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Soleimanis Himmelfahrt
Thilo Schneider • 10. Januar 2020
Sei vorsichtig mit dem, was Du Dir wünschst...

Es ist schmerzhaft, wenn eine solche Persönlichkeit dann stirbt, sei es durch Mord, Unfall, Krankheit oder die schlichte Unfähigkeit, Medikamente korrekt zu dosieren und was sich sonst noch so an unüblichen Todesursachen findet. Eine immense Massenbewegung findet immer dann statt, wenn eine solche Figur mitten aus dem Leben gerissen wird und über die die Chronisten später dann vom „viel zu frühen Tod“ berichten werden. Bei derartigen Identifikationsfiguren kommt es zu Massenaufläufen.
Solche Popstars waren im letzten Jahrhundert beispielsweise John F. Kennedy(ermordet) oder Lady Diana(Autounfall), aber auch Elvis Presley(falsche Medikamentierung) oder Michael Jackson(ebenfalls). Oder, um sich nicht nur auf den angloamerikanischen Kulturraum zu konzentrieren, Mahatma Ghandi(ermordet), Jitzchack Rabin(ermordet) und, als Ausnahmen, da nicht „versehentlich“ zu Tode gekommen, Nelson Mandela(Lungenentzündung mit stolzen 95 Jahren) oder, in Polen, Johannes-Paul II.(beruflicher Aufstieg). Alles Idole oder Stars, die ihr Land und/oder ihre Generation bewegt haben. Hunderttausende Menschen gingen bei deren Trauerfeiern auf die Straße, es wurde gesungen, Kerzen angezündet, Bilder aufgestellt, teilweise Staatsfahnen auf Halbmast gesetzt – um es spöttisch zu sagen, gab es zuerst ein „allgemeines Heulen und Zähneknirschen“ und bei den genannten Personen für die Trauernden ein „davor“ und „danach“. Daher dürften für ausufernde Trauerfeiern, je nach Todeszeitpunkt und -ursache, später auch Greta Thunberg, Barack Obama und Recep Erdogan gute Kondolenzkarten haben. Weil jede/r für sich als Symbol für eine Ära oder Epoche steht, mag man sie mögen oder nicht.
Trauer wird in den diversen Kulturkreisen unterschiedlich gelebt. Während sich die öffentliche Trauer im Westen in stillen Gebeten, Gedenkgottesdiensten und den sattsam bekannten Bildern von Blumenmeeren mit Teddybären, Kerzen und Portraits des Dahingeschiedenen äußert, wird beispielsweise in Nordkorea massengeflennt, wenn der größte Führer aller Zeiten und geliebter Sohn des nordkoreanischen Volkes, Kim Jong Il, zum „ewigen Generalsekretär“ befördert wird. Was davon echt und was davon „Mache“ ist, bleibt ein fernöstliches Geheimnis.
Auch der Iran hat, nach Ruhollah Chomeni, jetzt sehr laut den Verlust eines außerhalb der persischen Grenzen nur Geheimdiensten bekannten Popstars zu beklagen: Quasem Soleimani(Raketenvolltreffer und nicht zu verwechseln mit Nicolò Solimani, da weder verwandt noch verschwägert) ist vom iranischen Volk gegangen. Worden. Die Trauerfeiern nehmen aus westlicher Sicht eher skurrile Formen an: Es wird viel gehüpft und geweint und sich vor die Brust geschlagen. Nicht nur, dass seine sterblichen Überreste (beziehungsweise das, was von diesen noch übrig ist) durch das halbe Land gekarrt werden, bei seiner missglückten Beisetzung in Kerman kommen, sozusagen trauriger Kollateralschaden, bei einer Massenpanik auch noch über 50 weitere Iraner
ums Leben.
Nun steht außer Frage, dass es sich bei den Persern um ein echtes Kulturvolk handelt und auch, dass eben in der islamischen Welt anders als im Westen getrauert wird. „Klageweib“
ist in den persisch-arabischen Ländern durchaus noch ein Berufsbild. Erstaunlich ist diese Massenhysterie jedoch, wenn man sich vor Augen hält, dass es sich bei Soleimani weder um einen religiösen Führer, noch um einen Musiker oder Schauspieler, sondern um den General einer Elitetruppe
handelte, die im Ausland Attentate beging und für diverse Terror-Anschläge verantwortlich war. Das ist, als wären seinerzeit Hunderttausende Deutsche inklusive Hitler weinend zusammengebrochen, weil es Reinhard Heydrich(Handgranate mit echtem Pech. Für Heydrich.) erwischt hat.
Selbst die offiziellen und inoffiziellen Bezeichnungen und Betitelungen der unbedauernswerten Dahingerissenen (Soleimani: „Märtyrer des iranischen Volkes, gerne auch „Märtyrer des Islam“, Heydrich: „Märtyrer im nationalsozialistischen Pantheon der gefallenen Helden“) gleichen sich. Ist es ein Kennzeichen von faschistischen und diktatorischen Regimen, ein riesiges Tamtam machen zu müssen, wenn ihre Bluthunde(Thomas Mann) von der eigenen Medizin zu kosten bekommen?
Eigentlich wäre der Tod von Soleimani im Iran ein Grund zum Feiern. Er hat seinen Wunschtraum erfüllt bekommen. Denn was wünschte sich Soleimani bereits 2011? “Oh Gott, tue etwas, damit die Feinde deiner Religion mich zum Märtyrer auf deinem Weg machen.”
Worauf ihm der schon damals revolutionsführende Revolutionsgeschwätzführer Ali Chamenei geantwortet haben soll: “Herr Soleimani, Sie sind für uns wie ein Märtyrer. Sie sind ein lebender Märtyrer. Ja, Sie sind ein Märtyrer. Sie sind im Krieg mehrfach den Märtyrertod gestorben.”
Endlich hat sein Gott ihn mit amerikanischer Hilfe final erhört. Soleimani ist vielleicht nicht in den Himmel aufgefahren – aber in die Luft geflogen ist er.

Ist das nicht süß? Wirklich zuckersüß, wie sie jetzt alle springen, tanzen und singen? Da kommt so ein Ami aus Amirika zur Münchner Sicherheitskonferenz und hält den bei Häppchen und Sekt versammelten grauen Köpfen der europäischen Nomenklatura einen 20-minütigen, freien und fehlerlosen Vortrag über Demokratie und Mehrheiten, verzwergt seine Zuhörer und deklassiert sie und landauf landab fliegen die geohrfeigten Köpfe der Brandmaurer. Da stellt sich dann ausgerechnet ein ausgebildeter Neo-Sozialist wie der Bundespräsident, der vor nicht einmal 12 Monaten den amtierenden Präsidenten der USA als „Hassprediger“ abgekanzelt hat, hin und verbittet sich eine Einmischung der Amerikaner in die lautere und tadellose Demokratie der Schwachkopf-Anzeiger, „So-Done“-Betreiber und Morgens-aus-dem-Bett-Klingler. Da sind sie alle ganz aufgeregt, die, die nicht müde wurden, zu beteuern, dass mit Donald Trump das absolut Böse ins Weiße Haus einziehen wird. Die den altersschwachen Joe Biden zu einem stolzen Führer der freien Welt mit dem absoluten Überblick verklärten, um gleich anschließend Kamala Harris zu einer Lichtgestalt zu verklären, die den Heiligenschein Jesu um Milliarden Lux überstrahlte. Diese Politiker und Medien beschweren sich nun wie mit der Hand in der Keksdose ertappte Kinder über eine Rede, die ihnen, den Führern des Wertewestens und des freiesten und buntesten und diversesten Europas, das es je seit der Belagerung Konstantinopels gab, die demokratischen Leviten liest. Witzig – während ich diese Zeilen schreibe, lese ich auf X, dass der Rechtsanwalt Markus Roscher zu 3.000,- € Geldstrafe verurteilt wurde, weil er in einem Tweet Habeck, Scholz und Baerbock für das Heizungsgesetz als „boshafte Versager“ bezeichnet hat. Sein Waffenschein steht nun wegen „Unzuverlässigkeit“ ebenfalls zur Diskussion. Außerdem muss er im „Wiederholungsfall“ – nämlich, dass er die Genannten „in ihrem öffentlichen Wirken erheblich beeinträchtigt“ – damit rechnen, dass ihm der Entzug seiner Anwaltslizenz droht. Außerdem wurde er gewarnt, dass er im Einspruchsverfahren mit einer noch höheren Geldstrafe rechnen müsste. Sieht so die Meinungsfreiheit „unserer Demokratie“ aus? Das exakt ist es, was Vance mit seiner Rede gemeint hat. Und was unsere Politisierenden und die geneigten Medien vehement und ganz wehrhaft mit wedelnden Armen abstreiten. „Keine Meinungsfreiheit? Stimmt ja gar nicht! Halt die Fresse!“ Ich mag die AfD nicht. Ich finde sie zu wenigstens 60% ganz schrecklich, weil da auch ganz schreckliche Leute mitmachen, deren Stammtische ich schon in Jugendtagen gemieden habe, obwohl es die da noch gar nicht gab. Das spielt in einer Demokratie aber keine Rolle, wen ich mag oder nicht mag. Ich persönlich finde Grüne und Linke noch viel schrecklicher, radikaler und ja – auch gewalttätiger. Erst recht, wenn sie 1933 als Rechtfertigung für Zerstörung und Körperverletzung als Alibi heranziehen. Aber ebenso, wie ich die Einen ertragen muss, muss ich auch die anderen ertragen. Und, als Demokrat, bestenfalls mit beiden reden, weil sie vielleicht ja doch einen Punkt haben. Außerdem ist es unfair und undemokratisch, eine 20%-Partei in ihrer parlamentarischen Arbeit zu behindern und ihnen ihrer Partei zustehende Posten zu verweigern oder Gesetze und Regeln so elegant hinzubiegen, dass sie keine Chance haben, für das Geld, das sie auch von ihren Wählern bekommen, Ihren Job zu machen. Unser Grundgesetz (dessen Hochhalten in Corona bereits bestraft wurde) sieht keine „guten“ und „schlechten“ Wählerstimmen vor. Es gibt schlicht keine Abstufung. Vance hat nichts anderes gesagt als seinerzeit Gorbatschow zu den Betonköpfen im Politbüro: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wer sich nicht um die Anliegen von mindestens 20% - eigentlich aber sogar mehr als 50% aller Wähler kümmert (ja, wir reden hier von illegaler Migration und Union und AfD gemeinsam), der darf sich dann auch nicht wundern, wenn die eigene, überhebliche Arroganz gegenüber dem Wahlvolk, das die ganze Butze finanziert, zur eigenen Abwahl führt. Es ist das tiefste Wesen einer Demokratie, dass es keinen Adel und keine Kaste gibt und das Volk seine Regierungen bei Nichtbeachtung abwählen und einer neuen Regierung eine neue Chance geben kann, darf, soll und – im Eigeninteresse – sogar muss. Nichts anderes hat Vance versucht, seinen europäischen Gesprächspartnern, die nun gemeinsam mit den ihnen gewogenen Medien aufgeregt flügelschlagend umeinanderkreisen, klarzumachen. Und als Antwort bekommt er – und wir – unter dem Strich die gleiche Antwort, die seinerzeit Honecker gab: „Unsere Demokratie in ihrem Lauf halten weder Trump noch Vance auf“. Flankiert von dem üblichen Gesülze von Trump als Sith-Lord mit Musk und Vance als böse Palatine. Die glauben das wirklich! Außerdem hat Vance mit Weidel und Merz gesprochen. GESPROCHEN! Sie haben richtig gelesen. Die Amerikaner haben glasklar erkannt, dass mit der EU und den Wichtigtuern der deutschen Regierungsparteien schlicht „kein Staat“ zu machen ist. „America first“ heißt auch „Europe second“ und die Rede von Vance und die Reaktionen darauf haben tatsächlich gezeigt, mit welchen eitlen und wichtigtuerischen Wichten wir es in „unserer Demokratie“ zu tun haben. Wird sich aber nun etwas ändern? Natürlich nicht. Die europäischen Kleinmächte mit ihren zappeligen Demokratieminderleistern werden sich einigeln und hoffen, dass die nächsten vier Jahre Trump und dann vielleicht vier Jahre Vance an ihnen wie ein Gewittersturm vorüberziehen werden. An uns als Wählern liegt es, ob dies so sein wird.

Haben Sie die Bilder gesehen? Robert Habeck hat eines verbreitet, Olaf Scholz ein anderes. Robert Habeck war nämlich in Auschwitz. Aber nur als Besucher. Olaf Scholz auch, auch als Tourist. Auf dem Bild Robert Habecks sieht man ihn aus der Rückenansicht, wie er zwischen einem Gebäude (dem Krematorium?) und zwei Stacheldrahtzäunen, ganz allein, fast einsam, entlangflaniert. Das ganze Bild, in einen orangen Filter getaucht, erinnert stark an die „Jever“-Werbung. Ein Mann. Seine Gedanken. Ein KZ. Veröffentlicht hat Robert Habeck das Bild auf X mit dem Untertext: „Heute, am 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, habe ich in Polen das Stammlager I und später das Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau besucht. Neben dem offiziellen Teil gab es auch ein paar Momente allein. Ich brauche dazu nichts zu sagen, denke ich.“ Ein paar Momente. Allein. Robert Habeck mit sich selbst. Und dem Kameramann. Und den Personenschützern. Möglicherweise auch mit seinem Social-Media-Team und seinem Wahlkampfteam. Aber allein. Hauptsache allein. Mit seinen Gedanken. Und die teilt er mit, indem er sie nicht mitteilt. So isser, unser Robert, gell? So ein eigentlich stiller, besinnlicher und, ja, auch tief philosophischer Typ. Ich kann mich nicht gegen meine Phantasie wehren. Ich sehe mich mit Robert Habeck und seinem Team da, in dieser Todesgasse stehen und das, was wie ein Schnappschuss – welch grässliches Wort in einem Konzentrationslager – aussieht, inszenieren: „Robert, wir machen das von hinten. Wie in der Werbung. Geh ein paar Schritte nach da. Nicht umdrehen, Robert, NICHT UMDREHEN, HERRGOTT, ja, so isses gut, Stimmt das Licht, Malte? Klasse. Nicht so weit weg, Robert, es muss zufällig aussehen und wir können das Stativ und das Licht nicht hinter Dir hertragen. Geh nochmal so… JA, PASST, IS IM KASTEN! Super Robert, das wird ein Kracher!“ Ein Hauch von Bierwerbung weht durch das Bild: Wie das KZ, so das Jever. Ich weiß nicht, ob er oder Olaf Scholz schneller war, unser Kanzler ließ sich von hinten insze… fotografieren, wie er vor einem der Öfen im Krematorium steht. Mittig. Im gedämpften Licht. Besinnlich und sich besinnend. Ob er da ein Gebet gesprochen hat? Man weiß es nicht, aber die Bildkomposition ist sehr schön, sehr symmetrisch. Da hat das Fotografierende gut mitgedacht. Diesen beiden Typen ist das vielleicht grausigste und grausamste Vernichtungslager der Welt nicht zu schade, um sich zu Wahlkampf- und Eigendarstellungszwecken optisch hübsch in Szene zu setzen, um einen auf „besinnlich“ zu machen. Das, was vor Ort passiert ist, wo Menschen verprügelt, verreckt und schlussendlich vergast wurden, wird heute von ganz aufrecht unserdemokratischen Politikern zur Gruselkulisse für nicht hässliche Bilder, zum „Auschwitzland“ für professionelles Trauern herabgewürdigt. Wahres und echtes Gedenken braucht keine Pressefotografen, sondern Ruhe und Geschichtsbewusstsein, was ich mit einem Pulk von Fotografen, Security und Begleitentourage für höchst schwierig halte. Beide Bilder haben einen bitteren Beigeschmack von „Halloho? Ich trauere und bin nachdenklich! Seht Ihr, wie ich trauere? Seht Ihr es? Kinners, hierher, ich trauere! Guck, da der Ofen, da der Stacheldraht, schrecklich. Soll ich nochmal im Halbprofil…?“ Es gibt vielleicht noch eine Handvoll Leute, die aus Auschwitz entkommen und bewusst erzählen können, wie es war und auch sie werden bald gestorben sein. Wer als 10-jähriger da hinkam und überlebte, ist spätestens 1935 geboren und heute 90 Jahre alt. In zehn bis zwanzig Jahren wird die Erinnerung an den Holocaust nur noch virtuell in Filmen und Literatur gegenwärtig sein, da es keine Zeitzeugen mehr gibt, die das Monströse dieses Ortes aus eigener Anschauung vermitteln können. Dann wird Auschwitz endgültig zur Gedenkkulisse von Politikern herabgewürdigt werden, wenn die Museumsleitung hier nicht eingreift. Eigentlich sollte auf dem gesamten Gelände ein Fotografier-Verbot herrschen. Auch und besonders für Politiker. Das ist kein Ort, um Besinnlichkeit zu heucheln und publikumswirksame Bilder zu schießen. Oder lustige Selfies für Instagram und Tiktok zu machen. Was kommt als Nächstes? „My friends went to Auschwitz and all I got was this lousy T-Shirt“? Das ist Auschwitz. Der Ort eines der größten Verbrechen der Menschheit. Ein Ort, an dem Täter zu viehischen Barbaren und Opfer zur vernichtbaren Objekten herabgewürdigt wurden. Ein Ort, gegen den die Hölle ein angenehmer Platz sein muss. Ein Ort, an dem es keine Moral und keine Menschlichkeit mehr gab. Und an diesem Ort standen zwei Politiker in guter Ausleuchtung und simulierten Anteilnahme. Dann reisten sie wieder ab und beschlossen, noch mehr Judenhasser ins Land zu lassen. Es widert mich nur noch an.


