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In der allerersten Reihe...
Thilo Schneider • 25. Mai 2021
Was es nicht alles nicht gibt...

Es war der Freitagabend vor Pfingsten, kurz bevor Uthred Bebanburg stürmen wollte, als sich mein treuer Phillips-Fernseher mit einem traurigen leisen *zirp* in den Himmel der Elektrogeräte verabschiedete und das Bild in sich zusammenfaltete. Eine kleine Weile noch hörte ich Gebrüll und Schlachtenlärm, aber ohne Blut und Gedärme zu sehen, macht so ein Hörspiel einer mittelalterlichen Schlacht nicht wirklich richtig Spaß.
Es dauerte auch nicht lange und ein etwas untersetzter Berater mit einem flaumigen Oberlippenbärtchen, der ausweislich seines Etiketts auf dem Kittel „Soest“ hieß , näherte sich mir in eindeutiger Absicht. „Guten Tag, kann man Ihnen helfen?“, fragte er freundlich. „Ich hoffe es“, gab ich zurück, „ich hätte gerne einen Swimmingpool“. Herr Soest kicherte und deutete auf einen kleinen Fernseher, in dem ein Kaminfeuer prasselte. „Ich kann auf eine Schwimmbadwerbung umschalten, wenn Sie möchten“, bot er grinsend an.
Okay, wir teilten den gleichen Humor. „Tatsächlich suche ich natürlich einen Fernseher.“, erläuterte ich. „Und an was haben Sie da genau gedacht?“, begann Herr Soest die Bedarfsermittlung. „Ich wollte einen, der mir so Bilder zeigt, Filme und so. Darf ruhig ein bisschen größer sein, wir haben Platz auf dem Lowboard“, konkretisierte ich, nicht ganz ohne Stolz, mein Anliegen.
Herr Soest legte die Stirne ein klein wenig in Falten: „ Wir haben hier jede Menge 68-Zöller, die kriegen Sie auch Curved mit Bild im Bild, Ton in Ton, in DD, HD, Farbe, Plasmaoberfläche mit hintergrundgebeiztem Akazienholz mit Dreh-Kipp-Funktion und Surround-Anschluss für zwei Warp-Triebwerke und Tarnfunktion, es kommt eben darauf an, was Sie damit machen wollen!“
Spontan fiel mir „Pornos gucken“ ein, aber das wollte ich Herrn Soest nicht auf die fleischige Nase binden, obwohl es mir schien, dass er mich auch hierzu gut beraten könnte. „Ich will einen Media-Receiver, einen Bluetooth-Player, mein Tablet, eine X-Box und - glauben Sie es oder nicht - einen antiken Videorecorder mit Scart-Anschluss dranhängen“, erklärte ich. „Und Telefaxe? Wollen Sie auch Telefaxe empfangen?“, fragte Herr Soest. „Echt? Geht das?“, fragte ich zurück. Herr Soest lachte. Natürlich nicht, war ein Spaß“, klärte er mich auf und wir beide lachten. Er lauter als ich.
Herr Soest berührte mich leicht am rechten Ellbogen und wies mit der rechten Hand auf ein gar prächtig Exemplar in der Größe des Grünewald-Altars am Ende des Ganges. „Das hier ist unser Jupiter 2020“ stellte er mit einem leichten Anflug von Verkäuferstolz einen Fernseher vor, der selbst für die Brücke der Enterprise zu groß gewesen wäre und jede Pore eines Klingonen hochauflösend auf meinen Kommandosessel geholt hätte. „Kann er 3-D?, fragte ich beeindruckt. Herr Soest sah mich an wie eine Mutter ihr zurückgebliebenes Kind: „Nicht nur 3-D, auch 4-D. Dieser Fernseher hat einen Geruchssensor. Sie füllen drei Grundgerüche oben in die Ampullen und daraus mischt der Jupiter dann die Gerüche passend zur Sendung. Warten Sie mal...“ Und dann drückte er auf der Fernbedingung die „Smell“-Taste und sofort roch ich Leder, Old Spice und Altmännerschweiß. „Was ist das für ein Geruch?“ fragte ich entsetzt. „Karl Lauterbach bei Maischberger“, sagte Herr Soest trocken. „Boah, das ist eklig“, bemerkte ich und Herr Soest schaltete sofort. Und zwar um. Auf eine Kochshow. Und mir stieg der Duft eines Steaks mit Rosmarin und Prinzessinenkartoffeln in die Nase. „Besser?“, fragte er grinsend
Ja. Sehr viel besser! „Sehr viel besser“, bestätigte ich ihn und sandte mit dem Satz: „Was soll dieses Spitzenprodukt südkoreanischer Hochtechnologie denn kosten?“ ein eindeutiges Kaufsignal.
„Kann er Netflix?“, wollte ich wissen. Herr Soest nickte: „Kann er.“ „Gut, dann gehen Sie mal bitte ins Menue und suchen Sie die Uthred-Saga, Folge „Uthred erobert Bebanburg“, forderte ich ihn auf. Herr Soest drückte ein paar Knöpfe und wir waren mitten in der Schlacht. Es wurde gebrüllt und geschrien, es roch nach Blut, Schweiß, Gedärm, Rauch, Scheisse und Erbrochenem und ich verspürte sofort Brechreiz. „Na? Ganz schön realistisch, gell?“, grinste Herr Soest.
Oh ja. Das war es. Sehr hübsch. Ich schluckte meinen eigenen flauen Mageninhalt tapfer hinunter und entschied mich spontan für das kleine, aber feine Modell Venus. Das roch zwar nicht, legte aber über alle Bilder einen Weichfilter und kostete auch nur den Gegenwert eines Elektrofahrrads.
Dafür aber sieht Karl Lauterbach jetzt sexy aus und - was soll ich sagen? - ich habe mich dank Venus in Renate Künast verliebt, das scharfe unscharfe Teil.
Danke Herr Soest, danke Media-Kette und Danke südkoreanische Fernsehbauer. Mein Leben hat wieder einen Sinn. Und einen Fernseher.
Gut, der Philipps hatte seinen Dienst getan und durchaus das Recht, kaputt zu gehen und so fand ich mich am nächsten Morgen in der Elektrogerätefeinkostabteilung einer bekannten Medienkette wieder und betrachtete auf acht Fernsehern Karl Lauterbach, was ansich schon schlimm genug war.
Es dauerte auch nicht lange und ein etwas untersetzter Berater mit einem flaumigen Oberlippenbärtchen, der ausweislich seines Etiketts auf dem Kittel „Soest“ hieß , näherte sich mir in eindeutiger Absicht. „Guten Tag, kann man Ihnen helfen?“, fragte er freundlich. „Ich hoffe es“, gab ich zurück, „ich hätte gerne einen Swimmingpool“. Herr Soest kicherte und deutete auf einen kleinen Fernseher, in dem ein Kaminfeuer prasselte. „Ich kann auf eine Schwimmbadwerbung umschalten, wenn Sie möchten“, bot er grinsend an.
Okay, wir teilten den gleichen Humor. „Tatsächlich suche ich natürlich einen Fernseher.“, erläuterte ich. „Und an was haben Sie da genau gedacht?“, begann Herr Soest die Bedarfsermittlung. „Ich wollte einen, der mir so Bilder zeigt, Filme und so. Darf ruhig ein bisschen größer sein, wir haben Platz auf dem Lowboard“, konkretisierte ich, nicht ganz ohne Stolz, mein Anliegen.
Herr Soest legte die Stirne ein klein wenig in Falten: „ Wir haben hier jede Menge 68-Zöller, die kriegen Sie auch Curved mit Bild im Bild, Ton in Ton, in DD, HD, Farbe, Plasmaoberfläche mit hintergrundgebeiztem Akazienholz mit Dreh-Kipp-Funktion und Surround-Anschluss für zwei Warp-Triebwerke und Tarnfunktion, es kommt eben darauf an, was Sie damit machen wollen!“
Spontan fiel mir „Pornos gucken“ ein, aber das wollte ich Herrn Soest nicht auf die fleischige Nase binden, obwohl es mir schien, dass er mich auch hierzu gut beraten könnte. „Ich will einen Media-Receiver, einen Bluetooth-Player, mein Tablet, eine X-Box und - glauben Sie es oder nicht - einen antiken Videorecorder mit Scart-Anschluss dranhängen“, erklärte ich. „Und Telefaxe? Wollen Sie auch Telefaxe empfangen?“, fragte Herr Soest. „Echt? Geht das?“, fragte ich zurück. Herr Soest lachte. Natürlich nicht, war ein Spaß“, klärte er mich auf und wir beide lachten. Er lauter als ich.
Herr Soest berührte mich leicht am rechten Ellbogen und wies mit der rechten Hand auf ein gar prächtig Exemplar in der Größe des Grünewald-Altars am Ende des Ganges. „Das hier ist unser Jupiter 2020“ stellte er mit einem leichten Anflug von Verkäuferstolz einen Fernseher vor, der selbst für die Brücke der Enterprise zu groß gewesen wäre und jede Pore eines Klingonen hochauflösend auf meinen Kommandosessel geholt hätte. „Kann er 3-D?, fragte ich beeindruckt. Herr Soest sah mich an wie eine Mutter ihr zurückgebliebenes Kind: „Nicht nur 3-D, auch 4-D. Dieser Fernseher hat einen Geruchssensor. Sie füllen drei Grundgerüche oben in die Ampullen und daraus mischt der Jupiter dann die Gerüche passend zur Sendung. Warten Sie mal...“ Und dann drückte er auf der Fernbedingung die „Smell“-Taste und sofort roch ich Leder, Old Spice und Altmännerschweiß. „Was ist das für ein Geruch?“ fragte ich entsetzt. „Karl Lauterbach bei Maischberger“, sagte Herr Soest trocken. „Boah, das ist eklig“, bemerkte ich und Herr Soest schaltete sofort. Und zwar um. Auf eine Kochshow. Und mir stieg der Duft eines Steaks mit Rosmarin und Prinzessinenkartoffeln in die Nase. „Besser?“, fragte er grinsend
Ja. Sehr viel besser! „Sehr viel besser“, bestätigte ich ihn und sandte mit dem Satz: „Was soll dieses Spitzenprodukt südkoreanischer Hochtechnologie denn kosten?“ ein eindeutiges Kaufsignal.
„Oh, den haben wir im Sonderangebot“, sagte Herr Soest und nannte mir den Preis eines Autos der sehr gehobenen Mittelklasse. Ich war hin und her gerissen. Autofahren oder Fernsehen...
„Kann er Netflix?“, wollte ich wissen. Herr Soest nickte: „Kann er.“ „Gut, dann gehen Sie mal bitte ins Menue und suchen Sie die Uthred-Saga, Folge „Uthred erobert Bebanburg“, forderte ich ihn auf. Herr Soest drückte ein paar Knöpfe und wir waren mitten in der Schlacht. Es wurde gebrüllt und geschrien, es roch nach Blut, Schweiß, Gedärm, Rauch, Scheisse und Erbrochenem und ich verspürte sofort Brechreiz. „Na? Ganz schön realistisch, gell?“, grinste Herr Soest.
Oh ja. Das war es. Sehr hübsch. Ich schluckte meinen eigenen flauen Mageninhalt tapfer hinunter und entschied mich spontan für das kleine, aber feine Modell Venus. Das roch zwar nicht, legte aber über alle Bilder einen Weichfilter und kostete auch nur den Gegenwert eines Elektrofahrrads.
Dafür aber sieht Karl Lauterbach jetzt sexy aus und - was soll ich sagen? - ich habe mich dank Venus in Renate Künast verliebt, das scharfe unscharfe Teil.
Danke Herr Soest, danke Media-Kette und Danke südkoreanische Fernsehbauer. Mein Leben hat wieder einen Sinn. Und einen Fernseher.

Ist das nicht süß? Wirklich zuckersüß, wie sie jetzt alle springen, tanzen und singen? Da kommt so ein Ami aus Amirika zur Münchner Sicherheitskonferenz und hält den bei Häppchen und Sekt versammelten grauen Köpfen der europäischen Nomenklatura einen 20-minütigen, freien und fehlerlosen Vortrag über Demokratie und Mehrheiten, verzwergt seine Zuhörer und deklassiert sie und landauf landab fliegen die geohrfeigten Köpfe der Brandmaurer. Da stellt sich dann ausgerechnet ein ausgebildeter Neo-Sozialist wie der Bundespräsident, der vor nicht einmal 12 Monaten den amtierenden Präsidenten der USA als „Hassprediger“ abgekanzelt hat, hin und verbittet sich eine Einmischung der Amerikaner in die lautere und tadellose Demokratie der Schwachkopf-Anzeiger, „So-Done“-Betreiber und Morgens-aus-dem-Bett-Klingler. Da sind sie alle ganz aufgeregt, die, die nicht müde wurden, zu beteuern, dass mit Donald Trump das absolut Böse ins Weiße Haus einziehen wird. Die den altersschwachen Joe Biden zu einem stolzen Führer der freien Welt mit dem absoluten Überblick verklärten, um gleich anschließend Kamala Harris zu einer Lichtgestalt zu verklären, die den Heiligenschein Jesu um Milliarden Lux überstrahlte. Diese Politiker und Medien beschweren sich nun wie mit der Hand in der Keksdose ertappte Kinder über eine Rede, die ihnen, den Führern des Wertewestens und des freiesten und buntesten und diversesten Europas, das es je seit der Belagerung Konstantinopels gab, die demokratischen Leviten liest. Witzig – während ich diese Zeilen schreibe, lese ich auf X, dass der Rechtsanwalt Markus Roscher zu 3.000,- € Geldstrafe verurteilt wurde, weil er in einem Tweet Habeck, Scholz und Baerbock für das Heizungsgesetz als „boshafte Versager“ bezeichnet hat. Sein Waffenschein steht nun wegen „Unzuverlässigkeit“ ebenfalls zur Diskussion. Außerdem muss er im „Wiederholungsfall“ – nämlich, dass er die Genannten „in ihrem öffentlichen Wirken erheblich beeinträchtigt“ – damit rechnen, dass ihm der Entzug seiner Anwaltslizenz droht. Außerdem wurde er gewarnt, dass er im Einspruchsverfahren mit einer noch höheren Geldstrafe rechnen müsste. Sieht so die Meinungsfreiheit „unserer Demokratie“ aus? Das exakt ist es, was Vance mit seiner Rede gemeint hat. Und was unsere Politisierenden und die geneigten Medien vehement und ganz wehrhaft mit wedelnden Armen abstreiten. „Keine Meinungsfreiheit? Stimmt ja gar nicht! Halt die Fresse!“ Ich mag die AfD nicht. Ich finde sie zu wenigstens 60% ganz schrecklich, weil da auch ganz schreckliche Leute mitmachen, deren Stammtische ich schon in Jugendtagen gemieden habe, obwohl es die da noch gar nicht gab. Das spielt in einer Demokratie aber keine Rolle, wen ich mag oder nicht mag. Ich persönlich finde Grüne und Linke noch viel schrecklicher, radikaler und ja – auch gewalttätiger. Erst recht, wenn sie 1933 als Rechtfertigung für Zerstörung und Körperverletzung als Alibi heranziehen. Aber ebenso, wie ich die Einen ertragen muss, muss ich auch die anderen ertragen. Und, als Demokrat, bestenfalls mit beiden reden, weil sie vielleicht ja doch einen Punkt haben. Außerdem ist es unfair und undemokratisch, eine 20%-Partei in ihrer parlamentarischen Arbeit zu behindern und ihnen ihrer Partei zustehende Posten zu verweigern oder Gesetze und Regeln so elegant hinzubiegen, dass sie keine Chance haben, für das Geld, das sie auch von ihren Wählern bekommen, Ihren Job zu machen. Unser Grundgesetz (dessen Hochhalten in Corona bereits bestraft wurde) sieht keine „guten“ und „schlechten“ Wählerstimmen vor. Es gibt schlicht keine Abstufung. Vance hat nichts anderes gesagt als seinerzeit Gorbatschow zu den Betonköpfen im Politbüro: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wer sich nicht um die Anliegen von mindestens 20% - eigentlich aber sogar mehr als 50% aller Wähler kümmert (ja, wir reden hier von illegaler Migration und Union und AfD gemeinsam), der darf sich dann auch nicht wundern, wenn die eigene, überhebliche Arroganz gegenüber dem Wahlvolk, das die ganze Butze finanziert, zur eigenen Abwahl führt. Es ist das tiefste Wesen einer Demokratie, dass es keinen Adel und keine Kaste gibt und das Volk seine Regierungen bei Nichtbeachtung abwählen und einer neuen Regierung eine neue Chance geben kann, darf, soll und – im Eigeninteresse – sogar muss. Nichts anderes hat Vance versucht, seinen europäischen Gesprächspartnern, die nun gemeinsam mit den ihnen gewogenen Medien aufgeregt flügelschlagend umeinanderkreisen, klarzumachen. Und als Antwort bekommt er – und wir – unter dem Strich die gleiche Antwort, die seinerzeit Honecker gab: „Unsere Demokratie in ihrem Lauf halten weder Trump noch Vance auf“. Flankiert von dem üblichen Gesülze von Trump als Sith-Lord mit Musk und Vance als böse Palatine. Die glauben das wirklich! Außerdem hat Vance mit Weidel und Merz gesprochen. GESPROCHEN! Sie haben richtig gelesen. Die Amerikaner haben glasklar erkannt, dass mit der EU und den Wichtigtuern der deutschen Regierungsparteien schlicht „kein Staat“ zu machen ist. „America first“ heißt auch „Europe second“ und die Rede von Vance und die Reaktionen darauf haben tatsächlich gezeigt, mit welchen eitlen und wichtigtuerischen Wichten wir es in „unserer Demokratie“ zu tun haben. Wird sich aber nun etwas ändern? Natürlich nicht. Die europäischen Kleinmächte mit ihren zappeligen Demokratieminderleistern werden sich einigeln und hoffen, dass die nächsten vier Jahre Trump und dann vielleicht vier Jahre Vance an ihnen wie ein Gewittersturm vorüberziehen werden. An uns als Wählern liegt es, ob dies so sein wird.

Haben Sie die Bilder gesehen? Robert Habeck hat eines verbreitet, Olaf Scholz ein anderes. Robert Habeck war nämlich in Auschwitz. Aber nur als Besucher. Olaf Scholz auch, auch als Tourist. Auf dem Bild Robert Habecks sieht man ihn aus der Rückenansicht, wie er zwischen einem Gebäude (dem Krematorium?) und zwei Stacheldrahtzäunen, ganz allein, fast einsam, entlangflaniert. Das ganze Bild, in einen orangen Filter getaucht, erinnert stark an die „Jever“-Werbung. Ein Mann. Seine Gedanken. Ein KZ. Veröffentlicht hat Robert Habeck das Bild auf X mit dem Untertext: „Heute, am 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, habe ich in Polen das Stammlager I und später das Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau besucht. Neben dem offiziellen Teil gab es auch ein paar Momente allein. Ich brauche dazu nichts zu sagen, denke ich.“ Ein paar Momente. Allein. Robert Habeck mit sich selbst. Und dem Kameramann. Und den Personenschützern. Möglicherweise auch mit seinem Social-Media-Team und seinem Wahlkampfteam. Aber allein. Hauptsache allein. Mit seinen Gedanken. Und die teilt er mit, indem er sie nicht mitteilt. So isser, unser Robert, gell? So ein eigentlich stiller, besinnlicher und, ja, auch tief philosophischer Typ. Ich kann mich nicht gegen meine Phantasie wehren. Ich sehe mich mit Robert Habeck und seinem Team da, in dieser Todesgasse stehen und das, was wie ein Schnappschuss – welch grässliches Wort in einem Konzentrationslager – aussieht, inszenieren: „Robert, wir machen das von hinten. Wie in der Werbung. Geh ein paar Schritte nach da. Nicht umdrehen, Robert, NICHT UMDREHEN, HERRGOTT, ja, so isses gut, Stimmt das Licht, Malte? Klasse. Nicht so weit weg, Robert, es muss zufällig aussehen und wir können das Stativ und das Licht nicht hinter Dir hertragen. Geh nochmal so… JA, PASST, IS IM KASTEN! Super Robert, das wird ein Kracher!“ Ein Hauch von Bierwerbung weht durch das Bild: Wie das KZ, so das Jever. Ich weiß nicht, ob er oder Olaf Scholz schneller war, unser Kanzler ließ sich von hinten insze… fotografieren, wie er vor einem der Öfen im Krematorium steht. Mittig. Im gedämpften Licht. Besinnlich und sich besinnend. Ob er da ein Gebet gesprochen hat? Man weiß es nicht, aber die Bildkomposition ist sehr schön, sehr symmetrisch. Da hat das Fotografierende gut mitgedacht. Diesen beiden Typen ist das vielleicht grausigste und grausamste Vernichtungslager der Welt nicht zu schade, um sich zu Wahlkampf- und Eigendarstellungszwecken optisch hübsch in Szene zu setzen, um einen auf „besinnlich“ zu machen. Das, was vor Ort passiert ist, wo Menschen verprügelt, verreckt und schlussendlich vergast wurden, wird heute von ganz aufrecht unserdemokratischen Politikern zur Gruselkulisse für nicht hässliche Bilder, zum „Auschwitzland“ für professionelles Trauern herabgewürdigt. Wahres und echtes Gedenken braucht keine Pressefotografen, sondern Ruhe und Geschichtsbewusstsein, was ich mit einem Pulk von Fotografen, Security und Begleitentourage für höchst schwierig halte. Beide Bilder haben einen bitteren Beigeschmack von „Halloho? Ich trauere und bin nachdenklich! Seht Ihr, wie ich trauere? Seht Ihr es? Kinners, hierher, ich trauere! Guck, da der Ofen, da der Stacheldraht, schrecklich. Soll ich nochmal im Halbprofil…?“ Es gibt vielleicht noch eine Handvoll Leute, die aus Auschwitz entkommen und bewusst erzählen können, wie es war und auch sie werden bald gestorben sein. Wer als 10-jähriger da hinkam und überlebte, ist spätestens 1935 geboren und heute 90 Jahre alt. In zehn bis zwanzig Jahren wird die Erinnerung an den Holocaust nur noch virtuell in Filmen und Literatur gegenwärtig sein, da es keine Zeitzeugen mehr gibt, die das Monströse dieses Ortes aus eigener Anschauung vermitteln können. Dann wird Auschwitz endgültig zur Gedenkkulisse von Politikern herabgewürdigt werden, wenn die Museumsleitung hier nicht eingreift. Eigentlich sollte auf dem gesamten Gelände ein Fotografier-Verbot herrschen. Auch und besonders für Politiker. Das ist kein Ort, um Besinnlichkeit zu heucheln und publikumswirksame Bilder zu schießen. Oder lustige Selfies für Instagram und Tiktok zu machen. Was kommt als Nächstes? „My friends went to Auschwitz and all I got was this lousy T-Shirt“? Das ist Auschwitz. Der Ort eines der größten Verbrechen der Menschheit. Ein Ort, an dem Täter zu viehischen Barbaren und Opfer zur vernichtbaren Objekten herabgewürdigt wurden. Ein Ort, gegen den die Hölle ein angenehmer Platz sein muss. Ein Ort, an dem es keine Moral und keine Menschlichkeit mehr gab. Und an diesem Ort standen zwei Politiker in guter Ausleuchtung und simulierten Anteilnahme. Dann reisten sie wieder ab und beschlossen, noch mehr Judenhasser ins Land zu lassen. Es widert mich nur noch an.


