blogger
Keine Kriegserklärung...
Thilo Schneider • 11. November 2020
Euren Quatsch macht Ihr schön ohne mich!

Unter dem Hashtag „#StoppMacron“ ging letzte Woche ein Twitter-Sturm auf den armen französischen Präsidenten Macron nieder. Weil er dem islamistischen Terror den Kampf angekündigt hat, reagierte die Gemeinschaft der Islamgläubigen weltweit etwas – nennen wir es vorsichtig – „ungehalten“. Auch in Deutschland schloss sich eine sehr große Anzahl von Muslimen – gar nicht einmal ungebildeten Muslimen – diesem Shitstorm an.
Erschreckend waren tatsächlich im deutschen Twitter nicht nur die Reaktionen, sondern wie viele was und wie formulierten. Das waren keine Dummköpfe, die da in vollkommen korrektem Deutsch ihre – ebenfalls wieder vorsichtig formuliert – „Antipathie“ gegen Macron aus vollstem Hals hinausbrüllten. Ein User bemerkte sogar höhnisch, ob „sie nun alle Islamisten seien…“ Ich hoffe sehr, dass diejenigen, die ihrem Hass auf Macron und Frankreich freien Lauf ließen, allesamt Islamisten sind. Denn wenn nicht, dann bedeutet dies, dass Menschen, die ich bisher als Geschäftspartner, Kunden, Freunde, Bekannte, Mitarbeiter und Kollegen kenne, für mich als „Westler“ und Agnostiker eine potenziell tödliche Gefahr darstellen. Ich weiß ja nie, wann ich wessen religiöses Gefühl beleidige und er dann aus der Wäsche hüpft und mich nur noch kopflos reagieren lässt.
Autorenkollegen bezeichnen die derzeitige Situation als „Krieg“. Zwar als asymmetrischen Krieg, aber als Krieg. Ich wäre mit dieser Formulierung sehr sehr vorsichtig, denn in einem Krieg gibt es Feinde und Feinde sind bestenfalls zu vertreiben und schlimmstenfalls zu vernichten. Ich will aber meine Geschäftspartner, Kunden, Freunde, Bekannte, Mitarbeiter und Kollegen weder vertrieben noch vernichtet sehen. Ich schätze diese so ein, dass sie sich mal über eine Mohammed-Karikatur ärgern, aber deswegen nicht losziehen, um Zeichner oder Autoren zu massakrieren. Wenn also überhaupt ein Krieg stattfindet, dann der um Herz und Verstand der Muslime.
Das Problem dabei ist die westliche, rationale Sicht auf Islamgläubige. Die Marschrichtung lautet ungefähr so: „Du kannst an jeden Phantasiefreund glauben, an den Du willst. Aber Dein Phantasiefreund – wenn er ein guter Freund ist – wird Dich nicht als Werkzeug seiner Rache missbrauchen, denn dazu bist Du viel zu unwichtig. Und wenn es dazu noch ein Phantasiefreund der Liebe und des Friedens ist, dann wird er Dich nicht dazu anhalten, seine Spötter, Gegner oder Feinde einen Kopf kürzer zu machen. Die streckt er dann schon selbst nieder, dazu braucht er Dich nicht.“
Nur: Was mit Christen, Buddhisten, Hindus und Juden funktioniert, funktioniert mit Muslimen nicht. Der Koran ist für diese keine Ansammlung wilder Schriften von verschiedenen Autoren, sondern – mit all seinen Widersprüchen – das unbedingte und absolut zu befolgende Wort Gottes. Es gibt hier für die Gläubigen keinen Raum zur Interpretation oder Auslegung - wenn sie ihren Glauben ernst nehmen. Mit Allah gibt es keinen Deal. Er weiß es sowieso am Besten. Was den freien Willen ausschließt.
Unter diesem Gesichtspunkt ist jeder Ansatz eines „Euroislam“ zum Scheitern verurteilt. Es gibt nur den Koran, nur echt in der Vorteilspackung mit Extra-Suren auf Arabisch. Nur den einen. Und der ist Handlungsleitfaden, erst recht für die, die mit Eigeninitiative, Freiheit und eigenständigem Denken nicht so viel anfangen können. Ein wahrer Muslim lebt nach dem Koran. Ebenso, wie ein wahrer Schokoladenkuchen sich nur mit Schokolade als Schokoladenkuchen bezeichnen darf. Wo diese auch herkommen mag und wie immer auch verarbeitet wurde. Der Koran ist für seine ernsthaften Leser das Rezeptbuch für ein erfülltes Leben nach Allahs Wohlgefallen. Dass sich eine Entität, die das komplette Weltall mit seinen Trilliarden Sternen und Galaxien erschaffen hat, für züchtige Damenoberbekleidung zwischen Istanbul und Islamabad interessiert, ist nur für Nichtgläubige ein Widerspruch.
Unter diesem Aspekt gehe ich also davon aus, dass die Muslime, die ich kenne, keine echten und wahren Muslime sind. Denn wenn mich jeder Muslim töten wollte, dann wäre ich bereits tot. Nein, wir haben keinen Krieg. Wir haben einen Kampf der Kulturen, wie ihn Huntington schon beschrieb. Und es ist ein Kampf mit fließenden Frontlinien. Ich gehe außerdem davon aus, dass meine muslimischen Bekanntschaften es ebenso halten, wie es meine jüdische Bekannte hält, die sinngemäß sagte: „Der Messias kommt, sobald sich alle Juden an die Vorschriften halten. Da ich aber nicht will, dass er so bald kommt, halte ich mich auch nicht an alle Vorschriften“. Einen solchen Pragmatismus unter Muslimen – das wäre das, was ich mir wünschen würde. Und wie er von einem Großteil der Muslime auch gelebt wird.
Aus dem arabischen Raum gab es hübsche Videos, in denen irgendwelche kaftanbekleideten Bartträger im traurigen nahöstlichen Wohnambiente mit Schuhen oder blanken Füßen auf ein Foto von Macron einschlugen oder darauf sprangen (sogar, wenn das Bild Macrons an der Wand hing, worunter naturgemäß dann etwas die Performance der Empörten litt, da Allahs physikalische Gesetze ebenfalls für Muslime gelten..) oder die französische Waren erst kauften und dann in den nahegelegenen Fluss warfen, um französische Waren zu boykottieren. Intelligenz scheint tatsächlich ein rarer Roh- und Feinstoffstoff im nahöstlichen Kulturraum zu sein. Aber, um ehrlich und rassistisch zu sein – die Erwartungen an alle, die östlich des Evros fünf Mal täglich ihr Haupt gegen Mekka neigen, sind nun auch nicht sonderlich hoch und wurden insofern auch nicht enttäuscht.
Erschreckend waren tatsächlich im deutschen Twitter nicht nur die Reaktionen, sondern wie viele was und wie formulierten. Das waren keine Dummköpfe, die da in vollkommen korrektem Deutsch ihre – ebenfalls wieder vorsichtig formuliert – „Antipathie“ gegen Macron aus vollstem Hals hinausbrüllten. Ein User bemerkte sogar höhnisch, ob „sie nun alle Islamisten seien…“ Ich hoffe sehr, dass diejenigen, die ihrem Hass auf Macron und Frankreich freien Lauf ließen, allesamt Islamisten sind. Denn wenn nicht, dann bedeutet dies, dass Menschen, die ich bisher als Geschäftspartner, Kunden, Freunde, Bekannte, Mitarbeiter und Kollegen kenne, für mich als „Westler“ und Agnostiker eine potenziell tödliche Gefahr darstellen. Ich weiß ja nie, wann ich wessen religiöses Gefühl beleidige und er dann aus der Wäsche hüpft und mich nur noch kopflos reagieren lässt.
Autorenkollegen bezeichnen die derzeitige Situation als „Krieg“. Zwar als asymmetrischen Krieg, aber als Krieg. Ich wäre mit dieser Formulierung sehr sehr vorsichtig, denn in einem Krieg gibt es Feinde und Feinde sind bestenfalls zu vertreiben und schlimmstenfalls zu vernichten. Ich will aber meine Geschäftspartner, Kunden, Freunde, Bekannte, Mitarbeiter und Kollegen weder vertrieben noch vernichtet sehen. Ich schätze diese so ein, dass sie sich mal über eine Mohammed-Karikatur ärgern, aber deswegen nicht losziehen, um Zeichner oder Autoren zu massakrieren. Wenn also überhaupt ein Krieg stattfindet, dann der um Herz und Verstand der Muslime.
Das Problem dabei ist die westliche, rationale Sicht auf Islamgläubige. Die Marschrichtung lautet ungefähr so: „Du kannst an jeden Phantasiefreund glauben, an den Du willst. Aber Dein Phantasiefreund – wenn er ein guter Freund ist – wird Dich nicht als Werkzeug seiner Rache missbrauchen, denn dazu bist Du viel zu unwichtig. Und wenn es dazu noch ein Phantasiefreund der Liebe und des Friedens ist, dann wird er Dich nicht dazu anhalten, seine Spötter, Gegner oder Feinde einen Kopf kürzer zu machen. Die streckt er dann schon selbst nieder, dazu braucht er Dich nicht.“
Nur: Was mit Christen, Buddhisten, Hindus und Juden funktioniert, funktioniert mit Muslimen nicht. Der Koran ist für diese keine Ansammlung wilder Schriften von verschiedenen Autoren, sondern – mit all seinen Widersprüchen – das unbedingte und absolut zu befolgende Wort Gottes. Es gibt hier für die Gläubigen keinen Raum zur Interpretation oder Auslegung - wenn sie ihren Glauben ernst nehmen. Mit Allah gibt es keinen Deal. Er weiß es sowieso am Besten. Was den freien Willen ausschließt.
Unter diesem Gesichtspunkt ist jeder Ansatz eines „Euroislam“ zum Scheitern verurteilt. Es gibt nur den Koran, nur echt in der Vorteilspackung mit Extra-Suren auf Arabisch. Nur den einen. Und der ist Handlungsleitfaden, erst recht für die, die mit Eigeninitiative, Freiheit und eigenständigem Denken nicht so viel anfangen können. Ein wahrer Muslim lebt nach dem Koran. Ebenso, wie ein wahrer Schokoladenkuchen sich nur mit Schokolade als Schokoladenkuchen bezeichnen darf. Wo diese auch herkommen mag und wie immer auch verarbeitet wurde. Der Koran ist für seine ernsthaften Leser das Rezeptbuch für ein erfülltes Leben nach Allahs Wohlgefallen. Dass sich eine Entität, die das komplette Weltall mit seinen Trilliarden Sternen und Galaxien erschaffen hat, für züchtige Damenoberbekleidung zwischen Istanbul und Islamabad interessiert, ist nur für Nichtgläubige ein Widerspruch.
Unter diesem Aspekt gehe ich also davon aus, dass die Muslime, die ich kenne, keine echten und wahren Muslime sind. Denn wenn mich jeder Muslim töten wollte, dann wäre ich bereits tot. Nein, wir haben keinen Krieg. Wir haben einen Kampf der Kulturen, wie ihn Huntington schon beschrieb. Und es ist ein Kampf mit fließenden Frontlinien. Ich gehe außerdem davon aus, dass meine muslimischen Bekanntschaften es ebenso halten, wie es meine jüdische Bekannte hält, die sinngemäß sagte: „Der Messias kommt, sobald sich alle Juden an die Vorschriften halten. Da ich aber nicht will, dass er so bald kommt, halte ich mich auch nicht an alle Vorschriften“. Einen solchen Pragmatismus unter Muslimen – das wäre das, was ich mir wünschen würde. Und wie er von einem Großteil der Muslime auch gelebt wird.
Ich will das unbedingt glauben, denn die Alternative ist zu schrecklich. Und führt zu unschuldigen Opfern auf allen Seiten. Die einfach nur leben wollten. Ob mit oder ohne Kopftuch.

Ist das nicht süß? Wirklich zuckersüß, wie sie jetzt alle springen, tanzen und singen? Da kommt so ein Ami aus Amirika zur Münchner Sicherheitskonferenz und hält den bei Häppchen und Sekt versammelten grauen Köpfen der europäischen Nomenklatura einen 20-minütigen, freien und fehlerlosen Vortrag über Demokratie und Mehrheiten, verzwergt seine Zuhörer und deklassiert sie und landauf landab fliegen die geohrfeigten Köpfe der Brandmaurer. Da stellt sich dann ausgerechnet ein ausgebildeter Neo-Sozialist wie der Bundespräsident, der vor nicht einmal 12 Monaten den amtierenden Präsidenten der USA als „Hassprediger“ abgekanzelt hat, hin und verbittet sich eine Einmischung der Amerikaner in die lautere und tadellose Demokratie der Schwachkopf-Anzeiger, „So-Done“-Betreiber und Morgens-aus-dem-Bett-Klingler. Da sind sie alle ganz aufgeregt, die, die nicht müde wurden, zu beteuern, dass mit Donald Trump das absolut Böse ins Weiße Haus einziehen wird. Die den altersschwachen Joe Biden zu einem stolzen Führer der freien Welt mit dem absoluten Überblick verklärten, um gleich anschließend Kamala Harris zu einer Lichtgestalt zu verklären, die den Heiligenschein Jesu um Milliarden Lux überstrahlte. Diese Politiker und Medien beschweren sich nun wie mit der Hand in der Keksdose ertappte Kinder über eine Rede, die ihnen, den Führern des Wertewestens und des freiesten und buntesten und diversesten Europas, das es je seit der Belagerung Konstantinopels gab, die demokratischen Leviten liest. Witzig – während ich diese Zeilen schreibe, lese ich auf X, dass der Rechtsanwalt Markus Roscher zu 3.000,- € Geldstrafe verurteilt wurde, weil er in einem Tweet Habeck, Scholz und Baerbock für das Heizungsgesetz als „boshafte Versager“ bezeichnet hat. Sein Waffenschein steht nun wegen „Unzuverlässigkeit“ ebenfalls zur Diskussion. Außerdem muss er im „Wiederholungsfall“ – nämlich, dass er die Genannten „in ihrem öffentlichen Wirken erheblich beeinträchtigt“ – damit rechnen, dass ihm der Entzug seiner Anwaltslizenz droht. Außerdem wurde er gewarnt, dass er im Einspruchsverfahren mit einer noch höheren Geldstrafe rechnen müsste. Sieht so die Meinungsfreiheit „unserer Demokratie“ aus? Das exakt ist es, was Vance mit seiner Rede gemeint hat. Und was unsere Politisierenden und die geneigten Medien vehement und ganz wehrhaft mit wedelnden Armen abstreiten. „Keine Meinungsfreiheit? Stimmt ja gar nicht! Halt die Fresse!“ Ich mag die AfD nicht. Ich finde sie zu wenigstens 60% ganz schrecklich, weil da auch ganz schreckliche Leute mitmachen, deren Stammtische ich schon in Jugendtagen gemieden habe, obwohl es die da noch gar nicht gab. Das spielt in einer Demokratie aber keine Rolle, wen ich mag oder nicht mag. Ich persönlich finde Grüne und Linke noch viel schrecklicher, radikaler und ja – auch gewalttätiger. Erst recht, wenn sie 1933 als Rechtfertigung für Zerstörung und Körperverletzung als Alibi heranziehen. Aber ebenso, wie ich die Einen ertragen muss, muss ich auch die anderen ertragen. Und, als Demokrat, bestenfalls mit beiden reden, weil sie vielleicht ja doch einen Punkt haben. Außerdem ist es unfair und undemokratisch, eine 20%-Partei in ihrer parlamentarischen Arbeit zu behindern und ihnen ihrer Partei zustehende Posten zu verweigern oder Gesetze und Regeln so elegant hinzubiegen, dass sie keine Chance haben, für das Geld, das sie auch von ihren Wählern bekommen, Ihren Job zu machen. Unser Grundgesetz (dessen Hochhalten in Corona bereits bestraft wurde) sieht keine „guten“ und „schlechten“ Wählerstimmen vor. Es gibt schlicht keine Abstufung. Vance hat nichts anderes gesagt als seinerzeit Gorbatschow zu den Betonköpfen im Politbüro: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wer sich nicht um die Anliegen von mindestens 20% - eigentlich aber sogar mehr als 50% aller Wähler kümmert (ja, wir reden hier von illegaler Migration und Union und AfD gemeinsam), der darf sich dann auch nicht wundern, wenn die eigene, überhebliche Arroganz gegenüber dem Wahlvolk, das die ganze Butze finanziert, zur eigenen Abwahl führt. Es ist das tiefste Wesen einer Demokratie, dass es keinen Adel und keine Kaste gibt und das Volk seine Regierungen bei Nichtbeachtung abwählen und einer neuen Regierung eine neue Chance geben kann, darf, soll und – im Eigeninteresse – sogar muss. Nichts anderes hat Vance versucht, seinen europäischen Gesprächspartnern, die nun gemeinsam mit den ihnen gewogenen Medien aufgeregt flügelschlagend umeinanderkreisen, klarzumachen. Und als Antwort bekommt er – und wir – unter dem Strich die gleiche Antwort, die seinerzeit Honecker gab: „Unsere Demokratie in ihrem Lauf halten weder Trump noch Vance auf“. Flankiert von dem üblichen Gesülze von Trump als Sith-Lord mit Musk und Vance als böse Palatine. Die glauben das wirklich! Außerdem hat Vance mit Weidel und Merz gesprochen. GESPROCHEN! Sie haben richtig gelesen. Die Amerikaner haben glasklar erkannt, dass mit der EU und den Wichtigtuern der deutschen Regierungsparteien schlicht „kein Staat“ zu machen ist. „America first“ heißt auch „Europe second“ und die Rede von Vance und die Reaktionen darauf haben tatsächlich gezeigt, mit welchen eitlen und wichtigtuerischen Wichten wir es in „unserer Demokratie“ zu tun haben. Wird sich aber nun etwas ändern? Natürlich nicht. Die europäischen Kleinmächte mit ihren zappeligen Demokratieminderleistern werden sich einigeln und hoffen, dass die nächsten vier Jahre Trump und dann vielleicht vier Jahre Vance an ihnen wie ein Gewittersturm vorüberziehen werden. An uns als Wählern liegt es, ob dies so sein wird.

Haben Sie die Bilder gesehen? Robert Habeck hat eines verbreitet, Olaf Scholz ein anderes. Robert Habeck war nämlich in Auschwitz. Aber nur als Besucher. Olaf Scholz auch, auch als Tourist. Auf dem Bild Robert Habecks sieht man ihn aus der Rückenansicht, wie er zwischen einem Gebäude (dem Krematorium?) und zwei Stacheldrahtzäunen, ganz allein, fast einsam, entlangflaniert. Das ganze Bild, in einen orangen Filter getaucht, erinnert stark an die „Jever“-Werbung. Ein Mann. Seine Gedanken. Ein KZ. Veröffentlicht hat Robert Habeck das Bild auf X mit dem Untertext: „Heute, am 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, habe ich in Polen das Stammlager I und später das Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau besucht. Neben dem offiziellen Teil gab es auch ein paar Momente allein. Ich brauche dazu nichts zu sagen, denke ich.“ Ein paar Momente. Allein. Robert Habeck mit sich selbst. Und dem Kameramann. Und den Personenschützern. Möglicherweise auch mit seinem Social-Media-Team und seinem Wahlkampfteam. Aber allein. Hauptsache allein. Mit seinen Gedanken. Und die teilt er mit, indem er sie nicht mitteilt. So isser, unser Robert, gell? So ein eigentlich stiller, besinnlicher und, ja, auch tief philosophischer Typ. Ich kann mich nicht gegen meine Phantasie wehren. Ich sehe mich mit Robert Habeck und seinem Team da, in dieser Todesgasse stehen und das, was wie ein Schnappschuss – welch grässliches Wort in einem Konzentrationslager – aussieht, inszenieren: „Robert, wir machen das von hinten. Wie in der Werbung. Geh ein paar Schritte nach da. Nicht umdrehen, Robert, NICHT UMDREHEN, HERRGOTT, ja, so isses gut, Stimmt das Licht, Malte? Klasse. Nicht so weit weg, Robert, es muss zufällig aussehen und wir können das Stativ und das Licht nicht hinter Dir hertragen. Geh nochmal so… JA, PASST, IS IM KASTEN! Super Robert, das wird ein Kracher!“ Ein Hauch von Bierwerbung weht durch das Bild: Wie das KZ, so das Jever. Ich weiß nicht, ob er oder Olaf Scholz schneller war, unser Kanzler ließ sich von hinten insze… fotografieren, wie er vor einem der Öfen im Krematorium steht. Mittig. Im gedämpften Licht. Besinnlich und sich besinnend. Ob er da ein Gebet gesprochen hat? Man weiß es nicht, aber die Bildkomposition ist sehr schön, sehr symmetrisch. Da hat das Fotografierende gut mitgedacht. Diesen beiden Typen ist das vielleicht grausigste und grausamste Vernichtungslager der Welt nicht zu schade, um sich zu Wahlkampf- und Eigendarstellungszwecken optisch hübsch in Szene zu setzen, um einen auf „besinnlich“ zu machen. Das, was vor Ort passiert ist, wo Menschen verprügelt, verreckt und schlussendlich vergast wurden, wird heute von ganz aufrecht unserdemokratischen Politikern zur Gruselkulisse für nicht hässliche Bilder, zum „Auschwitzland“ für professionelles Trauern herabgewürdigt. Wahres und echtes Gedenken braucht keine Pressefotografen, sondern Ruhe und Geschichtsbewusstsein, was ich mit einem Pulk von Fotografen, Security und Begleitentourage für höchst schwierig halte. Beide Bilder haben einen bitteren Beigeschmack von „Halloho? Ich trauere und bin nachdenklich! Seht Ihr, wie ich trauere? Seht Ihr es? Kinners, hierher, ich trauere! Guck, da der Ofen, da der Stacheldraht, schrecklich. Soll ich nochmal im Halbprofil…?“ Es gibt vielleicht noch eine Handvoll Leute, die aus Auschwitz entkommen und bewusst erzählen können, wie es war und auch sie werden bald gestorben sein. Wer als 10-jähriger da hinkam und überlebte, ist spätestens 1935 geboren und heute 90 Jahre alt. In zehn bis zwanzig Jahren wird die Erinnerung an den Holocaust nur noch virtuell in Filmen und Literatur gegenwärtig sein, da es keine Zeitzeugen mehr gibt, die das Monströse dieses Ortes aus eigener Anschauung vermitteln können. Dann wird Auschwitz endgültig zur Gedenkkulisse von Politikern herabgewürdigt werden, wenn die Museumsleitung hier nicht eingreift. Eigentlich sollte auf dem gesamten Gelände ein Fotografier-Verbot herrschen. Auch und besonders für Politiker. Das ist kein Ort, um Besinnlichkeit zu heucheln und publikumswirksame Bilder zu schießen. Oder lustige Selfies für Instagram und Tiktok zu machen. Was kommt als Nächstes? „My friends went to Auschwitz and all I got was this lousy T-Shirt“? Das ist Auschwitz. Der Ort eines der größten Verbrechen der Menschheit. Ein Ort, an dem Täter zu viehischen Barbaren und Opfer zur vernichtbaren Objekten herabgewürdigt wurden. Ein Ort, gegen den die Hölle ein angenehmer Platz sein muss. Ein Ort, an dem es keine Moral und keine Menschlichkeit mehr gab. Und an diesem Ort standen zwei Politiker in guter Ausleuchtung und simulierten Anteilnahme. Dann reisten sie wieder ab und beschlossen, noch mehr Judenhasser ins Land zu lassen. Es widert mich nur noch an.


