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In gewissen Kreisen verkehren
Thilo Schneider • 23. Juni 2022
Im letzten Hemd um die Umwelt
Herr V. aus H. ist sehr sehr besorgt um das Klima. Er kämpft quasi um das Klima bis zum letzten Hemd, auf dem er so lustige Sachen wie „Miami 2060. Der erste Grand Prix unter Wasser. Jetzt handeln oder später schwimmen“ stehen hat. Und er hat auch einen am Helm, auf dem beispielsweise „Stoppt den Teersandabbau – Kanadas Klimaverbrechen“ steht.
Zurück zu Herrn V. aus H., der sich so vehement für das Klima einsetzt. Gnadenlos prangert er alle Verbrechen der Klimasünder an, was sehr ehrenwert wäre, führe er nicht aus sportlichen Gründen ein Auto mit Verbrenner im Kreis. Sie lesen richtig: Er fährt mit einem Verbrenner im Kreis herum. Und das nicht nur an einem Ort, sondern an den schönsten Orten der Welt. Da fliegt er dann ganz umweltsäuisch nebst Tross mit Flugzeug und Verbrenner kreuz und quer über den Globus, um dann um sich selbst zu kreisen. Ja, da hätte ich auch ein schlechtes Gewissen. Als würde man vor einem saftigen Steak sitzen und die Mitesser dazu auffordern, endlich weniger, am besten gar kein Fleisch in sich hineinzustecken. Herr V. scheint daher derart genervt von sich zu sein, dass er selbst der beste Umweltschützer der Welt sein möchte, was sich umso leichter bewerkstelligen lässt, wenn man ein paar Millionen Euro auf dem Konto der Werbe- und Sponsoringpartnerbank auf der hohen Fahrzeugoberkante hat.
Nehmen wir ein anderes Beispiel für "Revolutionär wider schlechtes Gewissen“: Die Imkes, Jettes, Sörens und Svens der "Last Generation“ verbringen ihre Berufs- und Freizeit vorwiegend auf Autobahnzubringern. Dort demonstrieren sie vor der begeistert hupenden arbeitenden Bevölkerung gegen den Abbau fossiler Brennstoffe wie ausgerechnet Öl. Die Rucksäcke, die sie dabei tragen, die Warnwesten, die Schuhsolen, die PET-Flaschen, der Kleber, mit dem sie sich fixieren, verdanken sie – exakt – Öl. Ohne Öl kein stylisher Rucksack, keine flotten Sneakers und keine Nuckelflaschen mit Himbeer-Avocado-Gurke-Tee. Aber wahrscheinlich geht es ja nicht darum, dass sie Verzicht üben, sondern die anderen sollen. Daher auch kein Autobahnausbau, die Stilllegungen von Hauptverkehrsstraßen und die dazu passende Verdammnis, wenn „der Staat“ nicht endlich ihren Forderungen nachgibt. Es wollte schließlich nie ein Revolutionär die Not der Befreiten teilen.
Ich erinnere mich da lächelnd an den Aufruf der FFF Hannover, ob ihnen jemand ein Dieselaggregat leihen könne, damit sie während ihrer Klimademonstration die Handys laden können. Es scheint tatsächlich die Gleichung zu gelten: Je mehr Klimahysteriker, desto krasser die Schere zwischen Forderung und eigenem Verhalten. Dafür fahre ich mit dem Diesel doch noch einmal extra um den Block, um wirklich sicherzugehen, dass „die letzte Generation“ tatsächlich die letzte Generation ist. Die ganze Blase um die Grünen herum überbietet sich beinahe im Stundentakt mit kindischen, lächerlichen und absurden Forderungen, denen sie, träfen diese sie selbst, Zeter und Mordio schreien würden. Probieren Sie es selbst aus und nehmen Sie ihrem pubertierenden Kind oder Enkel (der übrigens demnächst ab 14 das Wahlrecht von den Grünen für die Grünen bekommen und per Akklamation auch gleich sein Geschlecht wechseln dürfen soll) einmal Handy und I-Pad weg und argumentieren Sie dabei mit dem Verbrauch von CO2, Wasser und der Freizeit von Kindern in den Kobaltminen. Die anschließende Diskussion dürfte Sie interessieren.
Ein anderes Beispiel sah ich neulich bei einer, zugegeben, bösartigen Reportage bei einer „All refugees welcome – wir haben Platz“ – Demo, als ein mutmaßlich rechtsextrem-homotransphob-rassistischer Journalist zwischen die Demonstrierenden ging und sie bat, ihren Namen und Adresse auf einer Liste zu hinterlassen, da die Stadt derzeit Wohnraum für Flüchtlinge suche und dem/der Betroffenen gerne einen nach Hause zur Untermiete schicken würde. Was soll man sagen? An dem guten Willen und der grundsätzlichen Bereitschaft mangelte es den Demonstrierenden nicht, nur JETZT GERADE, wäre es leider wahnsinnig schlecht, weil der Klempner „grad was richt“ und die eigene Wohnung dann doch etwas beengt ist und derzeit der Antagonist an seiner Hausarbeit zu den Gender-Studies sitzt und Ruhe braucht und die Katze so unentspannt auf Besuch reagiert und er demnächst leider eh umzieht, aber sonst würden er und sie wirklich gerne Flüchtlinge aufnehmen, gar keine Frage, gar kein Thema, wie gesagt, im Moment ist es eben schlecht, wie dem Journalist oftmals armwedelnd und wortreich erklärt wurde.
Diese merkwürdige Diskrepanz zwischen Forderung und eigenem Verhalten lässt sich tatsächlich nur aus dem gleichen kindlichen und kindischen Gemüt erklären, mit dem die Dümmeren unter unseren Nachkommen sich laut schreiend auf den Boden werfen und mehr Respekt verlangen. Oder, mit anderen Worten: Wer nachfragt, ob er jetzt schon erwachsen ist, der ist es nicht. Der malt sich die Haare blau an, macht Youtube- oder Tiktok-Videos und lässt sich dafür von anderen Schwachmaten – im Volksmund „Follower“ genannt – bezahlen. Natürlich widerwillig – eigentlich will er für seine guten Taten kein Geld, sondern tut dies aus Altruismus, aber wenn die Knete dann schon auf dem Konto ist – was will man machen? Gut, gelegentlich fliegt jemand wie Fynn Kliemann, der bisherige Oberguru der woken Blase, dann doch zu sehr auf, weil er in seiner inkludierend-antikapitalistischen Gier vergessen hat, Masken, die er mitnichten „zum Selbstkostenpreis“ verkauft hat, korrekt zu deklarieren. Aber er hat sich bereits entschuldigt. So ein bisschen. Das kann dem besten guten Menschen schon einmal passieren.
Es wäre tatsächlich vom Grunde her nicht schlimm, wenn die halben Hemden in ihren ganzen T-Shirts nur einfach bigotte Narren wären – dann würde man sie zappeln lassen. Diese Halbgrünhemden sind jedoch zusätzlich verlogen, verschlagen, bigott und rücksichtslos – und damit gefährlich. Weil sie neben ihrer Dummheit auch noch radikal und ideologisiert sind. Und DAS birgt nie etwas Gutes. Wir leben in sehr interessanten Zeiten…
Nun wäre das nicht schlimm, wenn der engagierte Herr V. aus H. nicht einen etwas exotischen Beruf hätte, dazu aber gleich mehr. Vom Grunde soll ja jeder T-Shirts, Helme und Masken tragen, wie er lustig oder unlustig ist. Es gibt genug Männer, die mit Shirts wie „Bier formte diesen schönen Körper“ oder „Umweltschutz geht alle an“ tragen. Es gibt auch genug ehemalige Männer, die jetzt keine Frauen sind, sondern irgendetwas dazwischen und sich lustige Pronomina wählen und das ebenfalls auf T-Shirts dokumentieren – etwas ärgerlich dabei: Die Shirts gibt es nur für Herren, Damen und Kinder – womit das dritte Geschlecht „Kind“ endlich benannt wäre. Die anderen 61 Geschlechter müssen dann doch wieder binär auswählen, wenn sie keine Kinder sind. Und die haben keine Kreditkarten. Aber ich schweife ab.
Zurück zu Herrn V. aus H., der sich so vehement für das Klima einsetzt. Gnadenlos prangert er alle Verbrechen der Klimasünder an, was sehr ehrenwert wäre, führe er nicht aus sportlichen Gründen ein Auto mit Verbrenner im Kreis. Sie lesen richtig: Er fährt mit einem Verbrenner im Kreis herum. Und das nicht nur an einem Ort, sondern an den schönsten Orten der Welt. Da fliegt er dann ganz umweltsäuisch nebst Tross mit Flugzeug und Verbrenner kreuz und quer über den Globus, um dann um sich selbst zu kreisen. Ja, da hätte ich auch ein schlechtes Gewissen. Als würde man vor einem saftigen Steak sitzen und die Mitesser dazu auffordern, endlich weniger, am besten gar kein Fleisch in sich hineinzustecken. Herr V. scheint daher derart genervt von sich zu sein, dass er selbst der beste Umweltschützer der Welt sein möchte, was sich umso leichter bewerkstelligen lässt, wenn man ein paar Millionen Euro auf dem Konto der Werbe- und Sponsoringpartnerbank auf der hohen Fahrzeugoberkante hat.
Nehmen wir ein anderes Beispiel für "Revolutionär wider schlechtes Gewissen“: Die Imkes, Jettes, Sörens und Svens der "Last Generation“ verbringen ihre Berufs- und Freizeit vorwiegend auf Autobahnzubringern. Dort demonstrieren sie vor der begeistert hupenden arbeitenden Bevölkerung gegen den Abbau fossiler Brennstoffe wie ausgerechnet Öl. Die Rucksäcke, die sie dabei tragen, die Warnwesten, die Schuhsolen, die PET-Flaschen, der Kleber, mit dem sie sich fixieren, verdanken sie – exakt – Öl. Ohne Öl kein stylisher Rucksack, keine flotten Sneakers und keine Nuckelflaschen mit Himbeer-Avocado-Gurke-Tee. Aber wahrscheinlich geht es ja nicht darum, dass sie Verzicht üben, sondern die anderen sollen. Daher auch kein Autobahnausbau, die Stilllegungen von Hauptverkehrsstraßen und die dazu passende Verdammnis, wenn „der Staat“ nicht endlich ihren Forderungen nachgibt. Es wollte schließlich nie ein Revolutionär die Not der Befreiten teilen.
Ich erinnere mich da lächelnd an den Aufruf der FFF Hannover, ob ihnen jemand ein Dieselaggregat leihen könne, damit sie während ihrer Klimademonstration die Handys laden können. Es scheint tatsächlich die Gleichung zu gelten: Je mehr Klimahysteriker, desto krasser die Schere zwischen Forderung und eigenem Verhalten. Dafür fahre ich mit dem Diesel doch noch einmal extra um den Block, um wirklich sicherzugehen, dass „die letzte Generation“ tatsächlich die letzte Generation ist. Die ganze Blase um die Grünen herum überbietet sich beinahe im Stundentakt mit kindischen, lächerlichen und absurden Forderungen, denen sie, träfen diese sie selbst, Zeter und Mordio schreien würden. Probieren Sie es selbst aus und nehmen Sie ihrem pubertierenden Kind oder Enkel (der übrigens demnächst ab 14 das Wahlrecht von den Grünen für die Grünen bekommen und per Akklamation auch gleich sein Geschlecht wechseln dürfen soll) einmal Handy und I-Pad weg und argumentieren Sie dabei mit dem Verbrauch von CO2, Wasser und der Freizeit von Kindern in den Kobaltminen. Die anschließende Diskussion dürfte Sie interessieren.
Ein anderes Beispiel sah ich neulich bei einer, zugegeben, bösartigen Reportage bei einer „All refugees welcome – wir haben Platz“ – Demo, als ein mutmaßlich rechtsextrem-homotransphob-rassistischer Journalist zwischen die Demonstrierenden ging und sie bat, ihren Namen und Adresse auf einer Liste zu hinterlassen, da die Stadt derzeit Wohnraum für Flüchtlinge suche und dem/der Betroffenen gerne einen nach Hause zur Untermiete schicken würde. Was soll man sagen? An dem guten Willen und der grundsätzlichen Bereitschaft mangelte es den Demonstrierenden nicht, nur JETZT GERADE, wäre es leider wahnsinnig schlecht, weil der Klempner „grad was richt“ und die eigene Wohnung dann doch etwas beengt ist und derzeit der Antagonist an seiner Hausarbeit zu den Gender-Studies sitzt und Ruhe braucht und die Katze so unentspannt auf Besuch reagiert und er demnächst leider eh umzieht, aber sonst würden er und sie wirklich gerne Flüchtlinge aufnehmen, gar keine Frage, gar kein Thema, wie gesagt, im Moment ist es eben schlecht, wie dem Journalist oftmals armwedelnd und wortreich erklärt wurde.
Diese merkwürdige Diskrepanz zwischen Forderung und eigenem Verhalten lässt sich tatsächlich nur aus dem gleichen kindlichen und kindischen Gemüt erklären, mit dem die Dümmeren unter unseren Nachkommen sich laut schreiend auf den Boden werfen und mehr Respekt verlangen. Oder, mit anderen Worten: Wer nachfragt, ob er jetzt schon erwachsen ist, der ist es nicht. Der malt sich die Haare blau an, macht Youtube- oder Tiktok-Videos und lässt sich dafür von anderen Schwachmaten – im Volksmund „Follower“ genannt – bezahlen. Natürlich widerwillig – eigentlich will er für seine guten Taten kein Geld, sondern tut dies aus Altruismus, aber wenn die Knete dann schon auf dem Konto ist – was will man machen? Gut, gelegentlich fliegt jemand wie Fynn Kliemann, der bisherige Oberguru der woken Blase, dann doch zu sehr auf, weil er in seiner inkludierend-antikapitalistischen Gier vergessen hat, Masken, die er mitnichten „zum Selbstkostenpreis“ verkauft hat, korrekt zu deklarieren. Aber er hat sich bereits entschuldigt. So ein bisschen. Das kann dem besten guten Menschen schon einmal passieren.
Es wäre tatsächlich vom Grunde her nicht schlimm, wenn die halben Hemden in ihren ganzen T-Shirts nur einfach bigotte Narren wären – dann würde man sie zappeln lassen. Diese Halbgrünhemden sind jedoch zusätzlich verlogen, verschlagen, bigott und rücksichtslos – und damit gefährlich. Weil sie neben ihrer Dummheit auch noch radikal und ideologisiert sind. Und DAS birgt nie etwas Gutes. Wir leben in sehr interessanten Zeiten…

Ist das nicht süß? Wirklich zuckersüß, wie sie jetzt alle springen, tanzen und singen? Da kommt so ein Ami aus Amirika zur Münchner Sicherheitskonferenz und hält den bei Häppchen und Sekt versammelten grauen Köpfen der europäischen Nomenklatura einen 20-minütigen, freien und fehlerlosen Vortrag über Demokratie und Mehrheiten, verzwergt seine Zuhörer und deklassiert sie und landauf landab fliegen die geohrfeigten Köpfe der Brandmaurer. Da stellt sich dann ausgerechnet ein ausgebildeter Neo-Sozialist wie der Bundespräsident, der vor nicht einmal 12 Monaten den amtierenden Präsidenten der USA als „Hassprediger“ abgekanzelt hat, hin und verbittet sich eine Einmischung der Amerikaner in die lautere und tadellose Demokratie der Schwachkopf-Anzeiger, „So-Done“-Betreiber und Morgens-aus-dem-Bett-Klingler. Da sind sie alle ganz aufgeregt, die, die nicht müde wurden, zu beteuern, dass mit Donald Trump das absolut Böse ins Weiße Haus einziehen wird. Die den altersschwachen Joe Biden zu einem stolzen Führer der freien Welt mit dem absoluten Überblick verklärten, um gleich anschließend Kamala Harris zu einer Lichtgestalt zu verklären, die den Heiligenschein Jesu um Milliarden Lux überstrahlte. Diese Politiker und Medien beschweren sich nun wie mit der Hand in der Keksdose ertappte Kinder über eine Rede, die ihnen, den Führern des Wertewestens und des freiesten und buntesten und diversesten Europas, das es je seit der Belagerung Konstantinopels gab, die demokratischen Leviten liest. Witzig – während ich diese Zeilen schreibe, lese ich auf X, dass der Rechtsanwalt Markus Roscher zu 3.000,- € Geldstrafe verurteilt wurde, weil er in einem Tweet Habeck, Scholz und Baerbock für das Heizungsgesetz als „boshafte Versager“ bezeichnet hat. Sein Waffenschein steht nun wegen „Unzuverlässigkeit“ ebenfalls zur Diskussion. Außerdem muss er im „Wiederholungsfall“ – nämlich, dass er die Genannten „in ihrem öffentlichen Wirken erheblich beeinträchtigt“ – damit rechnen, dass ihm der Entzug seiner Anwaltslizenz droht. Außerdem wurde er gewarnt, dass er im Einspruchsverfahren mit einer noch höheren Geldstrafe rechnen müsste. Sieht so die Meinungsfreiheit „unserer Demokratie“ aus? Das exakt ist es, was Vance mit seiner Rede gemeint hat. Und was unsere Politisierenden und die geneigten Medien vehement und ganz wehrhaft mit wedelnden Armen abstreiten. „Keine Meinungsfreiheit? Stimmt ja gar nicht! Halt die Fresse!“ Ich mag die AfD nicht. Ich finde sie zu wenigstens 60% ganz schrecklich, weil da auch ganz schreckliche Leute mitmachen, deren Stammtische ich schon in Jugendtagen gemieden habe, obwohl es die da noch gar nicht gab. Das spielt in einer Demokratie aber keine Rolle, wen ich mag oder nicht mag. Ich persönlich finde Grüne und Linke noch viel schrecklicher, radikaler und ja – auch gewalttätiger. Erst recht, wenn sie 1933 als Rechtfertigung für Zerstörung und Körperverletzung als Alibi heranziehen. Aber ebenso, wie ich die Einen ertragen muss, muss ich auch die anderen ertragen. Und, als Demokrat, bestenfalls mit beiden reden, weil sie vielleicht ja doch einen Punkt haben. Außerdem ist es unfair und undemokratisch, eine 20%-Partei in ihrer parlamentarischen Arbeit zu behindern und ihnen ihrer Partei zustehende Posten zu verweigern oder Gesetze und Regeln so elegant hinzubiegen, dass sie keine Chance haben, für das Geld, das sie auch von ihren Wählern bekommen, Ihren Job zu machen. Unser Grundgesetz (dessen Hochhalten in Corona bereits bestraft wurde) sieht keine „guten“ und „schlechten“ Wählerstimmen vor. Es gibt schlicht keine Abstufung. Vance hat nichts anderes gesagt als seinerzeit Gorbatschow zu den Betonköpfen im Politbüro: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wer sich nicht um die Anliegen von mindestens 20% - eigentlich aber sogar mehr als 50% aller Wähler kümmert (ja, wir reden hier von illegaler Migration und Union und AfD gemeinsam), der darf sich dann auch nicht wundern, wenn die eigene, überhebliche Arroganz gegenüber dem Wahlvolk, das die ganze Butze finanziert, zur eigenen Abwahl führt. Es ist das tiefste Wesen einer Demokratie, dass es keinen Adel und keine Kaste gibt und das Volk seine Regierungen bei Nichtbeachtung abwählen und einer neuen Regierung eine neue Chance geben kann, darf, soll und – im Eigeninteresse – sogar muss. Nichts anderes hat Vance versucht, seinen europäischen Gesprächspartnern, die nun gemeinsam mit den ihnen gewogenen Medien aufgeregt flügelschlagend umeinanderkreisen, klarzumachen. Und als Antwort bekommt er – und wir – unter dem Strich die gleiche Antwort, die seinerzeit Honecker gab: „Unsere Demokratie in ihrem Lauf halten weder Trump noch Vance auf“. Flankiert von dem üblichen Gesülze von Trump als Sith-Lord mit Musk und Vance als böse Palatine. Die glauben das wirklich! Außerdem hat Vance mit Weidel und Merz gesprochen. GESPROCHEN! Sie haben richtig gelesen. Die Amerikaner haben glasklar erkannt, dass mit der EU und den Wichtigtuern der deutschen Regierungsparteien schlicht „kein Staat“ zu machen ist. „America first“ heißt auch „Europe second“ und die Rede von Vance und die Reaktionen darauf haben tatsächlich gezeigt, mit welchen eitlen und wichtigtuerischen Wichten wir es in „unserer Demokratie“ zu tun haben. Wird sich aber nun etwas ändern? Natürlich nicht. Die europäischen Kleinmächte mit ihren zappeligen Demokratieminderleistern werden sich einigeln und hoffen, dass die nächsten vier Jahre Trump und dann vielleicht vier Jahre Vance an ihnen wie ein Gewittersturm vorüberziehen werden. An uns als Wählern liegt es, ob dies so sein wird.

Haben Sie die Bilder gesehen? Robert Habeck hat eines verbreitet, Olaf Scholz ein anderes. Robert Habeck war nämlich in Auschwitz. Aber nur als Besucher. Olaf Scholz auch, auch als Tourist. Auf dem Bild Robert Habecks sieht man ihn aus der Rückenansicht, wie er zwischen einem Gebäude (dem Krematorium?) und zwei Stacheldrahtzäunen, ganz allein, fast einsam, entlangflaniert. Das ganze Bild, in einen orangen Filter getaucht, erinnert stark an die „Jever“-Werbung. Ein Mann. Seine Gedanken. Ein KZ. Veröffentlicht hat Robert Habeck das Bild auf X mit dem Untertext: „Heute, am 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, habe ich in Polen das Stammlager I und später das Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau besucht. Neben dem offiziellen Teil gab es auch ein paar Momente allein. Ich brauche dazu nichts zu sagen, denke ich.“ Ein paar Momente. Allein. Robert Habeck mit sich selbst. Und dem Kameramann. Und den Personenschützern. Möglicherweise auch mit seinem Social-Media-Team und seinem Wahlkampfteam. Aber allein. Hauptsache allein. Mit seinen Gedanken. Und die teilt er mit, indem er sie nicht mitteilt. So isser, unser Robert, gell? So ein eigentlich stiller, besinnlicher und, ja, auch tief philosophischer Typ. Ich kann mich nicht gegen meine Phantasie wehren. Ich sehe mich mit Robert Habeck und seinem Team da, in dieser Todesgasse stehen und das, was wie ein Schnappschuss – welch grässliches Wort in einem Konzentrationslager – aussieht, inszenieren: „Robert, wir machen das von hinten. Wie in der Werbung. Geh ein paar Schritte nach da. Nicht umdrehen, Robert, NICHT UMDREHEN, HERRGOTT, ja, so isses gut, Stimmt das Licht, Malte? Klasse. Nicht so weit weg, Robert, es muss zufällig aussehen und wir können das Stativ und das Licht nicht hinter Dir hertragen. Geh nochmal so… JA, PASST, IS IM KASTEN! Super Robert, das wird ein Kracher!“ Ein Hauch von Bierwerbung weht durch das Bild: Wie das KZ, so das Jever. Ich weiß nicht, ob er oder Olaf Scholz schneller war, unser Kanzler ließ sich von hinten insze… fotografieren, wie er vor einem der Öfen im Krematorium steht. Mittig. Im gedämpften Licht. Besinnlich und sich besinnend. Ob er da ein Gebet gesprochen hat? Man weiß es nicht, aber die Bildkomposition ist sehr schön, sehr symmetrisch. Da hat das Fotografierende gut mitgedacht. Diesen beiden Typen ist das vielleicht grausigste und grausamste Vernichtungslager der Welt nicht zu schade, um sich zu Wahlkampf- und Eigendarstellungszwecken optisch hübsch in Szene zu setzen, um einen auf „besinnlich“ zu machen. Das, was vor Ort passiert ist, wo Menschen verprügelt, verreckt und schlussendlich vergast wurden, wird heute von ganz aufrecht unserdemokratischen Politikern zur Gruselkulisse für nicht hässliche Bilder, zum „Auschwitzland“ für professionelles Trauern herabgewürdigt. Wahres und echtes Gedenken braucht keine Pressefotografen, sondern Ruhe und Geschichtsbewusstsein, was ich mit einem Pulk von Fotografen, Security und Begleitentourage für höchst schwierig halte. Beide Bilder haben einen bitteren Beigeschmack von „Halloho? Ich trauere und bin nachdenklich! Seht Ihr, wie ich trauere? Seht Ihr es? Kinners, hierher, ich trauere! Guck, da der Ofen, da der Stacheldraht, schrecklich. Soll ich nochmal im Halbprofil…?“ Es gibt vielleicht noch eine Handvoll Leute, die aus Auschwitz entkommen und bewusst erzählen können, wie es war und auch sie werden bald gestorben sein. Wer als 10-jähriger da hinkam und überlebte, ist spätestens 1935 geboren und heute 90 Jahre alt. In zehn bis zwanzig Jahren wird die Erinnerung an den Holocaust nur noch virtuell in Filmen und Literatur gegenwärtig sein, da es keine Zeitzeugen mehr gibt, die das Monströse dieses Ortes aus eigener Anschauung vermitteln können. Dann wird Auschwitz endgültig zur Gedenkkulisse von Politikern herabgewürdigt werden, wenn die Museumsleitung hier nicht eingreift. Eigentlich sollte auf dem gesamten Gelände ein Fotografier-Verbot herrschen. Auch und besonders für Politiker. Das ist kein Ort, um Besinnlichkeit zu heucheln und publikumswirksame Bilder zu schießen. Oder lustige Selfies für Instagram und Tiktok zu machen. Was kommt als Nächstes? „My friends went to Auschwitz and all I got was this lousy T-Shirt“? Das ist Auschwitz. Der Ort eines der größten Verbrechen der Menschheit. Ein Ort, an dem Täter zu viehischen Barbaren und Opfer zur vernichtbaren Objekten herabgewürdigt wurden. Ein Ort, gegen den die Hölle ein angenehmer Platz sein muss. Ein Ort, an dem es keine Moral und keine Menschlichkeit mehr gab. Und an diesem Ort standen zwei Politiker in guter Ausleuchtung und simulierten Anteilnahme. Dann reisten sie wieder ab und beschlossen, noch mehr Judenhasser ins Land zu lassen. Es widert mich nur noch an.


