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Alles und nichts über Corona
Thilo Schneider • 6. April 2020
Wenn man keine Ahnung hat...

Warum steht auf dieser Seite relativ wenig über Corona und die Auswirkungen auf Freiheit, Wirtschaft, Lock-Down und Grundrechte?
Ganz einfach: Ich kenne mich nicht aus. Ich weiß zu viel oder zu wenig über Statistik, Stochastik, Viren, Sterblichkeiten, Ansteckungsquoten und Ansteckungsgefahren. Es gibt darüber zwar eine Fülle an Informationen - aber 90% davon sind Bullshit oder schlichter Rotz. Da sagt Virologe A dies, darauf Virologe B jenes und in Italien fährt die Armee Leichen spazieren, in Spanien liegen diese faulend herum.
Da wird gekaspert um Atemschutzmasken, Klopapier und Gummihandschuhe und während die Grenzen zwischen SH und dem Rest der Republik geschlossen werden, latschen täglich immer noch Tausende über Flughäfen oder die Grenze ins Land – for no particular reason.
Es gibt sehr sehr viele Dinge, die mir absurd erscheinen, hirnrissig oder schlicht wahnsinnig. Da malen Leute, die aufgrund der Ausgangsbeschränkung daheim hocken, Schilder mit Hashtags für griechische Flüchtlingslager, ohne sich Gedanken zu machen, wie das derzeit funktionieren soll, andere glauben wahlweise an eine Gottesstrafe oder eine Rache der Natur an den Jungs mit den Vielfliegermeilen, in Bayern haben Baumärkte geschlossen und Eisdielen offen, im benachbarten Hessen ist es umgekehrt und ich sehe um mich herum nur brodelnden Wahnsinn.
Ich kenne mich nicht aus. Ich leiste mir hier nicht einmal den Luxus einer eigenen Meinung. Ich stehe staunend vor dem, was um mich herum passiert und frage mich, was das alles soll. Ich verstehe, dass es für die derzeitige Situation keinen "Masterplan" gibt und ich bin sicher, es gibt auch keine Regierung, die darauf vorbereitet war oder vorbereitet sein konnte. Manche Maßnahmen finde ich sinnig, andere schwachsinnig, für andere mag dies anders und umgekehrt sein.
Ich habe keine Ahnung, ob unser Gesundheitssystem prima, ausreichend oder überlastet ist oder es morgen sein wird, ich weiß nicht, wie sinnvoll europäische "Corona-Bonds" sind oder ob einem Selbständigen mit 5.000,- € geholfen wird oder wie sinnvoll ein generelles Grundeinkommen ist, wenn es doch sowieso nichts zu kaufen gibt.
Ich habe auch keine "Exit"-Strategie und keine Super-Idee, wie sich das alles lösen lässt und wie es sein wird. Ich vermute, wir werden uns auch später nicht mehr die Hand geben oder uns umarmen und wir werden viele neue digitale Lösungen und Lesungen sehen und insgesamt wird sich die Gesellschaft verändern. Ob dies positiv oder negativ sein wird, liegt im Auge des Betrachters und ist wahrscheinlich auch abhängig von Alter, Bildung und Portemonnaie. Falls es je ein „danach“ geben wird UND wir das dann auch erkennen. Dass es das „danach“ ist. Ich vermute, wir werden lernen müssen, mit Corona zu leben – und zu sterben. Wie vielleicht früher bei Tetanus, Diphterie, Pocken oder Scharlach.
Ich weiß, dass ich ungern angesteckt werden möchte oder jemanden anstecken möchte. Ich halte mich strikt an die Ausgangsbeschränkung, ziehe brav Handschuhe an und arbeite mit Internet und Telefon. Wenn ich dadurch nur einen retten kann und nur einer nicht krank wird und/oder stirbt, dann, finde ich, ist viel gewonnen.
Bis dahin muss ich einfach das Beste daraus machen und den uns Regierenden vertrauen, dass sie das Richtige tun – oder mich vom Gegenteil überzeugen. Solange ich das nicht weiß, werde ich nichts kritisieren, oder mich „heimlich“ mit Bekannten und Verwandten treffen, denn ich weiß ja auch nicht, wo und mit wem die sich sonst so herumtreiben. Das „nur kurz auf´n Kaffee“ kann meiner Ansicht nach, wenn es blöd läuft, schnell zu einem „lang auf die Intensivstation“ führen. Ich kann mir vorstellen, dass es für ein Virus keinen Unterschied macht, ob ich 5 oder 50 Minuten mit jemandem zusammen bin, solange ich das Zeug an den Fingern kleben habe. Ich übertrage es oder bekomme es dann übertragen – so oder so. Ich weiß, dass einige Leute sauer auf mich sind, weil ich das doch recht rigoros handhabe – aber wenn sich einer wegen mir infiziert, wäre mir das sehr peinlich und das würde ich nicht wollen. Also seid mir und seien Sie mir bitte nicht böse, wenn ich Einladungen ausschlage oder derzeit keine ausspreche. Mir tut das, glaubt es oder nicht, genauso leid wie Euch und ich finde das rasend schade. Aber es ist immer noch besser, als wenn wir uns gegenseitig im Krankenhaus nicht besuchen dürfen.
Das Einzige, worüber ich also schreiben kann, ist, wie ich persönlich mit der derzeitigen Situation umgehe, was ich erlebe und was es mit mir macht. Das kenne ich dann sozusagen aus eigener Erfahrung und nur darüber kann ich authentisch berichten. Das ist für mich auch verblüffend genug. Ich kann nach meiner Ansicht interessante Fälle oder Begebenheiten verlinken, andere Meinungen nur dann, wenn ich diese für relevant, lesenswert und kompetent halte. Ansonsten versuche ich dem Rat zu folgen: „Wenn man keine Ahnung hat – einfach mal die Fresse halten.“
Ich habe keine Angst – ich nehme die Shice nur verdammt ernst. Ich trage Verantwortung für mich, die Meinen und ja, auch für den Trottel im Supermarkt, der mir ins Genick haucht. Sorry for that.

Ist das nicht süß? Wirklich zuckersüß, wie sie jetzt alle springen, tanzen und singen? Da kommt so ein Ami aus Amirika zur Münchner Sicherheitskonferenz und hält den bei Häppchen und Sekt versammelten grauen Köpfen der europäischen Nomenklatura einen 20-minütigen, freien und fehlerlosen Vortrag über Demokratie und Mehrheiten, verzwergt seine Zuhörer und deklassiert sie und landauf landab fliegen die geohrfeigten Köpfe der Brandmaurer. Da stellt sich dann ausgerechnet ein ausgebildeter Neo-Sozialist wie der Bundespräsident, der vor nicht einmal 12 Monaten den amtierenden Präsidenten der USA als „Hassprediger“ abgekanzelt hat, hin und verbittet sich eine Einmischung der Amerikaner in die lautere und tadellose Demokratie der Schwachkopf-Anzeiger, „So-Done“-Betreiber und Morgens-aus-dem-Bett-Klingler. Da sind sie alle ganz aufgeregt, die, die nicht müde wurden, zu beteuern, dass mit Donald Trump das absolut Böse ins Weiße Haus einziehen wird. Die den altersschwachen Joe Biden zu einem stolzen Führer der freien Welt mit dem absoluten Überblick verklärten, um gleich anschließend Kamala Harris zu einer Lichtgestalt zu verklären, die den Heiligenschein Jesu um Milliarden Lux überstrahlte. Diese Politiker und Medien beschweren sich nun wie mit der Hand in der Keksdose ertappte Kinder über eine Rede, die ihnen, den Führern des Wertewestens und des freiesten und buntesten und diversesten Europas, das es je seit der Belagerung Konstantinopels gab, die demokratischen Leviten liest. Witzig – während ich diese Zeilen schreibe, lese ich auf X, dass der Rechtsanwalt Markus Roscher zu 3.000,- € Geldstrafe verurteilt wurde, weil er in einem Tweet Habeck, Scholz und Baerbock für das Heizungsgesetz als „boshafte Versager“ bezeichnet hat. Sein Waffenschein steht nun wegen „Unzuverlässigkeit“ ebenfalls zur Diskussion. Außerdem muss er im „Wiederholungsfall“ – nämlich, dass er die Genannten „in ihrem öffentlichen Wirken erheblich beeinträchtigt“ – damit rechnen, dass ihm der Entzug seiner Anwaltslizenz droht. Außerdem wurde er gewarnt, dass er im Einspruchsverfahren mit einer noch höheren Geldstrafe rechnen müsste. Sieht so die Meinungsfreiheit „unserer Demokratie“ aus? Das exakt ist es, was Vance mit seiner Rede gemeint hat. Und was unsere Politisierenden und die geneigten Medien vehement und ganz wehrhaft mit wedelnden Armen abstreiten. „Keine Meinungsfreiheit? Stimmt ja gar nicht! Halt die Fresse!“ Ich mag die AfD nicht. Ich finde sie zu wenigstens 60% ganz schrecklich, weil da auch ganz schreckliche Leute mitmachen, deren Stammtische ich schon in Jugendtagen gemieden habe, obwohl es die da noch gar nicht gab. Das spielt in einer Demokratie aber keine Rolle, wen ich mag oder nicht mag. Ich persönlich finde Grüne und Linke noch viel schrecklicher, radikaler und ja – auch gewalttätiger. Erst recht, wenn sie 1933 als Rechtfertigung für Zerstörung und Körperverletzung als Alibi heranziehen. Aber ebenso, wie ich die Einen ertragen muss, muss ich auch die anderen ertragen. Und, als Demokrat, bestenfalls mit beiden reden, weil sie vielleicht ja doch einen Punkt haben. Außerdem ist es unfair und undemokratisch, eine 20%-Partei in ihrer parlamentarischen Arbeit zu behindern und ihnen ihrer Partei zustehende Posten zu verweigern oder Gesetze und Regeln so elegant hinzubiegen, dass sie keine Chance haben, für das Geld, das sie auch von ihren Wählern bekommen, Ihren Job zu machen. Unser Grundgesetz (dessen Hochhalten in Corona bereits bestraft wurde) sieht keine „guten“ und „schlechten“ Wählerstimmen vor. Es gibt schlicht keine Abstufung. Vance hat nichts anderes gesagt als seinerzeit Gorbatschow zu den Betonköpfen im Politbüro: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wer sich nicht um die Anliegen von mindestens 20% - eigentlich aber sogar mehr als 50% aller Wähler kümmert (ja, wir reden hier von illegaler Migration und Union und AfD gemeinsam), der darf sich dann auch nicht wundern, wenn die eigene, überhebliche Arroganz gegenüber dem Wahlvolk, das die ganze Butze finanziert, zur eigenen Abwahl führt. Es ist das tiefste Wesen einer Demokratie, dass es keinen Adel und keine Kaste gibt und das Volk seine Regierungen bei Nichtbeachtung abwählen und einer neuen Regierung eine neue Chance geben kann, darf, soll und – im Eigeninteresse – sogar muss. Nichts anderes hat Vance versucht, seinen europäischen Gesprächspartnern, die nun gemeinsam mit den ihnen gewogenen Medien aufgeregt flügelschlagend umeinanderkreisen, klarzumachen. Und als Antwort bekommt er – und wir – unter dem Strich die gleiche Antwort, die seinerzeit Honecker gab: „Unsere Demokratie in ihrem Lauf halten weder Trump noch Vance auf“. Flankiert von dem üblichen Gesülze von Trump als Sith-Lord mit Musk und Vance als böse Palatine. Die glauben das wirklich! Außerdem hat Vance mit Weidel und Merz gesprochen. GESPROCHEN! Sie haben richtig gelesen. Die Amerikaner haben glasklar erkannt, dass mit der EU und den Wichtigtuern der deutschen Regierungsparteien schlicht „kein Staat“ zu machen ist. „America first“ heißt auch „Europe second“ und die Rede von Vance und die Reaktionen darauf haben tatsächlich gezeigt, mit welchen eitlen und wichtigtuerischen Wichten wir es in „unserer Demokratie“ zu tun haben. Wird sich aber nun etwas ändern? Natürlich nicht. Die europäischen Kleinmächte mit ihren zappeligen Demokratieminderleistern werden sich einigeln und hoffen, dass die nächsten vier Jahre Trump und dann vielleicht vier Jahre Vance an ihnen wie ein Gewittersturm vorüberziehen werden. An uns als Wählern liegt es, ob dies so sein wird.

Haben Sie die Bilder gesehen? Robert Habeck hat eines verbreitet, Olaf Scholz ein anderes. Robert Habeck war nämlich in Auschwitz. Aber nur als Besucher. Olaf Scholz auch, auch als Tourist. Auf dem Bild Robert Habecks sieht man ihn aus der Rückenansicht, wie er zwischen einem Gebäude (dem Krematorium?) und zwei Stacheldrahtzäunen, ganz allein, fast einsam, entlangflaniert. Das ganze Bild, in einen orangen Filter getaucht, erinnert stark an die „Jever“-Werbung. Ein Mann. Seine Gedanken. Ein KZ. Veröffentlicht hat Robert Habeck das Bild auf X mit dem Untertext: „Heute, am 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, habe ich in Polen das Stammlager I und später das Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau besucht. Neben dem offiziellen Teil gab es auch ein paar Momente allein. Ich brauche dazu nichts zu sagen, denke ich.“ Ein paar Momente. Allein. Robert Habeck mit sich selbst. Und dem Kameramann. Und den Personenschützern. Möglicherweise auch mit seinem Social-Media-Team und seinem Wahlkampfteam. Aber allein. Hauptsache allein. Mit seinen Gedanken. Und die teilt er mit, indem er sie nicht mitteilt. So isser, unser Robert, gell? So ein eigentlich stiller, besinnlicher und, ja, auch tief philosophischer Typ. Ich kann mich nicht gegen meine Phantasie wehren. Ich sehe mich mit Robert Habeck und seinem Team da, in dieser Todesgasse stehen und das, was wie ein Schnappschuss – welch grässliches Wort in einem Konzentrationslager – aussieht, inszenieren: „Robert, wir machen das von hinten. Wie in der Werbung. Geh ein paar Schritte nach da. Nicht umdrehen, Robert, NICHT UMDREHEN, HERRGOTT, ja, so isses gut, Stimmt das Licht, Malte? Klasse. Nicht so weit weg, Robert, es muss zufällig aussehen und wir können das Stativ und das Licht nicht hinter Dir hertragen. Geh nochmal so… JA, PASST, IS IM KASTEN! Super Robert, das wird ein Kracher!“ Ein Hauch von Bierwerbung weht durch das Bild: Wie das KZ, so das Jever. Ich weiß nicht, ob er oder Olaf Scholz schneller war, unser Kanzler ließ sich von hinten insze… fotografieren, wie er vor einem der Öfen im Krematorium steht. Mittig. Im gedämpften Licht. Besinnlich und sich besinnend. Ob er da ein Gebet gesprochen hat? Man weiß es nicht, aber die Bildkomposition ist sehr schön, sehr symmetrisch. Da hat das Fotografierende gut mitgedacht. Diesen beiden Typen ist das vielleicht grausigste und grausamste Vernichtungslager der Welt nicht zu schade, um sich zu Wahlkampf- und Eigendarstellungszwecken optisch hübsch in Szene zu setzen, um einen auf „besinnlich“ zu machen. Das, was vor Ort passiert ist, wo Menschen verprügelt, verreckt und schlussendlich vergast wurden, wird heute von ganz aufrecht unserdemokratischen Politikern zur Gruselkulisse für nicht hässliche Bilder, zum „Auschwitzland“ für professionelles Trauern herabgewürdigt. Wahres und echtes Gedenken braucht keine Pressefotografen, sondern Ruhe und Geschichtsbewusstsein, was ich mit einem Pulk von Fotografen, Security und Begleitentourage für höchst schwierig halte. Beide Bilder haben einen bitteren Beigeschmack von „Halloho? Ich trauere und bin nachdenklich! Seht Ihr, wie ich trauere? Seht Ihr es? Kinners, hierher, ich trauere! Guck, da der Ofen, da der Stacheldraht, schrecklich. Soll ich nochmal im Halbprofil…?“ Es gibt vielleicht noch eine Handvoll Leute, die aus Auschwitz entkommen und bewusst erzählen können, wie es war und auch sie werden bald gestorben sein. Wer als 10-jähriger da hinkam und überlebte, ist spätestens 1935 geboren und heute 90 Jahre alt. In zehn bis zwanzig Jahren wird die Erinnerung an den Holocaust nur noch virtuell in Filmen und Literatur gegenwärtig sein, da es keine Zeitzeugen mehr gibt, die das Monströse dieses Ortes aus eigener Anschauung vermitteln können. Dann wird Auschwitz endgültig zur Gedenkkulisse von Politikern herabgewürdigt werden, wenn die Museumsleitung hier nicht eingreift. Eigentlich sollte auf dem gesamten Gelände ein Fotografier-Verbot herrschen. Auch und besonders für Politiker. Das ist kein Ort, um Besinnlichkeit zu heucheln und publikumswirksame Bilder zu schießen. Oder lustige Selfies für Instagram und Tiktok zu machen. Was kommt als Nächstes? „My friends went to Auschwitz and all I got was this lousy T-Shirt“? Das ist Auschwitz. Der Ort eines der größten Verbrechen der Menschheit. Ein Ort, an dem Täter zu viehischen Barbaren und Opfer zur vernichtbaren Objekten herabgewürdigt wurden. Ein Ort, gegen den die Hölle ein angenehmer Platz sein muss. Ein Ort, an dem es keine Moral und keine Menschlichkeit mehr gab. Und an diesem Ort standen zwei Politiker in guter Ausleuchtung und simulierten Anteilnahme. Dann reisten sie wieder ab und beschlossen, noch mehr Judenhasser ins Land zu lassen. Es widert mich nur noch an.


