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In Quarantäne III
Thilo Schneider • 25. März 2020
Alle werden wahnsinnig...

Wenn man sich so in selbstgewählter Quarantäne befindet, dann nutzt man, wie könnte es anders sein, verstärkt die (a)sozialen Medien wie Twitter und Facebook. Ich persönlich finde es verwirrend, was alles an Informationen so auf mich hereinprasselt. Insgesamt lassen sich empirisch fünfzehn Haupttypen feststellen:
- Der finstere Verschwörer
Alles klar. Die Amerikaner haben den Chinesen das Virus irgendwie untergejubelt, um die chinesische Wirtschaft zu schwächen, ohne damit zu rechnen, dass sich so ein Virus verbreitet. Alterativ waren es aber doch auch die Chinesen oder die Russen oder, auf den ganz finsteren Seiten, die Juden, allen voran Soros und Gates und dieser eine Typ, um endlich die „neue Weltordnung“ aufzurichten und wenn man eine Karte mit den 5G-Masten und den Hauptausbruchszentren von Corona übereinander legt, dann sieht man, woher das Virus eigentlich kommt. Garniert wird dieser gedankliche Besonders-Müll mit Youtube-Videos der Marke „Wohnzimmerproductions proudly present“ oder dubiosen Wackelfilmen aus Handys, die ganz eindeutig die Lage in Mbelehausen in Liberia zeigen, das ist der Beweis, Ihr Schlafschafe. Bleibt ruhig weiter dumm und macht Euch lustig!
- Der esoterische Philosoph
„Die Natur wehrt sich gegen uns“, so sagt er. Denn nachdem niemand auf die FFF-Kids (die, nebenbei gesagt, jetzt sehr darauf angewiesen sind, dass die „alten weißen Männer“, die Freitags Chemie statt Chillen gepaukt haben, einen Impfstoff für die luxusverwöhnten Kröten finden) gehört hat, hat sich die Natur gesagt: „Ach, dann mach ich eben einen Virus und rotte mal einen Prozentsatz X der Menschheit aus.“ Glücklich posten die bisher Überlebthabenden Bilder von einem Himmel ohne Kondensstreifen, Fischen in den Grachten von Amsterdam und Venedig und Delphinen, die jetzt glücklich wieder durch die Meere hüpfen und Frachter mit einer Ladung Schutzmasken begleiten. So isse, die Natur. Wer nicht spurt, der kriegt eben einen Virus. Ätsch.
- Der Hobby-Sanitäter
Also, der hat einen Bekannten, dessen Schwester arbeitet als Reinigungskraft auf dem Parkplatz der Frankfurter Uniklinik und die schwört auf Essig mit Zwiebeln. Wenn man sich von dem Gebräu nachts einen Teller neben das Bett stellt, dann sorgen die „ätherischen Ausdünstungen“ nachts für eine Befreiung der Atemwege und der Lunge. Dadurch ekelt sich das Virus und geht beleidigt ein und der Schläfer bleibt gesund. Er hat das jetzt seit zwei Stunden neben dem Bett und es ist ihm nichts passiert. Also! Wer es rund machen will, der kann ja noch Spinnenbeine und gestoßene Fledermausflügel hinzufügen und das Ganze auf 5.504 Grad Celsius erwärmen, sofern sein Elektroherd das hergibt. Das überlebt kein Virus. Der Hobby-Sanitäter auch nicht.
- Der locker Entspannte
Alles halb so wild, gute Güte, mal die Kirche im Dorf lassen. Leute, das ist eine ganz normale Grippe, letztes Jahr sind allein in Deutschland an einer normalen Grippe 2,5 Millionen Leute gestorben. Und? Hat das jemand gejuckt? Also! Außerdem sterben alte Leute nun einmal. Der Tod sucht sich eben eine Ursache. Immer das Geschiss da. Nun sind sie halt mal tot. Der Entspannte vermisst die netten Cafés im Freien und muss nun seine Weisheit im Internet verkünden
- Der hämische Hamster
Nicht nur, dass er weiß, wo es noch Klopapier gibt, er sagt es auch nicht weiter, natürlich, um den Laden vor den anderen Hamstern zu schützen. Er postet gerne Bilder von leeren Supermarkt-Regalen, die er vorher achtsam in seinen Einkaufswagen leergeräumt hat. Ist ja nicht alles für ihn. Frau Kalupke aus dem Zweiten kann nicht alleine einkaufen gehen, weswegen er ihr zehn Kartons Klopapier mitbringt. Das ist also quasi eine Sammelbestellung, die er da mit zwei vollen Einkaufswägen über die Kasse schieben will
- Der herzensgute Altruist
Brauchst Du was? Fehlt Dir was? Der Altruist hat es. Schutzmasken? Hat er aus alten Plüschtieren selbst genäht, hier die Anleitung. Du kannst Dir gerne welche bei ihm abholen. Desinfektionsmittel? Hat er sich aus Rum und Radler selbst gebraut, man braucht dazu nur Rum und Radler und einen Erlenmeyer-Kolben. Soll er Dir was holen? Was mitbringen? Egal, was es ist, der Altruist sorgt dafür, dass Du es bekommst. Wenn Du weißt, wie Du ihn erreichst. Kontaktdaten hat er leider vergessen, anzugeben, wo er doch sonst angibt.
- Der Freizeit-Virologe
Leute, es ist doch gar kein Geheimnis: Corona ist eine Tröpfcheninfektion und wer Handschuhe und Mundschutz trägt, dem kann nichts passieren, denn das Virus pflanzt sich nur in Knie- und Achselhöhlen und im Schritt fort und man kann sich das Zeug nur holen, wenn man sich zuerst mit den Fingern unter die Achseln und dann in den Mund fährt. Die ersten Anzeichen sind dann Geisteskrankheit, mit der beispielsweise ein Biologielehrer im Ruhestand dem Rest der Bevölkerung sein Nichtwissen unter die Kutte jubelt.
- Der verhinderte Künstler
Er hat ein Lied geschrieben und ein Bild gemalt, da wollte er jetzt gemeinsam mit seinem besinnlichen Text herumzeigen, einfach mal so. Damit die Leute sehen, dass er ein Bild gemalt und hören, dass er ein Lied geschrieben hat. Es hat seinen Grund, warum er seinen Lebensunterhalt als Bankkaufmann und nicht als Künstler fristet, aber ein paar, die restlos begeistert sind, werden ihn schon feiern.
- Der schonungslose Statistiker
Er hat alles zusammengetragen, was sich an Statistiken zusammentragen lies. Kann Exponentialkurven und Kausalitäten schlüssig so begründen, dass es keiner versteht. So korreliert die Sterblichkeitsrate bei dreibeinigen Dackelbesitzern (Also: der Dackel, nicht der Besitzer), die im Sternzeichen der Dummfrau und einer Laufbahn im Gehobenen Dienst nach 40 Ehejahren überraschenderweise mit der Heilungsrate serbokroatischer Spargelstecherinnen ohne Aufenthaltsvisum, sofern diese stets Gummistiefel im Bett getragen haben. Daraus ergibt ich eindeutig, dass, ehm, also auf jeden Fall ist es schon auffällig, oder?
- Der schlechte Scherzkeks
Kein Witz zu blöd, kein Bildchen zu flach, kein Joke zu schlecht. Der schlechte Scherzkeks klatscht nicht nur seine Wall, sondern auch die Walls anderer Mitleidender zu und weil ihm das immer noch nicht genug ist, verschickt er die lustigen Bilder und Witze auch über jeden Messenger, der nicht schnell genug offline geht. „Besser Viren im Computer als auf dem Computer“, höhö, oder „Greta Thunberg hat jetzt auch Corona – sie hat´s ja kommen sehen“. Ja, Applaus, Applaus, warum werden eigentlich eher Alte als die Typen dahingerafft?
- Der vortreffliche Verfassungsjurist
Wir sind uns aber schon alle im Klaren, dass die Maßnahmen jetzt verfassungswidrig sind, oder? Hier wird ganz klar gegen das Grundrecht auf saubere Bettlaken und die Reisefreiheit, verstoßen. In Artikel 320, Absatz 4, Punkt 26 steht nämlich eindeutig, dass jeder Bundesbürger auf Reisen das Recht auf ein desinfiziertes Bettlaken und ein Handtuch auf der Liege am Pool hat, sofern dieses vor 4.00 Uhr morgens dort abgeworfen wurde. Außerdem wird man ja wohl noch mit seinem Hund spazieren gehen dürfen. Gassi ist Hunde- und Menschenrecht! Wo kommen wir da hin? Diktatur! Lieber tot als daheim! Widerstand now!
- Der elende Egoist
Es liegt auf der Hand, dass dieser Virus einzig und allein von dunklen Mächten geschaffen wurde, um ihm das Leben schwer zu machen. Die räumen im Supermarkt das Klopapier und die Nudeln absichtlich weg, damit er keine mehr kriegt. Dabei wollte er ja nur handelsübliche Mengen kaufen, aber die gönnen ihm ja nix. Sogar seine Lieblingssorte Scheiblettenkäse ist aus und seine Stammkneipe hat auch zu. Lange lässt er sich das jedenfalls nicht mehr gefallen.
- Die penetrante Petze
Das Auge des spießbürgerlichen Gesetzes schläft nicht. Hier ist das Beweisfoto: Heute Morgen um halb Sieben standen drei Müllmänner zusammen und haben sich unterhalten, wo doch jeder weiß, dass das verboten ist. Die Petze wird den Vorfall melden, Kennzeichen des Müllwagens ist notiert und wird nebst Beweisfoto an die Bundesstaatsanwaltschaft weitergeleitet. Wir müssen alle aufeinander achten und besonders die Petze tut das, nachdem keine Autos mehr im Halteverbot stehen. Kann nur mit Mühe davon abgehalten werden, selbst auf Patrouille zu gehen, Corona hin oder her, einer muss schließlich den Job machen.
- Der provinzielle Politiker
Nachdem es mit Theologie nicht geklappt hat, ging es eben in die Politik: Wir müssen jetzt alle zusammenhalten. Jetzt zeigt sich, wer Charakter hat und für seine Mitmenschen da ist. Deswegen applaudiere ich jeden morgen um 10.00 Uhr allen Gleichstellungsbeauftragten und Genderprofessoren, deren ruhm- und segensreiches Tun in diesen Tagen viel zu wenig gewürdigt wird. Außerdem könnten der gierige Vermieter, die gierigen Banken und die gierigen Selbständigen und die gierigen Gierigen jetzt mal auf Einnahmen verzichten, wo es doch gar keine Gelegenheiten zum Ausgeben gibt. Außer der GEZ. Was sein muss, muss sein! Wir müssen jetzt alle zusammenhalten. Gegen die Schweine da oben. Und gegen die AfD. 9mm gegen Rechts.
- Der Breaking-Newer
Schon wieder ein Corona-Toter mehr. Jetzt der erste Corona-Tote in Mariapfählmich in Unterschwaben. In Estland holen sie die Toten jetzt schon mit Eselskarren ab, denen eine vermummte Gestalt mit Glocke vorauslaufen muss. Die Zahl der Corona-Kranken auf Palau hat sich seit 1976 versechzehnfacht. Keine Meldung bleibt ungehört, der Newsbreaker breakt sie sofort auf seiner Wall. Es ist alles ganz furchtbar, da geht’s uns ja noch gold.
Bonus: Der Dumme
Versteht gar nichts. Versteht nicht , was los ist, versteht nicht, was sein Gegenüber meint, nennt weder ein Gehirn, noch wenigstens eine artikulierte Sprache sein eigen, pöbelt, schimpft und trollt und will sich jetzt endlich mit seinen Kumpels wieder zum Sisha-Rauchen treffen, Ihr Arschlöcher.
Bonus: Der Dumme
Versteht gar nichts. Versteht nicht , was los ist, versteht nicht, was sein Gegenüber meint, nennt weder ein Gehirn, noch wenigstens eine artikulierte Sprache sein eigen, pöbelt, schimpft und trollt und will sich jetzt endlich mit seinen Kumpels wieder zum Sisha-Rauchen treffen, Ihr Arschlöcher.
Daneben gibt es sicher noch viele Mischtypen und ich selbst habe mich beim Schreiben in zwei-/drei Kategorien gefunden, was mir jetzt auch entsetzlich peinlich ist, aber so isses eben. Jeder geht mit der Situation auf seine Weise um und solange er tut, was er kann, ist das allemal besser, als er tut, was er nicht kann. Und, Hand aufs Herz: Überfordert sind wir im Moment sowieso alle auch ein wenig.

Ist das nicht süß? Wirklich zuckersüß, wie sie jetzt alle springen, tanzen und singen? Da kommt so ein Ami aus Amirika zur Münchner Sicherheitskonferenz und hält den bei Häppchen und Sekt versammelten grauen Köpfen der europäischen Nomenklatura einen 20-minütigen, freien und fehlerlosen Vortrag über Demokratie und Mehrheiten, verzwergt seine Zuhörer und deklassiert sie und landauf landab fliegen die geohrfeigten Köpfe der Brandmaurer. Da stellt sich dann ausgerechnet ein ausgebildeter Neo-Sozialist wie der Bundespräsident, der vor nicht einmal 12 Monaten den amtierenden Präsidenten der USA als „Hassprediger“ abgekanzelt hat, hin und verbittet sich eine Einmischung der Amerikaner in die lautere und tadellose Demokratie der Schwachkopf-Anzeiger, „So-Done“-Betreiber und Morgens-aus-dem-Bett-Klingler. Da sind sie alle ganz aufgeregt, die, die nicht müde wurden, zu beteuern, dass mit Donald Trump das absolut Böse ins Weiße Haus einziehen wird. Die den altersschwachen Joe Biden zu einem stolzen Führer der freien Welt mit dem absoluten Überblick verklärten, um gleich anschließend Kamala Harris zu einer Lichtgestalt zu verklären, die den Heiligenschein Jesu um Milliarden Lux überstrahlte. Diese Politiker und Medien beschweren sich nun wie mit der Hand in der Keksdose ertappte Kinder über eine Rede, die ihnen, den Führern des Wertewestens und des freiesten und buntesten und diversesten Europas, das es je seit der Belagerung Konstantinopels gab, die demokratischen Leviten liest. Witzig – während ich diese Zeilen schreibe, lese ich auf X, dass der Rechtsanwalt Markus Roscher zu 3.000,- € Geldstrafe verurteilt wurde, weil er in einem Tweet Habeck, Scholz und Baerbock für das Heizungsgesetz als „boshafte Versager“ bezeichnet hat. Sein Waffenschein steht nun wegen „Unzuverlässigkeit“ ebenfalls zur Diskussion. Außerdem muss er im „Wiederholungsfall“ – nämlich, dass er die Genannten „in ihrem öffentlichen Wirken erheblich beeinträchtigt“ – damit rechnen, dass ihm der Entzug seiner Anwaltslizenz droht. Außerdem wurde er gewarnt, dass er im Einspruchsverfahren mit einer noch höheren Geldstrafe rechnen müsste. Sieht so die Meinungsfreiheit „unserer Demokratie“ aus? Das exakt ist es, was Vance mit seiner Rede gemeint hat. Und was unsere Politisierenden und die geneigten Medien vehement und ganz wehrhaft mit wedelnden Armen abstreiten. „Keine Meinungsfreiheit? Stimmt ja gar nicht! Halt die Fresse!“ Ich mag die AfD nicht. Ich finde sie zu wenigstens 60% ganz schrecklich, weil da auch ganz schreckliche Leute mitmachen, deren Stammtische ich schon in Jugendtagen gemieden habe, obwohl es die da noch gar nicht gab. Das spielt in einer Demokratie aber keine Rolle, wen ich mag oder nicht mag. Ich persönlich finde Grüne und Linke noch viel schrecklicher, radikaler und ja – auch gewalttätiger. Erst recht, wenn sie 1933 als Rechtfertigung für Zerstörung und Körperverletzung als Alibi heranziehen. Aber ebenso, wie ich die Einen ertragen muss, muss ich auch die anderen ertragen. Und, als Demokrat, bestenfalls mit beiden reden, weil sie vielleicht ja doch einen Punkt haben. Außerdem ist es unfair und undemokratisch, eine 20%-Partei in ihrer parlamentarischen Arbeit zu behindern und ihnen ihrer Partei zustehende Posten zu verweigern oder Gesetze und Regeln so elegant hinzubiegen, dass sie keine Chance haben, für das Geld, das sie auch von ihren Wählern bekommen, Ihren Job zu machen. Unser Grundgesetz (dessen Hochhalten in Corona bereits bestraft wurde) sieht keine „guten“ und „schlechten“ Wählerstimmen vor. Es gibt schlicht keine Abstufung. Vance hat nichts anderes gesagt als seinerzeit Gorbatschow zu den Betonköpfen im Politbüro: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Wer sich nicht um die Anliegen von mindestens 20% - eigentlich aber sogar mehr als 50% aller Wähler kümmert (ja, wir reden hier von illegaler Migration und Union und AfD gemeinsam), der darf sich dann auch nicht wundern, wenn die eigene, überhebliche Arroganz gegenüber dem Wahlvolk, das die ganze Butze finanziert, zur eigenen Abwahl führt. Es ist das tiefste Wesen einer Demokratie, dass es keinen Adel und keine Kaste gibt und das Volk seine Regierungen bei Nichtbeachtung abwählen und einer neuen Regierung eine neue Chance geben kann, darf, soll und – im Eigeninteresse – sogar muss. Nichts anderes hat Vance versucht, seinen europäischen Gesprächspartnern, die nun gemeinsam mit den ihnen gewogenen Medien aufgeregt flügelschlagend umeinanderkreisen, klarzumachen. Und als Antwort bekommt er – und wir – unter dem Strich die gleiche Antwort, die seinerzeit Honecker gab: „Unsere Demokratie in ihrem Lauf halten weder Trump noch Vance auf“. Flankiert von dem üblichen Gesülze von Trump als Sith-Lord mit Musk und Vance als böse Palatine. Die glauben das wirklich! Außerdem hat Vance mit Weidel und Merz gesprochen. GESPROCHEN! Sie haben richtig gelesen. Die Amerikaner haben glasklar erkannt, dass mit der EU und den Wichtigtuern der deutschen Regierungsparteien schlicht „kein Staat“ zu machen ist. „America first“ heißt auch „Europe second“ und die Rede von Vance und die Reaktionen darauf haben tatsächlich gezeigt, mit welchen eitlen und wichtigtuerischen Wichten wir es in „unserer Demokratie“ zu tun haben. Wird sich aber nun etwas ändern? Natürlich nicht. Die europäischen Kleinmächte mit ihren zappeligen Demokratieminderleistern werden sich einigeln und hoffen, dass die nächsten vier Jahre Trump und dann vielleicht vier Jahre Vance an ihnen wie ein Gewittersturm vorüberziehen werden. An uns als Wählern liegt es, ob dies so sein wird.

Haben Sie die Bilder gesehen? Robert Habeck hat eines verbreitet, Olaf Scholz ein anderes. Robert Habeck war nämlich in Auschwitz. Aber nur als Besucher. Olaf Scholz auch, auch als Tourist. Auf dem Bild Robert Habecks sieht man ihn aus der Rückenansicht, wie er zwischen einem Gebäude (dem Krematorium?) und zwei Stacheldrahtzäunen, ganz allein, fast einsam, entlangflaniert. Das ganze Bild, in einen orangen Filter getaucht, erinnert stark an die „Jever“-Werbung. Ein Mann. Seine Gedanken. Ein KZ. Veröffentlicht hat Robert Habeck das Bild auf X mit dem Untertext: „Heute, am 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, habe ich in Polen das Stammlager I und später das Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau besucht. Neben dem offiziellen Teil gab es auch ein paar Momente allein. Ich brauche dazu nichts zu sagen, denke ich.“ Ein paar Momente. Allein. Robert Habeck mit sich selbst. Und dem Kameramann. Und den Personenschützern. Möglicherweise auch mit seinem Social-Media-Team und seinem Wahlkampfteam. Aber allein. Hauptsache allein. Mit seinen Gedanken. Und die teilt er mit, indem er sie nicht mitteilt. So isser, unser Robert, gell? So ein eigentlich stiller, besinnlicher und, ja, auch tief philosophischer Typ. Ich kann mich nicht gegen meine Phantasie wehren. Ich sehe mich mit Robert Habeck und seinem Team da, in dieser Todesgasse stehen und das, was wie ein Schnappschuss – welch grässliches Wort in einem Konzentrationslager – aussieht, inszenieren: „Robert, wir machen das von hinten. Wie in der Werbung. Geh ein paar Schritte nach da. Nicht umdrehen, Robert, NICHT UMDREHEN, HERRGOTT, ja, so isses gut, Stimmt das Licht, Malte? Klasse. Nicht so weit weg, Robert, es muss zufällig aussehen und wir können das Stativ und das Licht nicht hinter Dir hertragen. Geh nochmal so… JA, PASST, IS IM KASTEN! Super Robert, das wird ein Kracher!“ Ein Hauch von Bierwerbung weht durch das Bild: Wie das KZ, so das Jever. Ich weiß nicht, ob er oder Olaf Scholz schneller war, unser Kanzler ließ sich von hinten insze… fotografieren, wie er vor einem der Öfen im Krematorium steht. Mittig. Im gedämpften Licht. Besinnlich und sich besinnend. Ob er da ein Gebet gesprochen hat? Man weiß es nicht, aber die Bildkomposition ist sehr schön, sehr symmetrisch. Da hat das Fotografierende gut mitgedacht. Diesen beiden Typen ist das vielleicht grausigste und grausamste Vernichtungslager der Welt nicht zu schade, um sich zu Wahlkampf- und Eigendarstellungszwecken optisch hübsch in Szene zu setzen, um einen auf „besinnlich“ zu machen. Das, was vor Ort passiert ist, wo Menschen verprügelt, verreckt und schlussendlich vergast wurden, wird heute von ganz aufrecht unserdemokratischen Politikern zur Gruselkulisse für nicht hässliche Bilder, zum „Auschwitzland“ für professionelles Trauern herabgewürdigt. Wahres und echtes Gedenken braucht keine Pressefotografen, sondern Ruhe und Geschichtsbewusstsein, was ich mit einem Pulk von Fotografen, Security und Begleitentourage für höchst schwierig halte. Beide Bilder haben einen bitteren Beigeschmack von „Halloho? Ich trauere und bin nachdenklich! Seht Ihr, wie ich trauere? Seht Ihr es? Kinners, hierher, ich trauere! Guck, da der Ofen, da der Stacheldraht, schrecklich. Soll ich nochmal im Halbprofil…?“ Es gibt vielleicht noch eine Handvoll Leute, die aus Auschwitz entkommen und bewusst erzählen können, wie es war und auch sie werden bald gestorben sein. Wer als 10-jähriger da hinkam und überlebte, ist spätestens 1935 geboren und heute 90 Jahre alt. In zehn bis zwanzig Jahren wird die Erinnerung an den Holocaust nur noch virtuell in Filmen und Literatur gegenwärtig sein, da es keine Zeitzeugen mehr gibt, die das Monströse dieses Ortes aus eigener Anschauung vermitteln können. Dann wird Auschwitz endgültig zur Gedenkkulisse von Politikern herabgewürdigt werden, wenn die Museumsleitung hier nicht eingreift. Eigentlich sollte auf dem gesamten Gelände ein Fotografier-Verbot herrschen. Auch und besonders für Politiker. Das ist kein Ort, um Besinnlichkeit zu heucheln und publikumswirksame Bilder zu schießen. Oder lustige Selfies für Instagram und Tiktok zu machen. Was kommt als Nächstes? „My friends went to Auschwitz and all I got was this lousy T-Shirt“? Das ist Auschwitz. Der Ort eines der größten Verbrechen der Menschheit. Ein Ort, an dem Täter zu viehischen Barbaren und Opfer zur vernichtbaren Objekten herabgewürdigt wurden. Ein Ort, gegen den die Hölle ein angenehmer Platz sein muss. Ein Ort, an dem es keine Moral und keine Menschlichkeit mehr gab. Und an diesem Ort standen zwei Politiker in guter Ausleuchtung und simulierten Anteilnahme. Dann reisten sie wieder ab und beschlossen, noch mehr Judenhasser ins Land zu lassen. Es widert mich nur noch an.


