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Alte Märchen - neu erzählt

Gastautor: Claudio Casula • Feb. 03, 2021

Von Caniden und Holzfällenden

Bild von Enrique Meseguer auf Pixabay
Aus Astrid Lindgrens „Negerkönig“ einen „Südseekönig“ zu machen, war nur der Anfang. Noch immer sind zahlreiche Schriften in Umlauf, die unzeitgemäße Rollenstereotype verbreiten und denen es an Gendersensibilität gebricht. Eine Expertenkommission von Bündnis 90 / Grüne hat fünf Jahre lang die Märchen der Gebrüder Grimm im Detail untersucht und dem Zeitgeist gemäß umgeschrieben. Hier einige Beispiele.

Der Wolf und die sieben jungen Geißlein

Eine alleinerziehende Geißenmutter (Elter 1) lässt ihre Kinder zu Hause zurück. Daraufhin versucht ein nunmehr nicht näher definiertes Raubtier aus der Familie der Canidae (das in der Grimmschen Version durch die Zuschreibungen negativer Attribute antiwölfische Stereotype bediente), in das Haus einzudringen, was es nach mehreren Versuchen und allerlei Tricks letztlich zu Stande bringt, und frisst sechs der sieben Geißlein. Nur einem gelingt es, sich auf der Gendertoilette zu verstecken, wo der binär gepolte Eindringling nicht nachschaut. Elter 1 kann jedoch mittels eines operativen Eingriffs den Bauchraum des Caniden öffnen und ihre Schutzbefohlenen lebend befreien. Beim Versuch, dem schlafenden Tier die Bauchhöhle mit Steinen zu füllen und beim Gang zum Brunnen jämmerlich ertrinken zu lassen, wird die Lebensgemeinschaft jedoch gerade noch rechtzeitig von einer PETA-Aktivistin ertappt und angezeigt.


Hänsel und Gretel

Ein Holzfällender setzt seine Kinder im Wald aus. (In der alten Version wird er von seiner Frau dazu angestiftet, diese misogynen Passagen wurden ersatzlos gestrichen.) Die Kinder stoßen auf ein Häuschen, das ganz aus Brot, Kuchen und Zucker hergestellt ist (im Original belassen, um die negativen Folgen des Kohlenhydrate- und Zuckerkonsums zu unterstreichen). In diesem Haus wohnt das ultimative Böse: ein alter weißer Mann. Das „Mädchen“ muss nunmehr als Dienstmagd dem alten Herrn zu Willen sein, der „Junge“ wird zwecks späteren Verzehrs vom karnivoren Eigentümer gemästet. Die Kinder töten den alten weißen Mann, kommen aber nach Jugendstrafrecht mit einer Bewährungsstrafe davon.


Schneewittchen

Im Großen und Ganzen bleibt das Gerüst des Ursprungsmärchens bestehen, zumal „das“ Schneewittchen, offensichtlich dritten Geschlechts, eine Vorreiterrolle zur gesellschaftlichen Akzeptanz der LGBTQ-Gemeinde spielen kann. Die böse Königin wird durch einen AfD-Funktionär ersetzt, und die einst abwertend „Zwerge“ genannten, sieben vertikal herausgeforderten Bergarbeiter*innen verlangen vom Schneewittchen nun nicht mehr, nach überkommenen Rollenmustern „Hausarbeiten zu verrichten“. Dafür beschäftigt sich Schneewittchen intensiv mit kritischer Weißseinsreflexion. Nach einem Biss in den vergifteten Apfel, den ihr der Rechtspopulist andrehte, fällt Schneewittchen ins Koma und wird in einem gläsernen Erdmöbel aufgebahrt. Doch eine Königstochter (eingewanderte PoC) kommt des Weges, küsst die Protagonistin wach und fortan leben alle zusammen klimaneutral in einer schwullesbisch-intersexuell-polyamoren Wohngemeinschaft. Der AfD-Mann aber wird gesellschaftlich geächtet und nie wieder in eine Talkshow eingeladen. Gut, das wurde er auch vorher nicht.


Rumpelstilzchen

Um der heutigen Vielfalt gerecht zu werden, bekommt das Rumpelstilzchen einen südländischen Migrationshintergrund. In der überarbeiteten Version wird herausgearbeitet, dass nicht dieses „Männlein“ die mündliche Absprache mit der Königstochter bricht, sondern vielmehr diese die Auslieferung ihres ersten Kindes vertragsbrüchig verweigert. Und das, wo der Migrant vorbildlich seine Unterstützung beim Geld-zu-Asche-Verbrennen demonstriert hatte. Stattdessen bietet das Rumpelstilzchen großzügig an, auf seinen Anteil zu verzichten, wenn die Königstochter seinen Geburtstag errät. In flagrantem Bruch der Abmachung lässt diese den Migranten ausspionieren und sein Geburtsdatum in Erfahrung bringen. Scheinheilig nennt sie dann noch zwei andere Daten, bevor sie „1. Januar!“ ruft. Das Rumpelstilzchen ruft verzweifelt: „Das hat dir der Gauland gesagt! Das hat dir der Gauland gesagt!“, teilt die betrügerische Königstochter mittels eines Hieb- und Stichwerkzeugs in zwei Hälften, setzt sich nach Kabul ab und lebt dort glücklich vereint mit seiner Großfamilie.

Grimms Märchen, so die Expert*innenkommission in ihrem Resümee, seien generell überkommenen, tradierten Mustern verhaftet und strotzten vor Geschlechterklischees. Frauen würden überwiegend als Witwen, Hexen, Stiefmütter oder Königstöchter beschrieben; in den überarbeiteten, zeitgemäßen Märchen sind sie nun Astronautinnen, Energieanlagenmechatronikerinnen und Gleichstellungsbeauftragte. Die durchweg heteronormativen Beziehungsmodelle wurden aufgebrochen, nun leben die Protagonisten in Patchworkfamilien oder gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Auch wurden die Namen der handelnden Personen angepasst, statt „Hans“, „Trude“, „Gretel“ und „Else“ bevölkern nun Murat, Mohammed, Malte-Thorben, Finn-Luca und Annalena-Sophie die Grimmsche Märchenwelt. Beim Rotkäppchen wurde die aus der Zeit gefallene, ohnehin fragwürdige Wein&Kuchen-Kombination für die Großmutter durch eine Kürbis-Rucola-Quiche und einen Quinoa-Bärenklau-Smoothie ersetzt.

Positiv vermerken die Experten lediglich, dass mit den „Bremer Stadtmusikanten“ gewissermaßen ein Vorläufer der autonomen Hausbesetzerszene Eingang in die Literatur fand.

von Thilo Schneider 12 Jan., 2024
„Guten Abend, liebe Zuschauer! Zu unserem heutigen Thema „Wann ist man ein Nazi“ habe ich heute einen absoluten Experten auf diesem Gebiet eingeladen: Werner Strößenbrunner!“ (Applaus, der Experte im grauen Anzug mit einem schwarz-weiß-roten Ansteckerchen betritt die Bühne) „Guten Abend, Herr Strößenbrunner…“ „Obersturmbannführer Strößenbrunner bitte. Aber nennen Sie mich einfach Obersturmbannführer.“ „Danke, Herr Obersturmbannführer. Schön, dass Sie heute unter Gast sind.“ „Ja gerne und ein herzliches Heil! Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“ „Herr Obersturmbannführer, ich darf Sie unserem Publikum kurz vorstellen: Vorstrafe wegen des Schmierens von Hakenkreuzen auf Synagogen, gewalttätiger Übergriff auf den Wirt eines israelischen Restaurants, Vorsitzender des Vereins „Blut und Boden“, Vorsitzender der Jugendorganisation „Reichskriegsflagge“ und Verfasser des Buchs „Vorschläge zur vorläufigen Erledigung der Remigration“. Herr Obersturmbannführer, würden Sie sagen, Sie sind ein Rechtsextremist?“ „Ach wissen Sie, was heißt denn Rechtsextremist? Heutzutage wird man viel zu schnell von den öffentlich-rechtlichen, von Soros und Rothschild finanzierten Systemmedien in die rechte Ecke geschoben. Ich würde mich als konservativen Patrioten bezeichnen.“ „Naja, das Schmieren von Hakenkreuzen ist kein Kavaliersdelikt…“ „Da war ich 17 Jahre alt. Eine bedauerliche Jugendsünde. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie das war. Ich war da in der Ausbildung zum Landschaftsmaler, das war damals so, und sollte Farbe von A nach B bringen und da war diese Synagoge und ich stand so da und plötzlich waren da mehrere Hakenkreuze drauf. Ich habe bis heute keine Ahnung, wie das passieren konnte und es tut mir auch leid…“ „Die Hakenkreuze tun Ihnen leid?“ „Nein, es tut mir leid, dass ich nicht mehr Farbe dabeihatte. Ich wollte neue holen, aber da waren die Schergen der linksunterwanderten BeErDe bereits da und haben mich verhaftet. Obwohl ich gar nichts dazu konnte.“ „…und die Körperverletzung…?“ „Ach, ganz normale Wirtshausschlägerei, wie sie bei jedem Dorffest stattfindet…“ „…das war keine gezielte Attacke auf den jüdischen Besitzer?“ (seufzt) „…er wollte uns hindern, unsere Brandsätze zu zünden. Was hätten Sie denn in meiner Situation getan? Natürlich habe ich ihm auf die Menora gegeben, das war aber mehr so ein Reflex, so aus der Drehung heraus. Das wurde damals von der ostküstenfinanzierten Lokalpresse schrecklich aufgebauscht…“ „Sie müssen aber schon zugeben, dass das ein wenig den Eindruck erweckt, als hätten Sie etwas gegen Juden…“ „Was? Nein! Ich habe gar nichts gegen Juden, da sind ja schon die ursprünglich von den Nazis verschärften Waffengesetze außen vor!“ „Würden Sie, Herr Obersturmbannführer, sagen, dass Sie Antisemit sind?“ „Nur, weil ich keine Juden mag? Das wird ja wohl noch erlaubt sein!“ „Aber es sind ja nicht nur Juden, um die es Ihnen geht?“ "Ich habe ein generelles Problem mit Volk, das nicht hierhergehört! Und nicht nur ich! Sehen Sie sich doch um! Die ganzen Schleiereulen, die Kopftuchstaffeln, die stark pigmentierten Menschen, das ist doch nicht mehr schön? Da muss man doch etwas tun! Gegen diese Umvolkung muss sich doch ein rassisch gesundes Volk bis zur letzten Patrone mit fanatischem Widerstand durchsetzen!“ „Das ist ein gutes Stichwort! In Ihrem Buch zur Remigration schlagen Sie beispielsweise vor, dass Bürger mit deutschem Pass, deren Ahnenreihe nicht wenigstens vier Generationen zurückreicht, die Staatsbürgerschaft entzogen werden soll, wenn sie einen zweiten Pass haben.“ „Ja, da muss man sich eben mal entscheiden, ob man deutsche Sozialleistungen oder türkischen Wehrdienst und Erben genießen will. Sie haben ja auch keine zwei Frauen, sondern müssen sich für eine entscheiden. Wenn Sie jetzt nicht gerade aus dem Nahen Osten kommen.“ „Wäre das aber nicht ein klarer Verstoß gegen das Grundgesetz?“ „Ach, das kann man mit 2/3-Mehrheit ändern, da sehe ich jetzt kein so großes Problem.“ „Außerdem schreiben Sie, dass Sie straffällig gewordene Bürger entweder nach Möglichkeit abschieben oder zu körperlicher Arbeit verpflichten wollen!“ „Ja, ich halte das für eine gute Lösung! Wir kaufen den Marokkanern, Tunesiern oder Libyern ein Gelände in der Wüste ab und da packen wir das ganze Kroppzeug hin. Da können sie dann den ganzen Tag Sandsäcke füllen, was wiederum den Opfern in unseren Hochwassergebieten zugutekäme.“ „Auch das wäre aber nicht nur ein Verfassungsbruch, sondern sogar ein ethischer Dammbruch. Obersturmbannführer, klare Frage, klare Auskunft: Sind Sie für ethnische Säuberungen in Deutschland?“ „Ach, „ethnische Säuberungen“, das ist auch nur wieder so eine Hohlphrase aus der linken Ecke, um patriotische Deutsche zu framen und zu verunglimpfen. Ich will hier einfach nicht so viele Westasiaten haben. Ein paar sind ja in Ordnung und machen im Niedriglohnsektor einen ganz guten Job, einer muss ja das Essen an den Tisch bringen und Opa mal im Pflegeheim umdrehen, aber das heißt doch bitte nicht, dass hier gleich eine Umvolkung stattfinden muss…“ „Auch das war aber jetzt bereits rassistisch!“ „Ach, was heißt denn „rassistisch“? Ich sag doch nur, wie es ist und wie es die Mehrzahl der Bevölkerung sieht!“ „Glauben Sie, die Mehrheit sieht das so?“ „Wenn wir erst einmal die Mainstream-Medien übernommen haben, dann werden die das so sehen, mein Wort darauf!“ „Sie planen also so eine Art „Machtergreifung“? „Auch wieder so ein Wort aus der linksradikalen Mottenkiste. Wir reden davon, wie wir die politischen Verhältnisse in Deutschland im Sinne des deutschen Volkes neu ordnen können.“ „Ist es korrekt, dass Sie in Ihrer Funktion auch Gespräche mit den Spitzen der AfD führen?“ „Das sind nur private Gespräche, ganz locker und ohne jeden Hintergrund, man kennt sich doch, da sehe ich jetzt kein Problem. Die denken ja im Grunde wie wir, trauen sich nur nicht, das laut zu sagen, aber man wird ja wohl noch auf ein Bier gehen dürfen! Das wird alles viel zu hoch aufgehenkt.“ „Herr Obersturmbannführer, was wäre denn für jemanden wie Sie ein Nazi?“ „Das wäre jemand, der zwischen 1890 und 1930 geboren ist und Mitglied bei der NSDAP war. Das wäre ein Nazi.“ „War Hitler ein Nazi?“ „Ich glaube nicht, dass man das so pauschal sagen kann, er war zwar Mitglied der Partei, aber er hat ja auch die Autobahnen gebaut, die Kirchensteuer eingeführt und die Schreibschrift reformiert, das darf man nicht vergessen!“ „…und was wäre für Sie ein Rechtsextremist?“ „Das wäre jemand, der Leute in Gaskammern schicken oder vernichten will und dazu auch noch Nachbarländer überfällt. Das ist ja nicht das, was wir wollen! Aufgrund der Demographie brauchen wir kein neues Land im Osten. Da müssen wir erst einmal hier wieder auffüllen.“ „Herr Obersturmbannführer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. Guten Abend.“ „Heil!“
Deutende Punkerin. Bild von Wolfgang Eckert auf Pixabay.
von Thilo Schneider 15 Juli, 2023
Ich wurde als Hetzer, Rechtspopulist und Rassist bezeichnet. Wenigstens ein Punkt stimmt.
Bild eines Gitarristen von Pexels auf Pixabay
von Thilo Schneider 25 Juni, 2023
Kleinkünstler sollten besser links sein - wenn sie Auftritte mit Freibier haben wollen. Und sie sollten einen albernen Hut oder Pferdeschwanz haben! Und im Leben den Rettungsring daneben gegriffen haben.
Polizeikontrolle, mit Spielzeugautos nachgestellt
von Thilo Schneider 30 Mai, 2023
Eine Polizeidozentin, eine Polizeikontrolle, ein "nicht so gemeinter Tweet", ein Drama in einem Akt.
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