Museumsleitung hier nicht eingreift. Eigentlich sollte auf dem gesamten Gelände ein Fotografier-Verbot herrschen. Auch und besonders für Politiker. Das ist kein Ort, um Besinnlichkeit zu heucheln und publikumswirksame Bilder zu schießen. Oder lustige Selfies für Instagram und Tiktok zu machen. Was kommt als Nächstes? „My friends went to Auschwitz and all I got was this lousy T-Shirt“? Das ist Auschwitz. Der Ort eines der größten Verbrechen der Menschheit. Ein Ort, an dem Täter zu viehischen Barbaren und Opfer zur vernichtbaren Objekten herabgewürdigt wurden. Ein Ort, gegen den die Hölle ein angenehmer Platz sein muss. Ein Ort, an dem es keine Moral und keine Menschlichkeit mehr gab. Und an diesem Ort standen zwei Politiker in guter Ausleuchtung und simulierten Anteilnahme. Dann reisten sie wieder ab und beschlossen, noch mehr Judenhasser ins Land zu lassen. Es widert mich nur noch an.


