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"Der Untergang" reloaded
Thilo Schneider • 28. Juli 2021
...Reenactment in Ahrweiler

„Kommt nicht auf eigene Faust in die Krisengebiete“ heißt es mittlerweile von einigen offiziellen Stellen. „Spendet lieber Geld“, heißt es zusätzlich. Gemischt wird das Ganze in den asozialen Netzwerken mit Häme und Spott (und einer Prise Hass) von Angehörigen der offiziellen Helfer wie DRK oder Feuerwehr. „Da glauben ein paar Bauern, sie könnten schneller und effektiver helfen als wir. Die haben keine Ahnung von Katastrophenschutz!“
Ja – und all dies wäre Sache eines Krisenstabes gewesen und ist es noch, dies und die Schaffung einer Infrastruktur für die Helfer, wie Schlafplätze, Toiletten, Trinkwasser und Verpflegung. Und ebenfalls muss den Krisenstäben zugestanden werden, dass dies nicht mit einem Fingerschnippen passieren kann, sondern erst nach Sondierung der Lage und Analyse von Hilfs- und Risikopotentialen geschieht. Das ist nicht in 24 Stunden zu stemmen, erst recht nicht, wenn die offizielle Seite sich möglicherweise zuerst einmal Profis wie Militärs, Statiker, Kraftwerker und Logistiker zusammensuchen und nebenbei noch betroffen glotzende Politiker betreuen muss.
Trotzdem und deswegen war es richtig und wichtig, dass vielen betroffenen Bürgern schnell und unbürokratisch durch „wilde Freiwillige“ geholfen wurde. Ich wäre mit vollgematschtem Keller auch froh um jede helfende Hand, die sich eine Schaufel schnappt und einfach loslegt und die Wege für Rettungskräfte freimacht, die auf den Weg sind. Auch, wenn die erste Maßnahme der Rettungskräfte die Übersendung eines Impfbusses ist. Ja, da käme ich mir mitten in den Trümmern meines Lebenswerkes auch verarscht vor (ich bitte um Entschuldigung – aber ein anderes Wort gibt es hier nicht!).
Mittlerweile benutzt so ziemlich jeder den „Ground Zero“ der Flut, um auf den Trümmern sein eigenes politisches Süppchen zu kochen. Ganz spannend ist die „maskenbefreite Zone“, die sich der Querdenkerszene nahestehende Helfer ausgedacht haben. Ein „Oberst a.D.“ der Bundeswehr hat sich selbst in der eigens eingerichteten „Führer Kommandozentrale und Stabsgruppe“ in der Grundschule von Bad Neuenahr – Ahrweiler wieder in Dienst gestellt und gibt „Befehle“ an die freiwilligen Helfer heraus („wo verfügbar und zulässig sind Uniform/Feldanzug zu tragen“), stellt „Passierscheine“ aus und lässt ein einem Polizeiauto täuschend echt nachgeahmtes Fahrzeug mit der Aufschrift „Peace“ statt „Polizei“ durch die Gegend fahren und dabei seltsame Parolen plärren. Außerdem teilt der Führer a.D. ein Handgeld aus, „freundlicherweise vorab von einer Galionsfigur der ziemlich quer denkenden Szene zur Verfügung gestellt.“ Fehlt nur noch, dass der Herr Oberst anfängt, eigenes „Notgeld“ zu drucken.
Zumal die Polizei sowieso derzeit alle Hände voll damit zu tun hat, Kleinbusse mit – nennen wir sie freundlich – „kommerziellen Helfern“ abzuwehren, die gerne Läden und Wohnungen von allem „aufräumen“ möchten, was ein anderer irgendwo vielleicht brauchen und sogar bezahlen würde. Wie die sprichwörtlichen Schmeißfliegen versuchen diese Leichenfledderer, aus der Katastrophe finanziellen Profit zu schlagen. Ein Zusammentreffen zwischen der „Räum- und Kampfgruppe Ahrweiler“ und den ungebetenen „Fluterntehelfern“ dürfte spannend werden…
Natürlich sehen es die offiziellen Stellen nicht gerne, wenn sich politische Randgruppen als „Kümmerer“ betätigen, konterkarieren sie doch die offiziellen Bemühungen um Ordnung im Chaos. Nur, wenn dem so ist – dann müssen diese offiziellen Stellen eben beweisen, dass sie es besser können und zuerst Traktoren und Trinkwasser schicken, bevor sie einen Impfbus auf die Flutopfer loslassen. Ich kann mich mittlerweile nicht mehr des Eindrucks erwehren, dass freiwilliges tatkräftiges Engagement von Hunderten von Privatleuten vor Ort deswegen nicht gerne gesehen wird, weil es quasi im Vorbeigehen die Prioritäten und Diskussionen im Land verschiebt. Während nämlich die „toxischen Cis-Menschen“ am Schlammschaufeln waren, war man sich beispielsweise in Frankfurt/Main nicht zu schade, einen sehr lustigen und sehr bunten und sehr pietätlosen CSD zu feiern, um „auf die Probleme von LGBTQ-Menschen aufmerksam zu machen“. Da haben wir auf einem Planeten zwei Welten. Die Einen verlieren Angehörige und Hab und Gut, die anderen werden „als Transmenschen beim Daten diskriminiert“. Da verwundert es nicht, dass sich ein selbst wieder in Dienst und Marsch gesetzter Oberst zu Höherem berufen fühlt und unter lautem Getöse „Machtergreifung“ spielt.
Mich verblüfft und enttäuscht das, ehrlich gesagt, wenngleich ich es in Teilen verstehe. Die Zeit übermotivierter Hilfsfahrten sollten nach knapp einer Woche vorbei sein und die Rädchen sollten ineinandergreifen (Konjunktiv bemerkt?), andererseits bin ich sicher, dass die „erste Hilfe“ der Landwirte mit ihren schweren Geräten gut und wichtig war. Natürlich haben die in der größten Not nicht den weggebaggerten Müll fein säuberlich in Holz, Sperrmüll und Weißwaren getrennt. Es ging darum, Platz zu machen und Keller auszupumpen und vielleicht den ein- oder anderen noch zu retten.
Ja – und all dies wäre Sache eines Krisenstabes gewesen und ist es noch, dies und die Schaffung einer Infrastruktur für die Helfer, wie Schlafplätze, Toiletten, Trinkwasser und Verpflegung. Und ebenfalls muss den Krisenstäben zugestanden werden, dass dies nicht mit einem Fingerschnippen passieren kann, sondern erst nach Sondierung der Lage und Analyse von Hilfs- und Risikopotentialen geschieht. Das ist nicht in 24 Stunden zu stemmen, erst recht nicht, wenn die offizielle Seite sich möglicherweise zuerst einmal Profis wie Militärs, Statiker, Kraftwerker und Logistiker zusammensuchen und nebenbei noch betroffen glotzende Politiker betreuen muss.
Trotzdem und deswegen war es richtig und wichtig, dass vielen betroffenen Bürgern schnell und unbürokratisch durch „wilde Freiwillige“ geholfen wurde. Ich wäre mit vollgematschtem Keller auch froh um jede helfende Hand, die sich eine Schaufel schnappt und einfach loslegt und die Wege für Rettungskräfte freimacht, die auf den Weg sind. Auch, wenn die erste Maßnahme der Rettungskräfte die Übersendung eines Impfbusses ist. Ja, da käme ich mir mitten in den Trümmern meines Lebenswerkes auch verarscht vor (ich bitte um Entschuldigung – aber ein anderes Wort gibt es hier nicht!).
Mittlerweile benutzt so ziemlich jeder den „Ground Zero“ der Flut, um auf den Trümmern sein eigenes politisches Süppchen zu kochen. Ganz spannend ist die „maskenbefreite Zone“, die sich der Querdenkerszene nahestehende Helfer ausgedacht haben. Ein „Oberst a.D.“ der Bundeswehr hat sich selbst in der eigens eingerichteten „Führer Kommandozentrale und Stabsgruppe“ in der Grundschule von Bad Neuenahr – Ahrweiler wieder in Dienst gestellt und gibt „Befehle“ an die freiwilligen Helfer heraus („wo verfügbar und zulässig sind Uniform/Feldanzug zu tragen“), stellt „Passierscheine“ aus und lässt ein einem Polizeiauto täuschend echt nachgeahmtes Fahrzeug mit der Aufschrift „Peace“ statt „Polizei“ durch die Gegend fahren und dabei seltsame Parolen plärren. Außerdem teilt der Führer a.D. ein Handgeld aus, „freundlicherweise vorab von einer Galionsfigur der ziemlich quer denkenden Szene zur Verfügung gestellt.“ Fehlt nur noch, dass der Herr Oberst anfängt, eigenes „Notgeld“ zu drucken.
Mit anderen Worten: Hier probt die Querdenkerbewegung gemeinsam mit einigen Rechtsextremisten ihre eigene Version des „Untergang“ in der „Führerschule“. Bei aller „Liebe“– einem derartigen Treiben muss sofort ein Ende gesetzt werden. Das ist keine Hilfe mehr, sondern die Feldübung für einen Staatsstreich. Da mögen die derzeit bestimmenden Parteien und Politiker noch so unfähig und überfordert sein – so geht es keinesfalls. Hier werden die Anwohner von einem Haufen durchgeknallter Verschwörungspraktiker in Geiselhaft genommen. Die Zustände mögen schlimm und schrecklich sein – sie sind kein Abenteuerspielplatz für irgendwelche verwirrten Clowns, die meinen, Pseudostrukturen aufbauen zu müssen.
Zumal die Polizei sowieso derzeit alle Hände voll damit zu tun hat, Kleinbusse mit – nennen wir sie freundlich – „kommerziellen Helfern“ abzuwehren, die gerne Läden und Wohnungen von allem „aufräumen“ möchten, was ein anderer irgendwo vielleicht brauchen und sogar bezahlen würde. Wie die sprichwörtlichen Schmeißfliegen versuchen diese Leichenfledderer, aus der Katastrophe finanziellen Profit zu schlagen. Ein Zusammentreffen zwischen der „Räum- und Kampfgruppe Ahrweiler“ und den ungebetenen „Fluterntehelfern“ dürfte spannend werden…
Natürlich sehen es die offiziellen Stellen nicht gerne, wenn sich politische Randgruppen als „Kümmerer“ betätigen, konterkarieren sie doch die offiziellen Bemühungen um Ordnung im Chaos. Nur, wenn dem so ist – dann müssen diese offiziellen Stellen eben beweisen, dass sie es besser können und zuerst Traktoren und Trinkwasser schicken, bevor sie einen Impfbus auf die Flutopfer loslassen. Ich kann mich mittlerweile nicht mehr des Eindrucks erwehren, dass freiwilliges tatkräftiges Engagement von Hunderten von Privatleuten vor Ort deswegen nicht gerne gesehen wird, weil es quasi im Vorbeigehen die Prioritäten und Diskussionen im Land verschiebt. Während nämlich die „toxischen Cis-Menschen“ am Schlammschaufeln waren, war man sich beispielsweise in Frankfurt/Main nicht zu schade, einen sehr lustigen und sehr bunten und sehr pietätlosen CSD zu feiern, um „auf die Probleme von LGBTQ-Menschen aufmerksam zu machen“. Da haben wir auf einem Planeten zwei Welten. Die Einen verlieren Angehörige und Hab und Gut, die anderen werden „als Transmenschen beim Daten diskriminiert“. Da verwundert es nicht, dass sich ein selbst wieder in Dienst und Marsch gesetzter Oberst zu Höherem berufen fühlt und unter lautem Getöse „Machtergreifung“ spielt.
In einem alten Film mit dem Titel „Die Luftbrücke“ gab es einst ein schönes Zitat: „Wenn wir Care-Pakete verteilen, ist es Hilfe. Wenn wir draufschreiben, von wem sie kommen, Propaganda!“ Es wäre schön, es würden sich alle diesen Satz hinter die Ohren schreiben und einfach so helfen. Weil es wichtig ist.

Ist das nicht süß? Wirklich zuckersüß, wie sie jetzt alle springen, tanzen und singen? Da kommt so ein Ami aus Amirika zur Münchner Sicherheitskonferenz und hält den bei Häppchen und Sekt versammelten grauen Köpfen der europäischen Nomenklatura einen 20-minütigen, freien und fehlerlosen Vortrag über Demokratie und Mehrheiten, verzwergt seine Zuhörer und deklassiert sie und landauf landab fliegen die geohrfeigten Köpfe der Brandmaurer. Da stellt sich dann ausgerechnet ein ausgebildeter Neo-Sozialist wie der Bundespräsident, der vor nicht einmal 12 Monaten den amtierenden Präsidenten der USA als „Hassprediger“ abgekanzelt hat, hin und verbittet sich eine Einmischung der Amerikaner in die lautere und tadellose Demokratie der Schwachkopf-Anzeiger, „So-Done“-Betreiber und Morgens-aus-dem-Bett-Klingler. Da sind sie alle ganz aufgeregt, die, die nicht müde wurden, zu beteuern, dass mit Donald Trump das absolut Böse ins Weiße Haus einziehen wird. Die den altersschwachen Joe Biden zu einem stolzen Führer der freien Welt mit dem absoluten Überblick verklärten, um gleich anschließend Kamala Harris zu einer Lichtgestalt zu verklären, die den Heiligenschein Jesu um Milliarden Lux überstrahlte. Diese Politiker und Medien beschweren sich nun wie mit der Hand in der Keksdose ertappte Kinder über eine Rede, die ihnen, den Führern des Wertewestens und des freiesten und buntesten und diversesten Europas, das es je seit der Belagerung Konstantinopels gab, die demokratischen Leviten liest. Witzig – während ich diese Zeilen schreibe, lese ich auf X, dass der Rechtsanwalt Markus Roscher zu 3.000,- € Geldstrafe verurteilt wurde, weil er in einem Tweet Habeck, Scholz und Baerbock für das Heizungsgesetz als „boshafte Versager“ bezeichnet hat. Sein Waffenschein steht nun wegen „Unzuverlässigkeit“ ebenfalls zur Diskussion. Außerdem muss er im „Wiederholungsfall“ – nämlich, dass er die Genannten „in ihrem öffentlichen Wirken erheblich beeinträchtigt“ – damit rechnen, dass ihm der Entzug seiner Anwaltslizenz droht. Außerdem wurde er gewarnt, dass er im Einspruchsverfahren mit einer noch höheren Geldstrafe rechnen müsste. Sieht so die Meinungsfreiheit „unserer Demokratie“ aus? Das exakt ist es, was Vance mit seiner Rede gemeint hat. Und was unsere Politisierenden und die geneigten Medien vehement und ganz wehrhaft mit wedelnden Armen abstreiten. „Keine Meinungsfreiheit? Stimmt ja gar nicht! Halt die Fresse!“ Ich mag die AfD nicht. Ich finde sie zu wenigstens 60% ganz schrecklich, weil da auch ganz schreckliche Leute mitmachen, deren Stammtische ich schon in Jugendtagen gemieden habe, obwohl es die da noch gar nicht gab. Das spielt in einer Demokratie aber keine Rolle, wen ich mag oder nicht mag. Ich persönlich finde Grüne und Linke noch viel schrecklicher, radikaler und ja – auch gewalttätiger. Erst recht, wenn sie 1933 als Rechtfertigung für Zerstörung und Körperverletzung als Alibi heranziehen. Aber ebenso, wie ich die Einen ertragen muss, muss ich auch die anderen ertragen. Und, als Demokrat, bestenfalls mit beiden reden, weil sie vielleicht ja doch einen Punkt haben. Außerdem ist es unfair und undemokratisch, eine 20%-Partei in ihrer parlamentarischen Arbeit zu behindern und ihnen ihrer Partei zustehende Posten zu verweigern oder Gesetze und Regeln so elegant hinzubiegen, dass sie keine Chance haben, für das Geld, das sie auch von ihren Wählern bekommen, Ihren Job zu machen. Unser Grundgesetz (dessen Hochhalten in Corona bereits bestraft wurde) sieht keine „guten“ und „schlechten“ Wählerstimmen vor. Es gibt schlicht keine Abstufung. Vance hat nichts anderes gesagt als seinerzeit Gorbatschow zu den Betonköpfen im Politbüro: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wer sich nicht um die Anliegen von mindestens 20% - eigentlich aber sogar mehr als 50% aller Wähler kümmert (ja, wir reden hier von illegaler Migration und Union und AfD gemeinsam), der darf sich dann auch nicht wundern, wenn die eigene, überhebliche Arroganz gegenüber dem Wahlvolk, das die ganze Butze finanziert, zur eigenen Abwahl führt. Es ist das tiefste Wesen einer Demokratie, dass es keinen Adel und keine Kaste gibt und das Volk seine Regierungen bei Nichtbeachtung abwählen und einer neuen Regierung eine neue Chance geben kann, darf, soll und – im Eigeninteresse – sogar muss. Nichts anderes hat Vance versucht, seinen europäischen Gesprächspartnern, die nun gemeinsam mit den ihnen gewogenen Medien aufgeregt flügelschlagend umeinanderkreisen, klarzumachen. Und als Antwort bekommt er – und wir – unter dem Strich die gleiche Antwort, die seinerzeit Honecker gab: „Unsere Demokratie in ihrem Lauf halten weder Trump noch Vance auf“. Flankiert von dem üblichen Gesülze von Trump als Sith-Lord mit Musk und Vance als böse Palatine. Die glauben das wirklich! Außerdem hat Vance mit Weidel und Merz gesprochen. GESPROCHEN! Sie haben richtig gelesen. Die Amerikaner haben glasklar erkannt, dass mit der EU und den Wichtigtuern der deutschen Regierungsparteien schlicht „kein Staat“ zu machen ist. „America first“ heißt auch „Europe second“ und die Rede von Vance und die Reaktionen darauf haben tatsächlich gezeigt, mit welchen eitlen und wichtigtuerischen Wichten wir es in „unserer Demokratie“ zu tun haben. Wird sich aber nun etwas ändern? Natürlich nicht. Die europäischen Kleinmächte mit ihren zappeligen Demokratieminderleistern werden sich einigeln und hoffen, dass die nächsten vier Jahre Trump und dann vielleicht vier Jahre Vance an ihnen wie ein Gewittersturm vorüberziehen werden. An uns als Wählern liegt es, ob dies so sein wird.

Haben Sie die Bilder gesehen? Robert Habeck hat eines verbreitet, Olaf Scholz ein anderes. Robert Habeck war nämlich in Auschwitz. Aber nur als Besucher. Olaf Scholz auch, auch als Tourist. Auf dem Bild Robert Habecks sieht man ihn aus der Rückenansicht, wie er zwischen einem Gebäude (dem Krematorium?) und zwei Stacheldrahtzäunen, ganz allein, fast einsam, entlangflaniert. Das ganze Bild, in einen orangen Filter getaucht, erinnert stark an die „Jever“-Werbung. Ein Mann. Seine Gedanken. Ein KZ. Veröffentlicht hat Robert Habeck das Bild auf X mit dem Untertext: „Heute, am 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, habe ich in Polen das Stammlager I und später das Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau besucht. Neben dem offiziellen Teil gab es auch ein paar Momente allein. Ich brauche dazu nichts zu sagen, denke ich.“ Ein paar Momente. Allein. Robert Habeck mit sich selbst. Und dem Kameramann. Und den Personenschützern. Möglicherweise auch mit seinem Social-Media-Team und seinem Wahlkampfteam. Aber allein. Hauptsache allein. Mit seinen Gedanken. Und die teilt er mit, indem er sie nicht mitteilt. So isser, unser Robert, gell? So ein eigentlich stiller, besinnlicher und, ja, auch tief philosophischer Typ. Ich kann mich nicht gegen meine Phantasie wehren. Ich sehe mich mit Robert Habeck und seinem Team da, in dieser Todesgasse stehen und das, was wie ein Schnappschuss – welch grässliches Wort in einem Konzentrationslager – aussieht, inszenieren: „Robert, wir machen das von hinten. Wie in der Werbung. Geh ein paar Schritte nach da. Nicht umdrehen, Robert, NICHT UMDREHEN, HERRGOTT, ja, so isses gut, Stimmt das Licht, Malte? Klasse. Nicht so weit weg, Robert, es muss zufällig aussehen und wir können das Stativ und das Licht nicht hinter Dir hertragen. Geh nochmal so… JA, PASST, IS IM KASTEN! Super Robert, das wird ein Kracher!“ Ein Hauch von Bierwerbung weht durch das Bild: Wie das KZ, so das Jever. Ich weiß nicht, ob er oder Olaf Scholz schneller war, unser Kanzler ließ sich von hinten insze… fotografieren, wie er vor einem der Öfen im Krematorium steht. Mittig. Im gedämpften Licht. Besinnlich und sich besinnend. Ob er da ein Gebet gesprochen hat? Man weiß es nicht, aber die Bildkomposition ist sehr schön, sehr symmetrisch. Da hat das Fotografierende gut mitgedacht. Diesen beiden Typen ist das vielleicht grausigste und grausamste Vernichtungslager der Welt nicht zu schade, um sich zu Wahlkampf- und Eigendarstellungszwecken optisch hübsch in Szene zu setzen, um einen auf „besinnlich“ zu machen. Das, was vor Ort passiert ist, wo Menschen verprügelt, verreckt und schlussendlich vergast wurden, wird heute von ganz aufrecht unserdemokratischen Politikern zur Gruselkulisse für nicht hässliche Bilder, zum „Auschwitzland“ für professionelles Trauern herabgewürdigt. Wahres und echtes Gedenken braucht keine Pressefotografen, sondern Ruhe und Geschichtsbewusstsein, was ich mit einem Pulk von Fotografen, Security und Begleitentourage für höchst schwierig halte. Beide Bilder haben einen bitteren Beigeschmack von „Halloho? Ich trauere und bin nachdenklich! Seht Ihr, wie ich trauere? Seht Ihr es? Kinners, hierher, ich trauere! Guck, da der Ofen, da der Stacheldraht, schrecklich. Soll ich nochmal im Halbprofil…?“ Es gibt vielleicht noch eine Handvoll Leute, die aus Auschwitz entkommen und bewusst erzählen können, wie es war und auch sie werden bald gestorben sein. Wer als 10-jähriger da hinkam und überlebte, ist spätestens 1935 geboren und heute 90 Jahre alt. In zehn bis zwanzig Jahren wird die Erinnerung an den Holocaust nur noch virtuell in Filmen und Literatur gegenwärtig sein, da es keine Zeitzeugen mehr gibt, die das Monströse dieses Ortes aus eigener Anschauung vermitteln können. Dann wird Auschwitz endgültig zur Gedenkkulisse von Politikern herabgewürdigt werden, wenn die Museumsleitung hier nicht eingreift. Eigentlich sollte auf dem gesamten Gelände ein Fotografier-Verbot herrschen. Auch und besonders für Politiker. Das ist kein Ort, um Besinnlichkeit zu heucheln und publikumswirksame Bilder zu schießen. Oder lustige Selfies für Instagram und Tiktok zu machen. Was kommt als Nächstes? „My friends went to Auschwitz and all I got was this lousy T-Shirt“? Das ist Auschwitz. Der Ort eines der größten Verbrechen der Menschheit. Ein Ort, an dem Täter zu viehischen Barbaren und Opfer zur vernichtbaren Objekten herabgewürdigt wurden. Ein Ort, gegen den die Hölle ein angenehmer Platz sein muss. Ein Ort, an dem es keine Moral und keine Menschlichkeit mehr gab. Und an diesem Ort standen zwei Politiker in guter Ausleuchtung und simulierten Anteilnahme. Dann reisten sie wieder ab und beschlossen, noch mehr Judenhasser ins Land zu lassen. Es widert mich nur noch an.


