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Humboldt-Kekse
Thilo Schneider • 2. Juli 2020
...Kekse für jede sexuelle Orientierung

Chief Advisor (CA): Guten Morgen, alle zusammen. Wir könnten einen Auftrag von „Humboldt-Kekse“ bekommen. Ich habe mit der Firmenleitung gesprochen, es geht darum, dass unser potenter und potentieller Auftraggeber eine neue Image-Kampagne haben möchte, nachdem die Tochter des Hauses sich, nennen wir es: „etwas ungeschickt“, ausgedrückt hat, was ihr Vermögen und dessen Herkunft angeht. Er möchte ein jüngeres, frischeres Image und damit die Keksesser von Morgen ansprechen. Der bisherige Slogan war „Nur echt mit 52 Zähnen“, was sich heutzutage ja etwas aggressiv anhört. Wer will schon Zähne essen? Wir sollen also die Marke verjüngen, die Jugend ansprechen und den Bekanntheitsgrad in der Zielgruppe der Jungen steigern. So viel zum Setting. Ich erwarte Eure Vorschläge!
CA: Sind aus Zucker und Milch
First Campaign Planner (FCP): Glutenfrei?
CA: Äh, keine Ahnung? Wieso?
FCP: Dann könnten wir was über das Thema Gesundheit machen. „Ein Keks, der Dir nicht auf den Keks geht“ oder so…
CA: Das ist gut! DAS IST GUT!
SMA: Gesundheit ist doch so ausgelutscht. Quasi ein ausgelutschter Keks. Wie wäre es mit einem Problem, das keiner hat? „Der Keks, der sogar in Milch schwimmt…“
CA: DAS IST GUT!
FCP: Ich weiß nicht… Irgendwie kommt mir das bekannt vor…
SMA: Na gut! Dann nicht! Etwas Provokantes wäre vielleicht gut. So „bitte geh mir auf den Keks“, so die Richtung…
CA: DAS IST GUT!
FCP: …das gibt Krümel. Außerdem ist „geh mir auf den Keks“ oder „geh mir nicht auf den Keks“ so total durchsichtig und so…
SMA: Du hast doch selbst eben erst vor einer Minute das mit dem „Keks gehen“ gesagt…
FCP: Ja, aber jetzt finde ich´s nicht mehr so gut. Jetzt habe ich nachgedacht!
CA: DAS IST GUT!
SMA: Okay! Kekskeks… Cake… „Cake statt Kacke“…
FCP: Hihihi
SMA: Schnauze. Ich überlege…
CA: Das ist gut!
SMA: JA DOCH! Was ist denn im Moment Thema? So Klimawandel und so!
FCP: „Egal ob Sonne oder Regen – ein Keks kommt immer sehr gelegen…“
CA: DAS IST GUT!
SMA: Oh pleeeaaaase…
FCP: Warte, ich glaube, ich hab´s: „Greta kann nicht backen. Deswegen tun wir es für Sie…“
CA: BOMBE! Wie geil. Die Klimaproblematik, Greta, Jugend, Freitagsdemos…Alles drin!
SMA: Weiß jemand, was die kostet? Wir können natürlich ein Mädchen mit Zöpfen in die Werbung bauen, aber Greta geht gar nicht und am Ende werden wir verklagt wegen Copyright oder Markenschutzverletzung oder so!
CA: Stimmt. Verdammt. Das ist nicht gut.
FCP: Ausländer, Flüchtlinge und Migranten und AfD ist auch Thema…
SMA: Hmm… weiße Kekse, braune Kekse… „Wir mögen keine braunen Kekse“?
FCP: Sau-missverständlich!
SMA: Okay, positiv… „Wir mögen braun nur bei unseren Keksen…“
FCP: …das ist etwas besser…
CA: DAS IST GUT! Das nehmen…
SMA: Lieber nicht, sonst heißt es, wir würden keine Menschen mit brauner Hautfarbe mögen. Da müssen wir aufpassen! Außerdem gibt es so Aktionen: „Kekse backen gegen Rechts“ und so…
CA: Och… Schade…
FCP: Gehen wir es doch mal anders an: Ein Keks ist ein Gebäck aus Butter, Milch, Zucker und Teig. Wie ein Kuchen. Mit einem Keks assoziieren wir Kindheit, Geborgenheit…
SMA: …WEIHNACHTEN!
FCP: Geht nicht, dann sind alle beleidigt, die kein Weihnachten feiern…
SMA: Apropos: Ist da Schweinfett drin?
CA und FCP: UM GOTTES WILLEN, BITTE NICHT!
FCP: …also Geborgenheit, Liebe…
SMA: Krümel im Bett, so nach dem Sex…
CA: Weiter! Das ist gut! Macht weiter!
FCP: Sex und Keks, Keks und Sex… Sex geht immer…
SMA: „Der Keks für nach dem Tseks?“ Das würde sich auch reimen!
CA: DAS IST GUT!
FCP: „Der Glückstseks…“
SMA: …wir sind dran, wir sind dran… „Für die krümeligen Momente im Leben...“
FCP: „Wenn aus zwei Keksen viele Krümel werden…“
CA: GEIL! DAS IST GUT!
SMA: Ist es nicht, dann fühlen sich die Homosexuellen benachteiligt! Und wo soll da die Message sein?
CA: Och… Aber Homosexuelle haben auch Kinder oder können Kinder kriegen…
SMA: …aber doch nicht voneinander!
FCP: Rassist! Homophobiker!
SMA: Essen Homosexuelle überhaupt Kekse?
FCP: Schon. Warum denn nicht? Außerdem geht’s um die Message. Weltoffen, tolerant…
SMA: …und um Keksverkauf!
FCP: Genau. Meinetwegen können sogar Nazis Kekse fressen!
SMA: Hihi, ja, wie vor Moskau… Mein Ur-Opa hat mir mal erzählt, die wären gefroren gewesen…
FCP: „Frozen Cake“, hihihi…
CA: Konzentration bitte! Wir sind dicht dran, ich spüre es…
SMA: Okay, sorry, also: „Humboldt-Keks: So gefühlecht wie ein Kondom“…
FCP: Hmm… Richtung stimmt. Wie wäre es mit irgendwas mit Herz oder Herzchen, weg vom Sex, hin zur Liebe…
SMA: „Für daheim und unterwegs – schlägt mein Herz für Humboldt-Keks“…
CA: DAS IST GUT!
FCP: Ohne Reim, ohne Reim, mit einer Message dran! Wir brauchen eine Message!
SMA: …“Ein biss-chen Geborgenheit“?
CA: Macht hin! Es geht auf Mittag! Die ganze Keks-Quatscherei hat mir echt Hunger gemacht…
FCP: …noch zu naheliegend, noch zu unoriginell… Außerdem, was ist da mit Homosexuellen? Wir brauchen irgendwas mit Homosexuellen. Alle machen was mit Homosexuellen…
SMA: Au, ich hab´s: „Das beste Stück Geborgenheit“…
CA: GEIL! DAS IST GUT! DAS NEHMEN WIR!
FCP: …noch zu anzüglich… „Ein Stück Geborgenheit!“ Und dazu verschiedene Bilder von Heteros und Homos… das wär´s doch…?
CA: Mir egal, ich habe Hunger!
SMA: Du Bückstück… Hihihi…
CA: Wir nehmen das mit dem „Stück Geborgenheit“. Ich habe jetzt keine Lust mehr.
SMA: Was gibt’s denn in der Kantine?
FCP: „Kirschenmichel“ – das sind so Kirschen mit Keks…
CA: Oh bitte… Ich geh zu McDonalds…
SMA und FCP: WIR AUCH!
CA: Das ist gut
…und so kam es, dass…
Second Marketing Assistant (SMA): Hmm… Was wissen wir über die Kekse?
CA: Sind aus Zucker und Milch
First Campaign Planner (FCP): Glutenfrei?
CA: Äh, keine Ahnung? Wieso?
FCP: Dann könnten wir was über das Thema Gesundheit machen. „Ein Keks, der Dir nicht auf den Keks geht“ oder so…
CA: Das ist gut! DAS IST GUT!
SMA: Gesundheit ist doch so ausgelutscht. Quasi ein ausgelutschter Keks. Wie wäre es mit einem Problem, das keiner hat? „Der Keks, der sogar in Milch schwimmt…“
CA: DAS IST GUT!
FCP: Ich weiß nicht… Irgendwie kommt mir das bekannt vor…
SMA: Na gut! Dann nicht! Etwas Provokantes wäre vielleicht gut. So „bitte geh mir auf den Keks“, so die Richtung…
CA: DAS IST GUT!
FCP: …das gibt Krümel. Außerdem ist „geh mir auf den Keks“ oder „geh mir nicht auf den Keks“ so total durchsichtig und so…
SMA: Du hast doch selbst eben erst vor einer Minute das mit dem „Keks gehen“ gesagt…
FCP: Ja, aber jetzt finde ich´s nicht mehr so gut. Jetzt habe ich nachgedacht!
CA: DAS IST GUT!
SMA: Okay! Kekskeks… Cake… „Cake statt Kacke“…
FCP: Hihihi
SMA: Schnauze. Ich überlege…
CA: Das ist gut!
SMA: JA DOCH! Was ist denn im Moment Thema? So Klimawandel und so!
FCP: „Egal ob Sonne oder Regen – ein Keks kommt immer sehr gelegen…“
CA: DAS IST GUT!
SMA: Oh pleeeaaaase…
FCP: Warte, ich glaube, ich hab´s: „Greta kann nicht backen. Deswegen tun wir es für Sie…“
CA: BOMBE! Wie geil. Die Klimaproblematik, Greta, Jugend, Freitagsdemos…Alles drin!
SMA: Weiß jemand, was die kostet? Wir können natürlich ein Mädchen mit Zöpfen in die Werbung bauen, aber Greta geht gar nicht und am Ende werden wir verklagt wegen Copyright oder Markenschutzverletzung oder so!
CA: Stimmt. Verdammt. Das ist nicht gut.
FCP: Ausländer, Flüchtlinge und Migranten und AfD ist auch Thema…
SMA: Hmm… weiße Kekse, braune Kekse… „Wir mögen keine braunen Kekse“?
FCP: Sau-missverständlich!
SMA: Okay, positiv… „Wir mögen braun nur bei unseren Keksen…“
FCP: …das ist etwas besser…
CA: DAS IST GUT! Das nehmen…
SMA: Lieber nicht, sonst heißt es, wir würden keine Menschen mit brauner Hautfarbe mögen. Da müssen wir aufpassen! Außerdem gibt es so Aktionen: „Kekse backen gegen Rechts“ und so…
CA: Och… Schade…
FCP: Gehen wir es doch mal anders an: Ein Keks ist ein Gebäck aus Butter, Milch, Zucker und Teig. Wie ein Kuchen. Mit einem Keks assoziieren wir Kindheit, Geborgenheit…
SMA: …WEIHNACHTEN!
FCP: Geht nicht, dann sind alle beleidigt, die kein Weihnachten feiern…
SMA: Apropos: Ist da Schweinfett drin?
CA und FCP: UM GOTTES WILLEN, BITTE NICHT!
FCP: …also Geborgenheit, Liebe…
SMA: Krümel im Bett, so nach dem Sex…
CA: Weiter! Das ist gut! Macht weiter!
FCP: Sex und Keks, Keks und Sex… Sex geht immer…
SMA: „Der Keks für nach dem Tseks?“ Das würde sich auch reimen!
CA: DAS IST GUT!
FCP: „Der Glückstseks…“
SMA: …wir sind dran, wir sind dran… „Für die krümeligen Momente im Leben...“
FCP: „Wenn aus zwei Keksen viele Krümel werden…“
CA: GEIL! DAS IST GUT!
SMA: Ist es nicht, dann fühlen sich die Homosexuellen benachteiligt! Und wo soll da die Message sein?
CA: Och… Aber Homosexuelle haben auch Kinder oder können Kinder kriegen…
SMA: …aber doch nicht voneinander!
FCP: Rassist! Homophobiker!
SMA: Essen Homosexuelle überhaupt Kekse?
FCP: Schon. Warum denn nicht? Außerdem geht’s um die Message. Weltoffen, tolerant…
SMA: …und um Keksverkauf!
FCP: Genau. Meinetwegen können sogar Nazis Kekse fressen!
SMA: Hihi, ja, wie vor Moskau… Mein Ur-Opa hat mir mal erzählt, die wären gefroren gewesen…
FCP: „Frozen Cake“, hihihi…
CA: Konzentration bitte! Wir sind dicht dran, ich spüre es…
SMA: Okay, sorry, also: „Humboldt-Keks: So gefühlecht wie ein Kondom“…
FCP: Hmm… Richtung stimmt. Wie wäre es mit irgendwas mit Herz oder Herzchen, weg vom Sex, hin zur Liebe…
SMA: „Für daheim und unterwegs – schlägt mein Herz für Humboldt-Keks“…
CA: DAS IST GUT!
FCP: Ohne Reim, ohne Reim, mit einer Message dran! Wir brauchen eine Message!
SMA: …“Ein biss-chen Geborgenheit“?
CA: Macht hin! Es geht auf Mittag! Die ganze Keks-Quatscherei hat mir echt Hunger gemacht…
FCP: …noch zu naheliegend, noch zu unoriginell… Außerdem, was ist da mit Homosexuellen? Wir brauchen irgendwas mit Homosexuellen. Alle machen was mit Homosexuellen…
SMA: Au, ich hab´s: „Das beste Stück Geborgenheit“…
CA: GEIL! DAS IST GUT! DAS NEHMEN WIR!
FCP: …noch zu anzüglich… „Ein Stück Geborgenheit!“ Und dazu verschiedene Bilder von Heteros und Homos… das wär´s doch…?
SMA: Gibt das bei den Heten keinen Aufschrei?
CA: Mir egal, ich habe Hunger!
SMA: Du Bückstück… Hihihi…
FCP: Arschkeks!
CA: Wir nehmen das mit dem „Stück Geborgenheit“. Ich habe jetzt keine Lust mehr.
SMA: Was gibt’s denn in der Kantine?
FCP: „Kirschenmichel“ – das sind so Kirschen mit Keks…
CA: Oh bitte… Ich geh zu McDonalds…
SMA und FCP: WIR AUCH!
CA: Das ist gut
…und so kam es, dass…

Ist das nicht süß? Wirklich zuckersüß, wie sie jetzt alle springen, tanzen und singen? Da kommt so ein Ami aus Amirika zur Münchner Sicherheitskonferenz und hält den bei Häppchen und Sekt versammelten grauen Köpfen der europäischen Nomenklatura einen 20-minütigen, freien und fehlerlosen Vortrag über Demokratie und Mehrheiten, verzwergt seine Zuhörer und deklassiert sie und landauf landab fliegen die geohrfeigten Köpfe der Brandmaurer. Da stellt sich dann ausgerechnet ein ausgebildeter Neo-Sozialist wie der Bundespräsident, der vor nicht einmal 12 Monaten den amtierenden Präsidenten der USA als „Hassprediger“ abgekanzelt hat, hin und verbittet sich eine Einmischung der Amerikaner in die lautere und tadellose Demokratie der Schwachkopf-Anzeiger, „So-Done“-Betreiber und Morgens-aus-dem-Bett-Klingler. Da sind sie alle ganz aufgeregt, die, die nicht müde wurden, zu beteuern, dass mit Donald Trump das absolut Böse ins Weiße Haus einziehen wird. Die den altersschwachen Joe Biden zu einem stolzen Führer der freien Welt mit dem absoluten Überblick verklärten, um gleich anschließend Kamala Harris zu einer Lichtgestalt zu verklären, die den Heiligenschein Jesu um Milliarden Lux überstrahlte. Diese Politiker und Medien beschweren sich nun wie mit der Hand in der Keksdose ertappte Kinder über eine Rede, die ihnen, den Führern des Wertewestens und des freiesten und buntesten und diversesten Europas, das es je seit der Belagerung Konstantinopels gab, die demokratischen Leviten liest. Witzig – während ich diese Zeilen schreibe, lese ich auf X, dass der Rechtsanwalt Markus Roscher zu 3.000,- € Geldstrafe verurteilt wurde, weil er in einem Tweet Habeck, Scholz und Baerbock für das Heizungsgesetz als „boshafte Versager“ bezeichnet hat. Sein Waffenschein steht nun wegen „Unzuverlässigkeit“ ebenfalls zur Diskussion. Außerdem muss er im „Wiederholungsfall“ – nämlich, dass er die Genannten „in ihrem öffentlichen Wirken erheblich beeinträchtigt“ – damit rechnen, dass ihm der Entzug seiner Anwaltslizenz droht. Außerdem wurde er gewarnt, dass er im Einspruchsverfahren mit einer noch höheren Geldstrafe rechnen müsste. Sieht so die Meinungsfreiheit „unserer Demokratie“ aus? Das exakt ist es, was Vance mit seiner Rede gemeint hat. Und was unsere Politisierenden und die geneigten Medien vehement und ganz wehrhaft mit wedelnden Armen abstreiten. „Keine Meinungsfreiheit? Stimmt ja gar nicht! Halt die Fresse!“ Ich mag die AfD nicht. Ich finde sie zu wenigstens 60% ganz schrecklich, weil da auch ganz schreckliche Leute mitmachen, deren Stammtische ich schon in Jugendtagen gemieden habe, obwohl es die da noch gar nicht gab. Das spielt in einer Demokratie aber keine Rolle, wen ich mag oder nicht mag. Ich persönlich finde Grüne und Linke noch viel schrecklicher, radikaler und ja – auch gewalttätiger. Erst recht, wenn sie 1933 als Rechtfertigung für Zerstörung und Körperverletzung als Alibi heranziehen. Aber ebenso, wie ich die Einen ertragen muss, muss ich auch die anderen ertragen. Und, als Demokrat, bestenfalls mit beiden reden, weil sie vielleicht ja doch einen Punkt haben. Außerdem ist es unfair und undemokratisch, eine 20%-Partei in ihrer parlamentarischen Arbeit zu behindern und ihnen ihrer Partei zustehende Posten zu verweigern oder Gesetze und Regeln so elegant hinzubiegen, dass sie keine Chance haben, für das Geld, das sie auch von ihren Wählern bekommen, Ihren Job zu machen. Unser Grundgesetz (dessen Hochhalten in Corona bereits bestraft wurde) sieht keine „guten“ und „schlechten“ Wählerstimmen vor. Es gibt schlicht keine Abstufung. Vance hat nichts anderes gesagt als seinerzeit Gorbatschow zu den Betonköpfen im Politbüro: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wer sich nicht um die Anliegen von mindestens 20% - eigentlich aber sogar mehr als 50% aller Wähler kümmert (ja, wir reden hier von illegaler Migration und Union und AfD gemeinsam), der darf sich dann auch nicht wundern, wenn die eigene, überhebliche Arroganz gegenüber dem Wahlvolk, das die ganze Butze finanziert, zur eigenen Abwahl führt. Es ist das tiefste Wesen einer Demokratie, dass es keinen Adel und keine Kaste gibt und das Volk seine Regierungen bei Nichtbeachtung abwählen und einer neuen Regierung eine neue Chance geben kann, darf, soll und – im Eigeninteresse – sogar muss. Nichts anderes hat Vance versucht, seinen europäischen Gesprächspartnern, die nun gemeinsam mit den ihnen gewogenen Medien aufgeregt flügelschlagend umeinanderkreisen, klarzumachen. Und als Antwort bekommt er – und wir – unter dem Strich die gleiche Antwort, die seinerzeit Honecker gab: „Unsere Demokratie in ihrem Lauf halten weder Trump noch Vance auf“. Flankiert von dem üblichen Gesülze von Trump als Sith-Lord mit Musk und Vance als böse Palatine. Die glauben das wirklich! Außerdem hat Vance mit Weidel und Merz gesprochen. GESPROCHEN! Sie haben richtig gelesen. Die Amerikaner haben glasklar erkannt, dass mit der EU und den Wichtigtuern der deutschen Regierungsparteien schlicht „kein Staat“ zu machen ist. „America first“ heißt auch „Europe second“ und die Rede von Vance und die Reaktionen darauf haben tatsächlich gezeigt, mit welchen eitlen und wichtigtuerischen Wichten wir es in „unserer Demokratie“ zu tun haben. Wird sich aber nun etwas ändern? Natürlich nicht. Die europäischen Kleinmächte mit ihren zappeligen Demokratieminderleistern werden sich einigeln und hoffen, dass die nächsten vier Jahre Trump und dann vielleicht vier Jahre Vance an ihnen wie ein Gewittersturm vorüberziehen werden. An uns als Wählern liegt es, ob dies so sein wird.

Haben Sie die Bilder gesehen? Robert Habeck hat eines verbreitet, Olaf Scholz ein anderes. Robert Habeck war nämlich in Auschwitz. Aber nur als Besucher. Olaf Scholz auch, auch als Tourist. Auf dem Bild Robert Habecks sieht man ihn aus der Rückenansicht, wie er zwischen einem Gebäude (dem Krematorium?) und zwei Stacheldrahtzäunen, ganz allein, fast einsam, entlangflaniert. Das ganze Bild, in einen orangen Filter getaucht, erinnert stark an die „Jever“-Werbung. Ein Mann. Seine Gedanken. Ein KZ. Veröffentlicht hat Robert Habeck das Bild auf X mit dem Untertext: „Heute, am 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, habe ich in Polen das Stammlager I und später das Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau besucht. Neben dem offiziellen Teil gab es auch ein paar Momente allein. Ich brauche dazu nichts zu sagen, denke ich.“ Ein paar Momente. Allein. Robert Habeck mit sich selbst. Und dem Kameramann. Und den Personenschützern. Möglicherweise auch mit seinem Social-Media-Team und seinem Wahlkampfteam. Aber allein. Hauptsache allein. Mit seinen Gedanken. Und die teilt er mit, indem er sie nicht mitteilt. So isser, unser Robert, gell? So ein eigentlich stiller, besinnlicher und, ja, auch tief philosophischer Typ. Ich kann mich nicht gegen meine Phantasie wehren. Ich sehe mich mit Robert Habeck und seinem Team da, in dieser Todesgasse stehen und das, was wie ein Schnappschuss – welch grässliches Wort in einem Konzentrationslager – aussieht, inszenieren: „Robert, wir machen das von hinten. Wie in der Werbung. Geh ein paar Schritte nach da. Nicht umdrehen, Robert, NICHT UMDREHEN, HERRGOTT, ja, so isses gut, Stimmt das Licht, Malte? Klasse. Nicht so weit weg, Robert, es muss zufällig aussehen und wir können das Stativ und das Licht nicht hinter Dir hertragen. Geh nochmal so… JA, PASST, IS IM KASTEN! Super Robert, das wird ein Kracher!“ Ein Hauch von Bierwerbung weht durch das Bild: Wie das KZ, so das Jever. Ich weiß nicht, ob er oder Olaf Scholz schneller war, unser Kanzler ließ sich von hinten insze… fotografieren, wie er vor einem der Öfen im Krematorium steht. Mittig. Im gedämpften Licht. Besinnlich und sich besinnend. Ob er da ein Gebet gesprochen hat? Man weiß es nicht, aber die Bildkomposition ist sehr schön, sehr symmetrisch. Da hat das Fotografierende gut mitgedacht. Diesen beiden Typen ist das vielleicht grausigste und grausamste Vernichtungslager der Welt nicht zu schade, um sich zu Wahlkampf- und Eigendarstellungszwecken optisch hübsch in Szene zu setzen, um einen auf „besinnlich“ zu machen. Das, was vor Ort passiert ist, wo Menschen verprügelt, verreckt und schlussendlich vergast wurden, wird heute von ganz aufrecht unserdemokratischen Politikern zur Gruselkulisse für nicht hässliche Bilder, zum „Auschwitzland“ für professionelles Trauern herabgewürdigt. Wahres und echtes Gedenken braucht keine Pressefotografen, sondern Ruhe und Geschichtsbewusstsein, was ich mit einem Pulk von Fotografen, Security und Begleitentourage für höchst schwierig halte. Beide Bilder haben einen bitteren Beigeschmack von „Halloho? Ich trauere und bin nachdenklich! Seht Ihr, wie ich trauere? Seht Ihr es? Kinners, hierher, ich trauere! Guck, da der Ofen, da der Stacheldraht, schrecklich. Soll ich nochmal im Halbprofil…?“ Es gibt vielleicht noch eine Handvoll Leute, die aus Auschwitz entkommen und bewusst erzählen können, wie es war und auch sie werden bald gestorben sein. Wer als 10-jähriger da hinkam und überlebte, ist spätestens 1935 geboren und heute 90 Jahre alt. In zehn bis zwanzig Jahren wird die Erinnerung an den Holocaust nur noch virtuell in Filmen und Literatur gegenwärtig sein, da es keine Zeitzeugen mehr gibt, die das Monströse dieses Ortes aus eigener Anschauung vermitteln können. Dann wird Auschwitz endgültig zur Gedenkkulisse von Politikern herabgewürdigt werden, wenn die Museumsleitung hier nicht eingreift. Eigentlich sollte auf dem gesamten Gelände ein Fotografier-Verbot herrschen. Auch und besonders für Politiker. Das ist kein Ort, um Besinnlichkeit zu heucheln und publikumswirksame Bilder zu schießen. Oder lustige Selfies für Instagram und Tiktok zu machen. Was kommt als Nächstes? „My friends went to Auschwitz and all I got was this lousy T-Shirt“? Das ist Auschwitz. Der Ort eines der größten Verbrechen der Menschheit. Ein Ort, an dem Täter zu viehischen Barbaren und Opfer zur vernichtbaren Objekten herabgewürdigt wurden. Ein Ort, gegen den die Hölle ein angenehmer Platz sein muss. Ein Ort, an dem es keine Moral und keine Menschlichkeit mehr gab. Und an diesem Ort standen zwei Politiker in guter Ausleuchtung und simulierten Anteilnahme. Dann reisten sie wieder ab und beschlossen, noch mehr Judenhasser ins Land zu lassen. Es widert mich nur noch an.


