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Der Feinschmecker
Thilo Schneider • 28. Februar 2020
"...also, Weißwein ist jetzt nicht so meins..."

(Gebrauchsanweisung: Um diesen Artikel in seiner vollen epischen Breite und seinem vollmundigen Bouquet wirklich genießen zu können, sollten Sie in der Lage sein, den Google-Übersetzer bedienen zu können oder des Französischen, Italienischen und Lateinischen mächtig sein!)
Das war so: Der Schatz und ich, wir hatten uns mit einem befreundeten Ehepaar zu einem schweineteuren Candlelight-Dinner verabredet. For no particular reason, just because. Der Schatz und ich essen gerne und gut, auch, wenn ich gerade mal einen Hamburger von einem Cheeseburger unterscheiden kann. Aber wenigstens kann ich so etwas zugeben.
Ich mag es, in einem guten Lokal zu sitzen, in dem hündisch ergebene Kellner selbst ein profanes „Stilles Wasser“ mit einer venezianischen Grandezza servieren, dass der Mundschenk des japanischen Kaisers daneben wie ein tölpelhafter Hühnerbaron wirkt. Bei flüsternder Nennung des Namens des Kochs sollte jeder, der je einen Kochlöffel in der Hand hielt, vor Ehrfurcht erschauern. Am Eingang des Etablissements sollte eine streng frisierte Concierge mit chinesischem Migrationshintergrund im schwarzen Abendkleid stehen und eine Gästeliste führen. Bewacht von mindestens einem Bodyguard mit gleichgültigem Gesichtsausdruck. Als I-Tüpfelchen wäre es schön, wenn sie dem vor uns hereingekommenen russischen Oligarchen nebst seiner grotesk überschminkten Gespielin erklären würde, dass er nicht reserviert habe und daher keinen Platz bekäme. Ich fühle mich dann sehr wichtig und auf dem Gipfel der Maslow-Pyramide, mit einem schönen Blick hinab ins Jammertal der irdischen Existenz. So, wie sich auch Kim Jong Il beim Blick aus seinem Panoramafenster fühlen muss.
Also sitzen wir an einem Samstag-Abend geschniegelt und gebügelt im „Kaisersaal“ (Bei „Papstsaal“ bliebe das arabische Publikum fern) und warten auf Martin und Milena, die „M&M´s“, wie wir sie nennen, wenn sie nicht in der Nähe sind. Auf dem Tisch liegt mehr Besteck als bei einer Herztransplantation, die Dekoration ist festlicher als bei der Amtseinführung eines türkischen Präsidenten und im offenen Kamin prasselt ein freundliches Feuer vom Computerbildschirm. Von wegen weil Co2-Vermeidung und so. Nach kurzer Zeit tauchen dann auch die M&M´s auf, hallo, schön, dass Ihr da seid, nein, heute fährt Milena, damit Martin etwas trinken kann, aber ein Rotweinchen geht schon, hihi, haha, Bussi hier und Bussi da. Milenas Hintern hat die aufgeplüschte Sitzbank noch nicht richtig berührt, als auch schon ein Kellner, der hier Ober ist, am Tisch steht und sich beflissen erkundigt, was wir trinken möchten.
Als Einstieg zu unserem Menü empfiehlt er uns entweder einen roten 2010er „Berlusconi di Diarrea“ aus der Toskana, alternativ kann er uns aber auch einen 2012er „Bastard de Charlemagne de l´ossuaire de Douamont“ anbieten. Um gar nicht erst in die Verlegenheit zu kommen, daneben zu langen, bestelle ich mir schamlos eine Cola-light, von der ich garantiert kein Sodbrennen kriege. Milena will sich Martin anschließen, den jetzt auch der Schatz erwartungsvoll anschaut. Weil Martin uns erst vor kurzem erzählt hat, dass er ein hervorragender Weinkenner ist. Ich glaube, das war, während er die mitgebrachte Flasche Spätburgunder in den Ausguss gekippt hat, weil er eigentlich nur Pinot noir – Weine trinkt, kann mich aber irren. Martin spürt die Augen der anwesenden Damen und des Kellners auf sich. Auf ihm muss jetzt ein unglaublicher Druck lasten. Er versucht es zuerst einmal mit einer Alternative: „Hätten Sie auch einen 2012er „Tranchée des baionettes“? Der Ober stutzt kurz, fängt sich aber schnell. „Leider nein, der Herr. Bedaure sehr.“, entschuldigt er sich und Martin liefert eine Erklärung nach: „Wissen Sie, der Berlusconi ist mir für meinen Geschmack etwas zu sandig, eben typisch für einen Kalksandstein-Wein und bei dem Bastard gefällt mir die lehmige Note im Abgang nicht…“ Er legt die Stirne in nachdenkliche Falten und hält sich Daumen und Zeigefinger der rechten Hand in Form eines L auf Nasenspitze und Kinn.
„Haben Sie nicht etwas Fruchtiges?“, quake ich dazwischen und kriege mal wieder einen Tritt vom Schatz unter dem Tisch. Vier Leute starren mich feindselig an. Wahrscheinlich bedeutet das, dass ich bei derart wichtigen Themen lieber die Klappe halten soll. Na gut. Meine blöde 2020er Cola-light hätte ich trotzdem gerne. Ich bin da sehr ungeduldig. Aber Martin stellt mich auch mit einem Seitenblick und einem halbtrocken dahingemurmelten „Sangria gibt’s hier nicht“ instant kalt.
Er wendet sich wieder dem Ober zu, der immer noch freundlich, wenngleich auch leicht verkrampft, lächelt. „Was haben Sie denn sonst noch so an annehmbaren Tafelwein zu bieten? Ich habe gerne trockene Rotweine, die Granit- oder Marmorböden bevorzugen, gerne auch aus höheren Lagen wie den Anden oder dem Karakorum. Zur Not ginge aber auch ein halbseidener Holländer oder ein spielerischer Spanier, wenn Sie so etwas haben?“, schlägt er Alternativen vor. „Oder einen pelzigen Portugiesen“, werfe ich dazwischen und bekomme den zweiten Tritt. Der Ober macht „Hm“ und lässt den Blick in die Ferne schweifen. Ich glaube, er wünscht sich, dass er sein Gender-Studium zu Ende gemacht hätte. Dann schnipst er mit den Fingern. „Ich hätte da, wenn es etwas korkig sein darf, eine ganz hervorragende 2014er Spätberufene aus dem Hauts-de-France. Wie wäre es denn mit einem „Évacuation de Dunkerque?“, nimmt er einen neuen Anlauf. Aber ohne Mârtín. Der geht es jetzt von der technischen Seite an, während sich mein Magen knurrend zu Wort meldet.
„Wie sieht denn das Menü heute Abend aus? Vielleicht finden wir ja da etwas Passendes…“, will er wissen. Man sieht dem Obersten die Erleichterung förmlich an. In dem Wasser kann er schwimmen. „Wir servieren als Erstes eine Variation von Pommes et Poires de Savoie („Pommes als Erstes?“, quiekt Milena dazwischen und erntet einen bösen Blick von Martin) an einer Heidelbeer-Farce, als Entrée dann eine Ingwer-Banane-Suppe mit einem Walnuss-Bouquet, anschließend, als Pièce de résistance, haben wir einen Lendenwirbelbraten vom Chien du refuge animalier, sehr gut durchgegrillt, danach reichen wir zum Nachtisch entweder einen Yaourt aux fraises en Crème avariée oder, wenn es etwas deftiger sein darf, einen Fromage moisi-et-malade obscure in einem Sud von asticots déchiquetés“, knallt er uns die Speisenfolge vor den bis dato leider noch unberührten Latz. Le Matin wiegt den Kopf schwer nachdenklich hin und her. „Das klingt ja alles sehr gut. Wissen Sie was? Bringen Sie uns dazu doch einfach einen simplen Lambrusco.“, erklärt er seine Kapitulation, vielleicht auch, weil er meinen genervten Blick bemerkt hat. Das Lächeln des Kellners gefriert etwas und in seinem Abgang liegt, ähnlich wie bei einem Lambrusco, etwas Verächtliches. (Ende Teil 1)

Ist das nicht süß? Wirklich zuckersüß, wie sie jetzt alle springen, tanzen und singen? Da kommt so ein Ami aus Amirika zur Münchner Sicherheitskonferenz und hält den bei Häppchen und Sekt versammelten grauen Köpfen der europäischen Nomenklatura einen 20-minütigen, freien und fehlerlosen Vortrag über Demokratie und Mehrheiten, verzwergt seine Zuhörer und deklassiert sie und landauf landab fliegen die geohrfeigten Köpfe der Brandmaurer. Da stellt sich dann ausgerechnet ein ausgebildeter Neo-Sozialist wie der Bundespräsident, der vor nicht einmal 12 Monaten den amtierenden Präsidenten der USA als „Hassprediger“ abgekanzelt hat, hin und verbittet sich eine Einmischung der Amerikaner in die lautere und tadellose Demokratie der Schwachkopf-Anzeiger, „So-Done“-Betreiber und Morgens-aus-dem-Bett-Klingler. Da sind sie alle ganz aufgeregt, die, die nicht müde wurden, zu beteuern, dass mit Donald Trump das absolut Böse ins Weiße Haus einziehen wird. Die den altersschwachen Joe Biden zu einem stolzen Führer der freien Welt mit dem absoluten Überblick verklärten, um gleich anschließend Kamala Harris zu einer Lichtgestalt zu verklären, die den Heiligenschein Jesu um Milliarden Lux überstrahlte. Diese Politiker und Medien beschweren sich nun wie mit der Hand in der Keksdose ertappte Kinder über eine Rede, die ihnen, den Führern des Wertewestens und des freiesten und buntesten und diversesten Europas, das es je seit der Belagerung Konstantinopels gab, die demokratischen Leviten liest. Witzig – während ich diese Zeilen schreibe, lese ich auf X, dass der Rechtsanwalt Markus Roscher zu 3.000,- € Geldstrafe verurteilt wurde, weil er in einem Tweet Habeck, Scholz und Baerbock für das Heizungsgesetz als „boshafte Versager“ bezeichnet hat. Sein Waffenschein steht nun wegen „Unzuverlässigkeit“ ebenfalls zur Diskussion. Außerdem muss er im „Wiederholungsfall“ – nämlich, dass er die Genannten „in ihrem öffentlichen Wirken erheblich beeinträchtigt“ – damit rechnen, dass ihm der Entzug seiner Anwaltslizenz droht. Außerdem wurde er gewarnt, dass er im Einspruchsverfahren mit einer noch höheren Geldstrafe rechnen müsste. Sieht so die Meinungsfreiheit „unserer Demokratie“ aus? Das exakt ist es, was Vance mit seiner Rede gemeint hat. Und was unsere Politisierenden und die geneigten Medien vehement und ganz wehrhaft mit wedelnden Armen abstreiten. „Keine Meinungsfreiheit? Stimmt ja gar nicht! Halt die Fresse!“ Ich mag die AfD nicht. Ich finde sie zu wenigstens 60% ganz schrecklich, weil da auch ganz schreckliche Leute mitmachen, deren Stammtische ich schon in Jugendtagen gemieden habe, obwohl es die da noch gar nicht gab. Das spielt in einer Demokratie aber keine Rolle, wen ich mag oder nicht mag. Ich persönlich finde Grüne und Linke noch viel schrecklicher, radikaler und ja – auch gewalttätiger. Erst recht, wenn sie 1933 als Rechtfertigung für Zerstörung und Körperverletzung als Alibi heranziehen. Aber ebenso, wie ich die Einen ertragen muss, muss ich auch die anderen ertragen. Und, als Demokrat, bestenfalls mit beiden reden, weil sie vielleicht ja doch einen Punkt haben. Außerdem ist es unfair und undemokratisch, eine 20%-Partei in ihrer parlamentarischen Arbeit zu behindern und ihnen ihrer Partei zustehende Posten zu verweigern oder Gesetze und Regeln so elegant hinzubiegen, dass sie keine Chance haben, für das Geld, das sie auch von ihren Wählern bekommen, Ihren Job zu machen. Unser Grundgesetz (dessen Hochhalten in Corona bereits bestraft wurde) sieht keine „guten“ und „schlechten“ Wählerstimmen vor. Es gibt schlicht keine Abstufung. Vance hat nichts anderes gesagt als seinerzeit Gorbatschow zu den Betonköpfen im Politbüro: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wer sich nicht um die Anliegen von mindestens 20% - eigentlich aber sogar mehr als 50% aller Wähler kümmert (ja, wir reden hier von illegaler Migration und Union und AfD gemeinsam), der darf sich dann auch nicht wundern, wenn die eigene, überhebliche Arroganz gegenüber dem Wahlvolk, das die ganze Butze finanziert, zur eigenen Abwahl führt. Es ist das tiefste Wesen einer Demokratie, dass es keinen Adel und keine Kaste gibt und das Volk seine Regierungen bei Nichtbeachtung abwählen und einer neuen Regierung eine neue Chance geben kann, darf, soll und – im Eigeninteresse – sogar muss. Nichts anderes hat Vance versucht, seinen europäischen Gesprächspartnern, die nun gemeinsam mit den ihnen gewogenen Medien aufgeregt flügelschlagend umeinanderkreisen, klarzumachen. Und als Antwort bekommt er – und wir – unter dem Strich die gleiche Antwort, die seinerzeit Honecker gab: „Unsere Demokratie in ihrem Lauf halten weder Trump noch Vance auf“. Flankiert von dem üblichen Gesülze von Trump als Sith-Lord mit Musk und Vance als böse Palatine. Die glauben das wirklich! Außerdem hat Vance mit Weidel und Merz gesprochen. GESPROCHEN! Sie haben richtig gelesen. Die Amerikaner haben glasklar erkannt, dass mit der EU und den Wichtigtuern der deutschen Regierungsparteien schlicht „kein Staat“ zu machen ist. „America first“ heißt auch „Europe second“ und die Rede von Vance und die Reaktionen darauf haben tatsächlich gezeigt, mit welchen eitlen und wichtigtuerischen Wichten wir es in „unserer Demokratie“ zu tun haben. Wird sich aber nun etwas ändern? Natürlich nicht. Die europäischen Kleinmächte mit ihren zappeligen Demokratieminderleistern werden sich einigeln und hoffen, dass die nächsten vier Jahre Trump und dann vielleicht vier Jahre Vance an ihnen wie ein Gewittersturm vorüberziehen werden. An uns als Wählern liegt es, ob dies so sein wird.

Haben Sie die Bilder gesehen? Robert Habeck hat eines verbreitet, Olaf Scholz ein anderes. Robert Habeck war nämlich in Auschwitz. Aber nur als Besucher. Olaf Scholz auch, auch als Tourist. Auf dem Bild Robert Habecks sieht man ihn aus der Rückenansicht, wie er zwischen einem Gebäude (dem Krematorium?) und zwei Stacheldrahtzäunen, ganz allein, fast einsam, entlangflaniert. Das ganze Bild, in einen orangen Filter getaucht, erinnert stark an die „Jever“-Werbung. Ein Mann. Seine Gedanken. Ein KZ. Veröffentlicht hat Robert Habeck das Bild auf X mit dem Untertext: „Heute, am 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, habe ich in Polen das Stammlager I und später das Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau besucht. Neben dem offiziellen Teil gab es auch ein paar Momente allein. Ich brauche dazu nichts zu sagen, denke ich.“ Ein paar Momente. Allein. Robert Habeck mit sich selbst. Und dem Kameramann. Und den Personenschützern. Möglicherweise auch mit seinem Social-Media-Team und seinem Wahlkampfteam. Aber allein. Hauptsache allein. Mit seinen Gedanken. Und die teilt er mit, indem er sie nicht mitteilt. So isser, unser Robert, gell? So ein eigentlich stiller, besinnlicher und, ja, auch tief philosophischer Typ. Ich kann mich nicht gegen meine Phantasie wehren. Ich sehe mich mit Robert Habeck und seinem Team da, in dieser Todesgasse stehen und das, was wie ein Schnappschuss – welch grässliches Wort in einem Konzentrationslager – aussieht, inszenieren: „Robert, wir machen das von hinten. Wie in der Werbung. Geh ein paar Schritte nach da. Nicht umdrehen, Robert, NICHT UMDREHEN, HERRGOTT, ja, so isses gut, Stimmt das Licht, Malte? Klasse. Nicht so weit weg, Robert, es muss zufällig aussehen und wir können das Stativ und das Licht nicht hinter Dir hertragen. Geh nochmal so… JA, PASST, IS IM KASTEN! Super Robert, das wird ein Kracher!“ Ein Hauch von Bierwerbung weht durch das Bild: Wie das KZ, so das Jever. Ich weiß nicht, ob er oder Olaf Scholz schneller war, unser Kanzler ließ sich von hinten insze… fotografieren, wie er vor einem der Öfen im Krematorium steht. Mittig. Im gedämpften Licht. Besinnlich und sich besinnend. Ob er da ein Gebet gesprochen hat? Man weiß es nicht, aber die Bildkomposition ist sehr schön, sehr symmetrisch. Da hat das Fotografierende gut mitgedacht. Diesen beiden Typen ist das vielleicht grausigste und grausamste Vernichtungslager der Welt nicht zu schade, um sich zu Wahlkampf- und Eigendarstellungszwecken optisch hübsch in Szene zu setzen, um einen auf „besinnlich“ zu machen. Das, was vor Ort passiert ist, wo Menschen verprügelt, verreckt und schlussendlich vergast wurden, wird heute von ganz aufrecht unserdemokratischen Politikern zur Gruselkulisse für nicht hässliche Bilder, zum „Auschwitzland“ für professionelles Trauern herabgewürdigt. Wahres und echtes Gedenken braucht keine Pressefotografen, sondern Ruhe und Geschichtsbewusstsein, was ich mit einem Pulk von Fotografen, Security und Begleitentourage für höchst schwierig halte. Beide Bilder haben einen bitteren Beigeschmack von „Halloho? Ich trauere und bin nachdenklich! Seht Ihr, wie ich trauere? Seht Ihr es? Kinners, hierher, ich trauere! Guck, da der Ofen, da der Stacheldraht, schrecklich. Soll ich nochmal im Halbprofil…?“ Es gibt vielleicht noch eine Handvoll Leute, die aus Auschwitz entkommen und bewusst erzählen können, wie es war und auch sie werden bald gestorben sein. Wer als 10-jähriger da hinkam und überlebte, ist spätestens 1935 geboren und heute 90 Jahre alt. In zehn bis zwanzig Jahren wird die Erinnerung an den Holocaust nur noch virtuell in Filmen und Literatur gegenwärtig sein, da es keine Zeitzeugen mehr gibt, die das Monströse dieses Ortes aus eigener Anschauung vermitteln können. Dann wird Auschwitz endgültig zur Gedenkkulisse von Politikern herabgewürdigt werden, wenn die Museumsleitung hier nicht eingreift. Eigentlich sollte auf dem gesamten Gelände ein Fotografier-Verbot herrschen. Auch und besonders für Politiker. Das ist kein Ort, um Besinnlichkeit zu heucheln und publikumswirksame Bilder zu schießen. Oder lustige Selfies für Instagram und Tiktok zu machen. Was kommt als Nächstes? „My friends went to Auschwitz and all I got was this lousy T-Shirt“? Das ist Auschwitz. Der Ort eines der größten Verbrechen der Menschheit. Ein Ort, an dem Täter zu viehischen Barbaren und Opfer zur vernichtbaren Objekten herabgewürdigt wurden. Ein Ort, gegen den die Hölle ein angenehmer Platz sein muss. Ein Ort, an dem es keine Moral und keine Menschlichkeit mehr gab. Und an diesem Ort standen zwei Politiker in guter Ausleuchtung und simulierten Anteilnahme. Dann reisten sie wieder ab und beschlossen, noch mehr Judenhasser ins Land zu lassen. Es widert mich nur noch an.


