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Herzrasen in der Polizeikontrolle
Thilo Schneider • 30. Mai 2023
Ein Drama in einem Akt
So. Endlich komme ich mal wieder zum Schreiben, ich hänge zur Halskrause mit Arbeit voll. Also "Danke", dass Sie mir die treue gehalten haben. Und los gehts mit einem dramatischen Schmierentheaterstück in einem Akt:
Kennen Sie Bahar Aslan? Nun, wenn Sie wenig oder gar nicht im Internet und bei Twitter unterwegs sind, dann wahrscheinlich nicht. Aber Sie verpassen etwas. Eine echte Soap-Oper, wie sie nur im Deutschland des Jahres 2023 passieren kann. The story so far:
Kennen Sie Bahar Aslan? Nun, wenn Sie wenig oder gar nicht im Internet und bei Twitter unterwegs sind, dann wahrscheinlich nicht. Aber Sie verpassen etwas. Eine echte Soap-Oper, wie sie nur im Deutschland des Jahres 2023 passieren kann. The story so far:
Bahar Aslan hat Migrationshintergrund oder Vordergrund oder Hauptgrund. Eigentlich ist sie Hauptschullehrerin, hat aber, keiner weiß wie, einen Job als Dozentin an der Polizeihochschule in Köln zum Thema „Rassismus bei der Polizei“. Gehabt. Dort erklärte sie angehenden Polizisten, wie sie sich unrassistisch verhalten. Sie hat darüber auch ein Buch geschrieben, vielleicht war es das. Nun begab es sich, dass Bahar Aslan wohl, wie jeder von uns, gelegentlich in eine Polizeikontrolle kommt. Menschen ohne Migrationshintergrund haben auch ein mulmiges Gefühl, wenn die Kelle zur Seite winkt, weil sie IMMER irgendwas finden, wenn sie wollen, bei Bahar Aslan löst das aber Herzrasen aus. Wörtlich schrieb sie auf Twitter:
„Ich bekomme mittlerweile Herzrasen, wenn ich oder meine Freund*innen in eine Polizeikontrolle geraten, weil der ganze braune Dreck innerhalb der Sicherheitsbehörden uns Angst macht. Das ist nicht nur meine Realität, sondern die von vielen Menschen in diesem Land. #Polizeiproblem.“
Ordentlich gegendert legte Bahar Aslan hier schonungslos die Hand in die Wunde. Es gibt also ein Polizeiproblem mit dem „braunen Dreck innerhalb der Sicherheitsbehörden“.
Exkurs: Stellen Sie sich vor, Sie sind Dozentin zum Themenkreis Transphobie bei den Grünen und sagen folgenden Satz: „Ich bekomme Herzrasen, wenn ich oder meine Freund*innen in ein Treffen von Transmenschen geraten, weil der ganze pädophile Dreck innerhalb der Community uns Angst macht. Das ist nicht nur meine Realität, sondern die von vielen Eltern in diesem Land. #Transproblem“
Was schätzen Sie? Wie lange wären Sie noch Dozentin bei den Grünen? Ich vermute, Sie dürften nicht einmal Ihren Kaffee austrinken! Es kommt noch besser: Zuerst einmal sah sich Frau Aslan einem veritablen Shitstorm ausgesetzt. Selbstverständlich von Rechten und Rechtsextremen. Natürlich. Süffisant kommentierte sie diesen:
„Wow. Totale Eskalation und das nur weil ich als „migrantische Frau“ meine Perspektive auf die Sicherheitsbehörden geteilt habe. Es tut mir sehr leid, dass die ganzen Meldungen u.a. über die rechtsextremen Chats mich zutiefst verunsichern und beängstigen.“
So. Die Frau aus Migrantinien ist schwer durch rechtsextreme Chats verunsichert. Vorhin war es noch die Polizeikontrolle. Ein User, allerdings beleidigend, droht mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde. Frau Bahar erklärt nun armwedelnd und sehr ausführlich, wie sie das ja eigentlich gemeint hat, es finden sich Perlen wie „Mein Anspruch als Lehrbeauftragte ist es nicht nur dieser Verantwortung gerecht zu werden, sondern auch „rassismuskritisches Wissen“ in die Institution hineinzutragen, damit angehende Mitarbeiter*innen der Verwaltung und Polizeianwärter*innen eine „diversitätssensible Professionskompetenz“ erwerben und später im Beruf anwenden können.“
Was sie damit meint, ist, dass am Bahnhof nicht nur die „Westasiaten“ und „südländisch aussehenden“ Reisenden auf Drogen und Messer kontrolliert werden sollen, sondern auch Oma Kalupke aus Rübsam am Deich. Sonst isses ungerecht.
Am nächsten Tag wird sie etwas spöttisch, die Dozentin gegen Rassismus in der Polizei, es geht um die Dienstaufsichtsbeschwerde:
„Ja, ich bin Lehrbeauftragte an der HSPV NRW. Gerne darfst du dich auf dem „kleinen Dienstweg“ über mich beschweren. Bin mal gespannt was du als Antwort bekommen wirst, wenn du dich darüber beschwerst, dass ich keine Rassisten im Staatsdienst dulde. Berichte ruhig! Viel Spaß!“
Es kommt Bahar Aslan überhaupt nicht in den Sinn, dass sie sich ganz tief reingeritten haben könnte, von Selbstreflektion keine Spur. Sie, Bahar Aslan, duldet keine Rassisten (diesmal nicht gegendert) im Staatsdienst. So. Mach ruhig, Anzeiger. Da lacht sie doch silberhell die Bahar Aslan. Sie fühlt sich sehr sehr sicher. Migrantin mit Missionsanspruch. Was soll schon schiefgehen?
Etwas später ist sie verärgert:
„Wie denunziert man richtig? Ganz einfach: Man verdreht Aussagen und interpretiert sie bewusst falsch, um die gewünschte Reaktion bei den Behörden zu erzielen. Schon klar, dass eine „Migrantin“, die im Staatsdienst ist und auch noch laut ist, euch nicht gefällt.“
Jetzt steht die Migrantin in Anführungszeichen. Charmant dabei ist, dass Bahar Aslan nicht ganz eine Woche vorher irgendwelche Pfosten angezeigt hat, die auf einem Campingplatz im sächsischen Nirgendwo mit Bier, Grill und Hakenkreuzfahne den Vatertag weggetrunken haben. Da waren die Welt und Denunziation noch vollkommen in Ordnung.
Mittlerweile ist es Sonntag Abend. Der FOCUS titelt „Polizeihochschuldozentin beschimpft Polizisten als „braunen Dreck“.“
Gut, das kann man so titeln, muss man aber nicht so titeln, aber vom Kern her stimmt die Aussage. Es melden sich die Gewerkschaft der Polizei und die CDU zu Wort. Währenddessen retweetet Bahar Aslan im Minutentakt Solidaritätsadressen vom ebenfalls Polizeikontrollenherzkranken.
Bahar Aslan fordert das aber auch aktiv ein. Sie twittert: „Dieser Artikel ist heute über mich erschienen. Über Eure Solidarität würde ich mir sehr freuen. Herzchen. Dankeschön.“
Es sieht ein wenig so aus, als würde ihr der Hintern auf Grundeis gehen. Es melden sich Unbekannte, kleine und große Polit- und Journalisten-Promis und alle versichern „volle Soli“. Weil sie ja „den Finger in die Wunde gelegt hat!“
Mittlerweile meldet sich ausgerechnet die GdP: „Eine Lehrbeauftragte an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung meldet sich auf Twitter mit erstaunlichen Aussagen. GdP-Landeschef Michael Merten fordert eine arbeits- und strafrechtliche Prüfung. #Gdp #nrw #Polizei #Rassismus #Köln“
Das wiederum lässt Frai Aslan nicht auf sich sitzen, sie wollte schließlich nur warnen und nicht verallgemeinern! Sie klagt: „Hey GdP netter Versuch! Mit der Bezeichnung „brauner Dreck“ sind weder alle Polizist*innen (jetzt wird wieder gegendert) oder die Sicherheitsbehörden gemeint, sondern ausschließlich die Gesinnung der Beamt*innen die menschenverachtend und rassistisch unterwegs sind. Ich stehe zu meiner Meinung und auf dem Boden des Grundgesetzes. Wo stehen Sie @gdp_nrw?“
Dann wird es noch unverschämter: „Ich lese mit großer Verwunderung den Shitstorm, welches seit gestern über mich im Gange ist. Auch über das Agieren der @gdp-nrw bin ich sehr erstaunt. Dachte, dass es Konsens ist, dass wie klare Kante gegen Rechts zeigen. Habe mich offensichtlich geirrt.“
So isse, die GdP NRW, dieser rassistische Haufen von Rassisten. Jeder ist Rassist, der nicht Bahar Aslan zustimmt. Sie meinte ja nur die paar rassistischen Dreckmuckel bei der Polizei. Hashtagte aber „Polizeiproblem“ und bat um Soli-Adressen. Und hat nebenbei die GdP-nrw als Heinrich-Himmler-Gedenkverein enttarnt.
Danach spielt Bahar Aslan eine Opferkarte nach der anderen, ´s wäre ja nur, weil sie Migrantin ist und ihren Mund aufmacht und soundso. Sie führt sich auf wie Jung-Siegfried vor dem Drachen, sie „steht zu ihrer Meinung“, die sie so ja nicht gemeint haben will oder soll und es wäre alles verdreht. Dann retweetet sie wieder Solidaritätsadressen aus aller Welt, meist von Leuten mit Regenbogenflagge im Namen. Volle Soli! Der Tenor ist immer gleich: Bahar Aslan soll geschasst werden, weil sie den „braunen Dreck innerhalb der Polizei“ kritisiert hat und ihr nun böswillig das Wort im Munde herumgedreht wird.
Am 22. Mai kündigt Frau Aslan um 9.18 an, dass sie sich jetzt erst einmal von Twitter zurückzieht, nachdem ihr selbst wohl etwas mulmig wird, dass sie sich um ihren Arbeitsplatz getwittert hat. Ab 13.00 Uhr ist sie aber wieder da, neu, jetzt mit „Hassnachrichten“, aber wir alle wissen ja, wie das so mit guten Vorsätzen ist. Jetzt droht sie mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde: „Ich bekomme im Minutentakt Hassnachrichten. Herr Mertens von der @gdp_nrw hat durch seine Aussagen bei @focusonline mich bewusst in diese Gefährdungslage gebracht. Man bedenke, dass dieser Mann Polizist ist. Allein das rechtfertigt eine Dienstaufsichtsbeschwerde bei @IM_NRW.“
Ja. Herr Mertens ist schuld. An Allem. Nur sie selbst, sie trifft kein Verschulden. So nicht! Nicht mit Bahar! Mittlerweile hängt sich auch die Amadeu-Antonio-Stiftung mit „voller Soli“ rein, aber es nutzt nichts: Bahar Aslan fliegt achtkantig als Dozentin raus. Sie erfährt es aus der Presse:
"Das ist aber interessant, dass ich über Journalist*innen erfahren habe, dass man mich meines Lehrauftrages an der HSPV NRW entbunden hat. Auf mein Angebot, welches ich heute morgen an @IM_NRW (wir erinnern uns, sie verlinkte das Innenministerium, um Merten anzuschwärzen) und der Hochschule angeboten habe, gab es keine Rückmeldung. Ich lass das mal so stehen!“
Lässt sie aber nicht. „Gesprächsangebot“ ist „Gesprächsangebot“. Na gut. Dann eben schweres Geschütz! Denn jetzt kommt das GANZ GROSSE Kaliber, sie ruft den Halbgott des „Monitor“ an: „@georgrestle: Wollen Sie übernehmen?“
Will er, aber nicht gleich. Während Bahar Aslan herzrasend auf Antwort wartet, retweetet sie eine Soli-Adresse aus ihren Kreisen nach der anderen. Einige dieser Accounts sind klar linksextrem, was nicht verwundert, denn bereits am 29. Januar 2021 schrieb Bahar Aslan: „Ja, ich sympathisiere mit Linksextremisten! Und wissen Sie was? Ich werde morgen @derrechterand abonnieren und finanziell unterstützen, also quasi Ihre Steuern in die #Antifa investieren. Sie dürfen sich gerne bei meinem Dienstherren über mich beschweren.“
Inklusive spöttischem Link zur Homepage ihrer Dienststelle.
Es wird langsam Abend und langsam dämmert es Frau Aslan, dass sie wohl „die Wortwahl unglücklich gewählt hat“ und ihr Rauswurf ernst gemeint ist. Die Arroganz ist verflogen, es wird kuschlig: „Die Ausdrucksweise mag man kritisieren. Vielleicht war es eine unglückliche Wortwahl. Es tut mir leid, wenn sich Polizisten angesprochen fühlen, die vorbildlich ihren Dienst tun. Es ging mir um jene Beamtinnen und Beamte, die sich an rechtsextremen Chats beteiligen, die mit ihrer rassistischen Geisteshaltung ganze Dienststellen vergiften. Sie haben das Vertrauen in diese Institution gerade in der migrantischen Community tief erschüttert.“
Nanu? Wo ist sie geblieben, die „klare Kante“? Es folgen noch jede Menge „Volle Soli“-Retweets und eine sichtlich angefressene Ex-Dozentin schreibt: „Habt ihr das gesehen @IM_NRW? Seid ihr stolz darauf, dass aufgrund eines rechten Mobs und der Berichterstattung eines tendenziösen Schmierblattes, nun meine Entlassung erfolgt ist? Wie ernst ist euer Kampf gegen rechte Strukturen, wenn ich so leicht abgesetzt werden kann?“
Da isse wieder, die Opferrolle rückwärts. Nur, weil man seinen Arbeitgeber beleidigt, kann man doch nicht so einfach abgesetzt werden. Der RECHTE MOB war´s. Das TENDENZIÖSE SCHMIERBLATT war´s. Die Ex-Dozentin kann nichts dafür. Sie wollte ja nur auf „braunen Dreck“ „innerhalb der Sicherheitsbehörden“ hinweisen, der ihr und ihren Freund*innen bei Polizeikontrollen Herzrasen verursacht! So war´s, wallah, isch schwör!
Mittlerweile haben sich die ZEIT, die TAZ und die SÜDDEUTSCHE eingeklinkt und beklagen laut und tränenreich die ungerechte Behandlung der Rassismus-Spezialistin. Bahar Aslan sammelt auf ihrer Wall Soli-Adressen wie ein Heuschnupfenkranker Pollen. Und endlich. Endlich meldet er sich. Das Schwert von Wokistan. Der Schildhalter des Regenbogens. Georg Restle PERSÖNLICH gibt seinen Senf dazu ab: „Kein Mensch ist Dreck. Dass die Polizei ein erhebliches Problem mit rechtsextremen Zirkeln in ihren Reihen hat, gehört allerdings zu den bitteren Wahrheiten in diesem Land. Darauf hinzuweisen ist ein Verdienst, kein Kündigungsgrund. @Bahar Aslan“
Okay, das ist jetzt doch eher mau und mehr so: „*seufz* - wenn´s denn sein muss.“ Aber immerhin!
Dafür gibt es jetzt auch Lob der Verfemten: „Wow!! Leute, ihr seid der Wahnsinn! Vielen Dank für die ganzen Nachrichten & den Support! Ganz besonders freue ich mich über die diversen Jobangebote, u.a. auch von Universitäten und Fachhochschulen. Das ist der Wahnsinn!!! Ich werde die Angebote auswerten! DANKE!!“
Ein User klebte ihr daraufhin spöttisch ein „Das ist toll. Dann können Sie über strukturelle Benachteiligung und rechten Dreck an Universitäten und Hochschulen berichten! Cleveres Geschäftsmodell! Außerdem sind Sie doch auch Hauptschullehrerin? Wie isses da?“
unter ihren Begeisterungsausbruch – und wurde umgehend geblockt von ihr. Der Demokratin.
Bahar Aslan beschäftigt sich mit Soli-Adressen, kartet aber noch einmal nach: „Die HSPV NRW hat bis zum heutigen Zeitpunkt nicht das Gespräch mit mir gesucht, trotz Gesprächsangebot, verbreitet aber das Narrativ, dass ich nicht geeignet wäre demokratische Werte zu vermitteln. Damit gibt sie dem verleumderischen Artikel von @focusonline recht. Ich lese keine Distanzierung, keine kritische Kommentierung des Geschehens, was ja eigentlich die Aufgabe einer wissenschaftlichen Einrichtung wäre. Diese Schmutzkampagne, die öffentlich gegen mich gefahren wurde, werde ich nicht so stehen lassen!“
So. Nicht mit der Bahar! Das wird sie so nicht stehen lassen. Jawohl. Frau Aslan sammelt noch einen bunten Strauß mit Solidaritätsadressen und postet gefühlt 120 mal die gleichen Zeitungsartikel. Sie nimmt sich sehr wichtig.
Was wir tatsächlich sehen, ist eine junge Frau, die arrogant und überheblich den Mund zu voll genommen hat, weil sie sich aufgrund ihrer Herkunft für unantastbar und unangreifbar hielt. Die Kritiker massiv abbügelte und keinerlei Selbstreflektion zeigte. Bis sie ihren Job verlor. Ja, sie hat die falschen Worte gewählt, aber auch ja, sie verhält sich undemokratisch, sympathisiert mit Linksextremisten und ist tatsächlich nicht in der Lage, ihren Beruf neutral auszuführen. Will sie aber auch nicht. Vermeintlicher oder echter Rassismus ist ihr Geschäftsmodell. Es geht um nichts anderes. Und es ist auch nicht das erste Mal, dass sich Bahar Aslan gegenüber ihrem Dienstherrn so äußert.
Kein anderer Arbeitgeber hätte sich das derart lange angesehen und auch noch dafür bezahlt, von seinem Arbeitnehmer beleidigt zu werden. Es wundert vielmehr, dass der Rausschmiss nicht früher erfolgte. Aber Bahar Aslan hat ja auch schon hochlukrative Jobangebote. Zumindest, bis sie dort das erste Mal kritisiert wird und dann wieder öffentlich vom Leder zieht.
Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn es wieder heißt: „Alles Rassisten außer Mutti!“

Ist das nicht süß? Wirklich zuckersüß, wie sie jetzt alle springen, tanzen und singen? Da kommt so ein Ami aus Amirika zur Münchner Sicherheitskonferenz und hält den bei Häppchen und Sekt versammelten grauen Köpfen der europäischen Nomenklatura einen 20-minütigen, freien und fehlerlosen Vortrag über Demokratie und Mehrheiten, verzwergt seine Zuhörer und deklassiert sie und landauf landab fliegen die geohrfeigten Köpfe der Brandmaurer. Da stellt sich dann ausgerechnet ein ausgebildeter Neo-Sozialist wie der Bundespräsident, der vor nicht einmal 12 Monaten den amtierenden Präsidenten der USA als „Hassprediger“ abgekanzelt hat, hin und verbittet sich eine Einmischung der Amerikaner in die lautere und tadellose Demokratie der Schwachkopf-Anzeiger, „So-Done“-Betreiber und Morgens-aus-dem-Bett-Klingler. Da sind sie alle ganz aufgeregt, die, die nicht müde wurden, zu beteuern, dass mit Donald Trump das absolut Böse ins Weiße Haus einziehen wird. Die den altersschwachen Joe Biden zu einem stolzen Führer der freien Welt mit dem absoluten Überblick verklärten, um gleich anschließend Kamala Harris zu einer Lichtgestalt zu verklären, die den Heiligenschein Jesu um Milliarden Lux überstrahlte. Diese Politiker und Medien beschweren sich nun wie mit der Hand in der Keksdose ertappte Kinder über eine Rede, die ihnen, den Führern des Wertewestens und des freiesten und buntesten und diversesten Europas, das es je seit der Belagerung Konstantinopels gab, die demokratischen Leviten liest. Witzig – während ich diese Zeilen schreibe, lese ich auf X, dass der Rechtsanwalt Markus Roscher zu 3.000,- € Geldstrafe verurteilt wurde, weil er in einem Tweet Habeck, Scholz und Baerbock für das Heizungsgesetz als „boshafte Versager“ bezeichnet hat. Sein Waffenschein steht nun wegen „Unzuverlässigkeit“ ebenfalls zur Diskussion. Außerdem muss er im „Wiederholungsfall“ – nämlich, dass er die Genannten „in ihrem öffentlichen Wirken erheblich beeinträchtigt“ – damit rechnen, dass ihm der Entzug seiner Anwaltslizenz droht. Außerdem wurde er gewarnt, dass er im Einspruchsverfahren mit einer noch höheren Geldstrafe rechnen müsste. Sieht so die Meinungsfreiheit „unserer Demokratie“ aus? Das exakt ist es, was Vance mit seiner Rede gemeint hat. Und was unsere Politisierenden und die geneigten Medien vehement und ganz wehrhaft mit wedelnden Armen abstreiten. „Keine Meinungsfreiheit? Stimmt ja gar nicht! Halt die Fresse!“ Ich mag die AfD nicht. Ich finde sie zu wenigstens 60% ganz schrecklich, weil da auch ganz schreckliche Leute mitmachen, deren Stammtische ich schon in Jugendtagen gemieden habe, obwohl es die da noch gar nicht gab. Das spielt in einer Demokratie aber keine Rolle, wen ich mag oder nicht mag. Ich persönlich finde Grüne und Linke noch viel schrecklicher, radikaler und ja – auch gewalttätiger. Erst recht, wenn sie 1933 als Rechtfertigung für Zerstörung und Körperverletzung als Alibi heranziehen. Aber ebenso, wie ich die Einen ertragen muss, muss ich auch die anderen ertragen. Und, als Demokrat, bestenfalls mit beiden reden, weil sie vielleicht ja doch einen Punkt haben. Außerdem ist es unfair und undemokratisch, eine 20%-Partei in ihrer parlamentarischen Arbeit zu behindern und ihnen ihrer Partei zustehende Posten zu verweigern oder Gesetze und Regeln so elegant hinzubiegen, dass sie keine Chance haben, für das Geld, das sie auch von ihren Wählern bekommen, Ihren Job zu machen. Unser Grundgesetz (dessen Hochhalten in Corona bereits bestraft wurde) sieht keine „guten“ und „schlechten“ Wählerstimmen vor. Es gibt schlicht keine Abstufung. Vance hat nichts anderes gesagt als seinerzeit Gorbatschow zu den Betonköpfen im Politbüro: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wer sich nicht um die Anliegen von mindestens 20% - eigentlich aber sogar mehr als 50% aller Wähler kümmert (ja, wir reden hier von illegaler Migration und Union und AfD gemeinsam), der darf sich dann auch nicht wundern, wenn die eigene, überhebliche Arroganz gegenüber dem Wahlvolk, das die ganze Butze finanziert, zur eigenen Abwahl führt. Es ist das tiefste Wesen einer Demokratie, dass es keinen Adel und keine Kaste gibt und das Volk seine Regierungen bei Nichtbeachtung abwählen und einer neuen Regierung eine neue Chance geben kann, darf, soll und – im Eigeninteresse – sogar muss. Nichts anderes hat Vance versucht, seinen europäischen Gesprächspartnern, die nun gemeinsam mit den ihnen gewogenen Medien aufgeregt flügelschlagend umeinanderkreisen, klarzumachen. Und als Antwort bekommt er – und wir – unter dem Strich die gleiche Antwort, die seinerzeit Honecker gab: „Unsere Demokratie in ihrem Lauf halten weder Trump noch Vance auf“. Flankiert von dem üblichen Gesülze von Trump als Sith-Lord mit Musk und Vance als böse Palatine. Die glauben das wirklich! Außerdem hat Vance mit Weidel und Merz gesprochen. GESPROCHEN! Sie haben richtig gelesen. Die Amerikaner haben glasklar erkannt, dass mit der EU und den Wichtigtuern der deutschen Regierungsparteien schlicht „kein Staat“ zu machen ist. „America first“ heißt auch „Europe second“ und die Rede von Vance und die Reaktionen darauf haben tatsächlich gezeigt, mit welchen eitlen und wichtigtuerischen Wichten wir es in „unserer Demokratie“ zu tun haben. Wird sich aber nun etwas ändern? Natürlich nicht. Die europäischen Kleinmächte mit ihren zappeligen Demokratieminderleistern werden sich einigeln und hoffen, dass die nächsten vier Jahre Trump und dann vielleicht vier Jahre Vance an ihnen wie ein Gewittersturm vorüberziehen werden. An uns als Wählern liegt es, ob dies so sein wird.

Haben Sie die Bilder gesehen? Robert Habeck hat eines verbreitet, Olaf Scholz ein anderes. Robert Habeck war nämlich in Auschwitz. Aber nur als Besucher. Olaf Scholz auch, auch als Tourist. Auf dem Bild Robert Habecks sieht man ihn aus der Rückenansicht, wie er zwischen einem Gebäude (dem Krematorium?) und zwei Stacheldrahtzäunen, ganz allein, fast einsam, entlangflaniert. Das ganze Bild, in einen orangen Filter getaucht, erinnert stark an die „Jever“-Werbung. Ein Mann. Seine Gedanken. Ein KZ. Veröffentlicht hat Robert Habeck das Bild auf X mit dem Untertext: „Heute, am 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, habe ich in Polen das Stammlager I und später das Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau besucht. Neben dem offiziellen Teil gab es auch ein paar Momente allein. Ich brauche dazu nichts zu sagen, denke ich.“ Ein paar Momente. Allein. Robert Habeck mit sich selbst. Und dem Kameramann. Und den Personenschützern. Möglicherweise auch mit seinem Social-Media-Team und seinem Wahlkampfteam. Aber allein. Hauptsache allein. Mit seinen Gedanken. Und die teilt er mit, indem er sie nicht mitteilt. So isser, unser Robert, gell? So ein eigentlich stiller, besinnlicher und, ja, auch tief philosophischer Typ. Ich kann mich nicht gegen meine Phantasie wehren. Ich sehe mich mit Robert Habeck und seinem Team da, in dieser Todesgasse stehen und das, was wie ein Schnappschuss – welch grässliches Wort in einem Konzentrationslager – aussieht, inszenieren: „Robert, wir machen das von hinten. Wie in der Werbung. Geh ein paar Schritte nach da. Nicht umdrehen, Robert, NICHT UMDREHEN, HERRGOTT, ja, so isses gut, Stimmt das Licht, Malte? Klasse. Nicht so weit weg, Robert, es muss zufällig aussehen und wir können das Stativ und das Licht nicht hinter Dir hertragen. Geh nochmal so… JA, PASST, IS IM KASTEN! Super Robert, das wird ein Kracher!“ Ein Hauch von Bierwerbung weht durch das Bild: Wie das KZ, so das Jever. Ich weiß nicht, ob er oder Olaf Scholz schneller war, unser Kanzler ließ sich von hinten insze… fotografieren, wie er vor einem der Öfen im Krematorium steht. Mittig. Im gedämpften Licht. Besinnlich und sich besinnend. Ob er da ein Gebet gesprochen hat? Man weiß es nicht, aber die Bildkomposition ist sehr schön, sehr symmetrisch. Da hat das Fotografierende gut mitgedacht. Diesen beiden Typen ist das vielleicht grausigste und grausamste Vernichtungslager der Welt nicht zu schade, um sich zu Wahlkampf- und Eigendarstellungszwecken optisch hübsch in Szene zu setzen, um einen auf „besinnlich“ zu machen. Das, was vor Ort passiert ist, wo Menschen verprügelt, verreckt und schlussendlich vergast wurden, wird heute von ganz aufrecht unserdemokratischen Politikern zur Gruselkulisse für nicht hässliche Bilder, zum „Auschwitzland“ für professionelles Trauern herabgewürdigt. Wahres und echtes Gedenken braucht keine Pressefotografen, sondern Ruhe und Geschichtsbewusstsein, was ich mit einem Pulk von Fotografen, Security und Begleitentourage für höchst schwierig halte. Beide Bilder haben einen bitteren Beigeschmack von „Halloho? Ich trauere und bin nachdenklich! Seht Ihr, wie ich trauere? Seht Ihr es? Kinners, hierher, ich trauere! Guck, da der Ofen, da der Stacheldraht, schrecklich. Soll ich nochmal im Halbprofil…?“ Es gibt vielleicht noch eine Handvoll Leute, die aus Auschwitz entkommen und bewusst erzählen können, wie es war und auch sie werden bald gestorben sein. Wer als 10-jähriger da hinkam und überlebte, ist spätestens 1935 geboren und heute 90 Jahre alt. In zehn bis zwanzig Jahren wird die Erinnerung an den Holocaust nur noch virtuell in Filmen und Literatur gegenwärtig sein, da es keine Zeitzeugen mehr gibt, die das Monströse dieses Ortes aus eigener Anschauung vermitteln können. Dann wird Auschwitz endgültig zur Gedenkkulisse von Politikern herabgewürdigt werden, wenn die Museumsleitung hier nicht eingreift. Eigentlich sollte auf dem gesamten Gelände ein Fotografier-Verbot herrschen. Auch und besonders für Politiker. Das ist kein Ort, um Besinnlichkeit zu heucheln und publikumswirksame Bilder zu schießen. Oder lustige Selfies für Instagram und Tiktok zu machen. Was kommt als Nächstes? „My friends went to Auschwitz and all I got was this lousy T-Shirt“? Das ist Auschwitz. Der Ort eines der größten Verbrechen der Menschheit. Ein Ort, an dem Täter zu viehischen Barbaren und Opfer zur vernichtbaren Objekten herabgewürdigt wurden. Ein Ort, gegen den die Hölle ein angenehmer Platz sein muss. Ein Ort, an dem es keine Moral und keine Menschlichkeit mehr gab. Und an diesem Ort standen zwei Politiker in guter Ausleuchtung und simulierten Anteilnahme. Dann reisten sie wieder ab und beschlossen, noch mehr Judenhasser ins Land zu lassen. Es widert mich nur noch an.


